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Seine Silbertolle war Gianni van Daalens Markenzeichen. Foto: Mike Wolff
© Mike Wolff

Ehemaliger Berliner Adlon-Chef van Daalen Ein Vorbildhotelier, der in die Stadt hineinwirkte

Er half dem neuen Hotel Adlon, seinen legendären Ruf zurück zu gewinnen. Jean „Gianni“ van Daalen ist mit nur 75 Jahren verstorben. Ein Nachruf.

Unsterblich nannten ihn Weggefährten, sagten, er habe sich Weltruhm erarbeitet. Der, um den es ging, Jean „Gianni“ van Daalen, hätte beim Lesen vermutlich süffisant gelächelt: Habt ihr das auch eine Nummer kleiner? Aber es hätte ihm auch irgendwie gefallen, denn der Weltbürger und Adlon-Neugründer war gewiss nicht ohne Eitelkeit, mit der Silbertolle als Markenzeichen und immer im feinen Tuch – Idealbesetzung des leidenschaftlichen Hoteliers optisch wie fachlich.

Zusammen mit seiner Frau Marylea zählte er zur Berliner Top-Prominenz. In der vergangenen Woche ist van Daalen unerwartet gestorben, mit nur 75 Jahren.

Paris, Rom, Moskau, Montréal, das waren die ersten Stationen seiner Karriere, branchenüblich im steten Wechsel. In Berlin aber wurde er sesshaft, zunächst als Chef des Steigenberger-Hotels in der Rankestraße, dem er einigen Glanz verlieh und zeigte, wie seine Interpretation der Funktion des „General Managers“ aussah: Der war für ihn nicht nur persönlich stets sichtbarer Gastgeber, sondern auch jemand, der engagiert in die Stadt hineinwirkte, in den wichtigen Gremien saß und sie notfalls selbst gründete – so lief ihm das Amt des Präsidenten des Hotel- und Gaststättenverbandes mehr oder weniger automatisch zu.

Als er 1996 zum ersten Direktor des noch im Bau befindlichen Hotels Adlon berufen wurde, galt er als Idealbesetzung und zeigte rasch, dass diese Vorschusslorbeeren berechtigt waren. Das Adlon gewann unter ihm seinen legendären Ruf zurück, zog Präsidenten und Weltstars wie selbstverständlich an. Andere Hoteldirektoren wie Willy Weiland vom Interconti und Karl Stiehle vom Palace zogen mit und gründeten den „Runden Tisch Tourismus“, der die Besuchermetropole vorausdachte; Aktionen wie der „Winterzauber Berlin“ und das Konzept für die Kongressstadt bereiteten den Weg.

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Doch als es dann richtig losging, wurde Jean van Daalen 2004 fortgeschickt, natürlich nicht einfach so, sondern mit vollem Gepränge. Er sollte das Moskauer Baltschug-Hotel leiten, firmierte alsbald als Regionalpräsident für rund 30 Hotels in ganz Europa.

Moskau, das merkten seine Freunde, war van Daalens sein Wunschziel

Doch Moskau, das merkten seine Freunde beim Abschied, war nicht sein Wunschziel, zumal ein heute nahezu vergessener Kostenkommissar ins Adlon nachrückte, der nach außen unsichtbar blieb, möglicherweise gut für den Etat, aber schlecht für die Ausstrahlung des Hotels.

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Van Daalen behielt seine Wohnung in der Fasanenstraße, netzwerkte unverdrossen weiter in Berlin. Und so war es ihm zweifellos eine Genugtuung, 2010 ins Adlon zurückkehren zu dürfen, als kommissarischer Chef und Ratgeber bei der Suche nach seinem Nach-Nachfolger. Von denen gab es später noch mehrere, aber keiner erreichte seine Ausstrahlung und selbstverständliche Präsenz.

Zuletzt arbeitete Jean van Daalen als Berater und als Präsident der Palmerston Club-Hotels. „Ein Vorbildhotelier und großartiger Mensch mit einem einzigen und sehr persönlichen Stil hat uns verlassen“, schreibt der frühere Waldorf-Chef Friedrich Niemann, der noch in den letzten Monaten mit ihm gearbeitet hatte.

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