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Vor dem Aus: Der Kreuzberger Buchladen "Kisch & Co." in der Oranienstraße. Foto: Felix Hackenbruch
© Felix Hackenbruch

Drohende Räumung durch Vermieter Kreuzberger Kiez-Buchladen „Kisch und Co“ vor dem Aus

Der kleinen Buchhandlung in der Oranienstraße droht die Räumung durch den Luxemburger Vermieter. Am 22. April soll die Klage vor Gericht verhandelt werden.

Die Kreuzberger Kiez-Buchhandlung „Kisch und Co“ steht trotz langem Kampf vor dem Aus. Auch wenn in der gesamten Oranienstraße Plakate hängen mit Schriftzügen wie „Kisch bleibt“, droht dem kleinen Laden die Räumung durch den Luxemburger Vermieter. Am 22. April soll die Klage nun vor dem Strafgericht in Moabit verhandelt werden. Offiziell wegen Sicherheitsbedenken.

„Wir werden kriminalisiert“, sagt ein Mitarbeiter am Donnerstagvormittag. Bei allen Protesten gegen die Räumungen in den vergangenen Monaten sei es friedlich geblieben, trotzdem werde man jetzt wie Schwerverbrecher nach Moabit geladen.

Den Mitarbeiter ärgert das, er sieht Parallelen zur kürzlich geräumten Kiez-Kneipe „Meuterei“ in der Reichenberger Straße. Zur Räumung schickte die Polizei 1000 Kräfte.

Viel Hoffnung hat der Mitarbeiter nicht mehr. Der Termin am 22. April sei wohl nur Routine auf dem Weg zur Räumung.

Wie lange man danach noch öffnen könne, weiß er nicht. Doch schon jetzt werde nicht mehr jede Neuerscheinung bestellt. Und dann? Der Mitarbeiter seufzt hinter seiner Maske. „Es gibt hier nichts, was wir uns leisten könnten.“

Am 22. April soll die Klage vor dem Strafgericht in Moabit verhandelt werden. Foto: Felix Hackenbruch Vergrößern
Am 22. April soll die Klage vor dem Strafgericht in Moabit verhandelt werden. © Felix Hackenbruch

Anfang des vergangenen Jahres wurde das Gebäude, in dem der Buchladen ist, an den Immobilienfonds „Victoria Immo Properties V S.a.r.l.“ aus Luxemburg verkauft – die Buchhandlung soll weichen, seit Juni ist sie ohne Mietvertrag (wir berichteten hier und hier).

Über die Anwältin des Anlagefonds wurde Anfang Juni mitgeteilt, dass der Buchladen die Geschäftsräume bis zum 19. Juni zu übergeben hätte, später bot man eine Verlängerung bis Ende 2020 an, was seitens "Kisch und Co" abgelehnt wurde.

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Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) hatten sich bemüht, die Räumungsklage gegen den Buchladen abzuwenden, sind aber gescheitert. Sie hatten sich per Brief um eine "lösungsorientierte Intervention" bemüht, die Luxemburger Vermieter hatten allerdings abgelehnt. 

Auf der Internetplattform change.org haben bis Donnerstagmittag rund 17.500 Menschen eine Petition gegen die Räumungsklage unter dem Motto "Die Kiezbuchhandlung gegen die Milliardäre" unterschrieben. 

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