Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Vor Gericht (Symbolbild). Foto: dpa
© dpa

Dreieinhalb Jahre Haft für Raser Mit Tempo 151 durch Berlin und Rollerfahrer gerammt

Ein 44-Jähriger raste mit seinem Wagen betrunken durch Marienfelde und verletzte einen Mann schwer. Er muss ins Gefängnis, doch versuchter Mord war es nicht.

Aufgeregt und wütend war Denis G., als er sich mit rund zwei Promille Alkohol im Blut ans Steuer seines 175 PS starken Wagens setzte. Er stieg noch einmal kurz aus, um mit einer Machete in sinnloser Zerstörungswut auf andere Autos einzuschlagen. Der 44-Jährige wollte nach einem Streit mit seiner Frau seine Aggression rauslassen. Er gab Gas, raste mit bis zu 151 Stundenkilometern durch Marienfelde und verletzte schließlich den 53-jährigen Fahrer eines Motorrollers schwer.

Das Landgericht verurteilte G. am Mittwoch zu dreieinhalb Jahren Haft. Zudem wurde eine Führerscheinsperre von vier Jahren verhängt.

Schuldig eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens, der gefährlichen Körperverletzung, der vorsätzlichen Gefährdung des Straßenverkehrs, der Unfallflucht und Trunkenheit am Steuer, entschieden die Richter. Der Vorwurf des versuchten Mordes habe sich allerdings nicht bestätigt. „Wir sehen keine bedingte Tötungsabsicht“, sagte der Vorsitzende Richter. Es sei eine „persönlichkeitsfremde Spontantat“ gewesen. Das Gericht folge einem psychiatrischen Gutachten und gehe von verminderter Schuldfähigkeit aus.

Am 17. Mai 2020 hatte es wieder einmal Zoff gegeben. Weil sich Denis G. nicht wohlfühlte in der Wohnung seiner Ehefrau, weil er genervt war vom Streit mit einer Nachbarin wegen Lärms. Auch im Job lief es für den Industriemechaniker nicht gut – unter anderem wegen der Corona-Pandemie. Er habe „Alkohol getrunken, um die Sorgen hinunterzuspülen“, hatte G. im Prozess erklärt.

Unterwegs sagte er zu sich: „Alter, lass die Karre ganz!“

„Der Angeklagte wusste, dass er nicht mehr in der Lage war, ein Fahrzeug sicher zu führen“, hieß es im Urteil. Auf der anschließenden Fahrt habe er noch zu sich selbst gesagt: „Alter, lass die Karre ganz!“ Doch ihm seien dann die Sicherungen durchgebrannt. Seine Fahrweise wurde gewagter und aggressiver.

Zwei rote Ampeln überfuhr er. Dann die Kreuzung Großbeerenstraße/Daimlerstraße. Zwar habe G. die Geschwindigkeit vermindert, sei aber weiter auf die Kreuzung zugefahren. Zu spät habe er erkannt, dass auf der linken Spur, auf der auch er sich befand, ein Motorroller an der roten Ampel stand. „Er leitete eine Vollbremsung ein, konnte aber nur noch auf 45 bis 50 km/h verringern“, hieß es weiter im Urteil.

[Wenn Sie alle aktuellen Nachrichten live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Der Unfall war nicht mehr zu vermeiden. Er rammte den Motorroller von hinten. Der damals 53-jährige Fahrer wurde 15 bis 18 Meter weit durch die Luft geschleudert. Er prallte gegen die Windschutzscheibe und wurde dann auf den Asphalt geschleudert. Der Mann erlitt zahlreiche Frakturen – vor allem an Rücken und Beinen. „Bis heute ist er nicht belastbar“, so der Richter.

Denis G., ein Mann ohne Vorstrafen, hatte im Prozess um Entschuldigung gebeten. Bereits im Vorfeld hatte er 5000 Euro an den Rollerfahrer gezahlt und eine Therapie begonnen, um das Geschehen aufzuarbeiten. „Schemenhaft“ sei die Fahrt gewesen, sagte er. Er habe den Roller an der Kreuzung nicht gesehen. „Es gab einen Knall, dann bin ich wie in Trance weitergefahren.“ G. floh, obwohl der Roller wie aufgespießt im Kühler feststeckte. 5,3 Kilometer weit kam er noch.

Der Staatsanwalt hatte fünf Jahre Haft unter anderem wegen versuchten Mordes verlangt. Der Verteidiger plädierte auf eine Bewährungsstrafe. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Kerstin Gehrke

Zur Startseite