Ronja Wurmb-Seibel und Niklas Schenck drehten die Doku "True Warriors". Foto: Mike Wolff
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Doku über Terror kommt nach Berlin Wenn ein Theaterstück Realität wird

Anna Pia Möller
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Die Doku „True Warriors“ zeigt, wie die Handlung eines afghanischen Theaterstücks über einen Terroranschlag sich bewahrheitet - authentisch und berührend.

Edris Fakhri hat kleine Lachfalten um die Augen und ein breites Grinsen im Gesicht. Das passt so gar nicht zu dem, was er gerade erzählt hat: Abgetrennte Körperteile, Blut, der Geruch von verbranntem Menschenfleisch. Drei Jahre ist das jetzt her. Es war der 11. Dezember 2014.

Fakhri und seine Schauspielkollegen standen in Kabul auf der Bühne und feierten Premiere, mit einem ganz besonderen Stück. Es ging um einen Terroranschlag. Doch plötzlich wurde das Stück Wirklichkeit. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich während der Vorführung in die Luft.

Diese Kombination – ein tragisches Ereignis und lebensfrohe Menschen – das ist, was Ronja von Wurmb-Seibel und Niklas Schenck beeindruckte. Die beiden Filmemacher, die selbst eine Zeit lang in Kabul lebten, wollten an dem Abend eigentlich selbst dabei sein, aber der Rückflug nach Hamburg war schon gebucht. Am ersten Morgen, zurück in Deutschland dann die Schreckensnachricht.

"Die Geschichte hat sich verändert"

„Wir haben uns bei unseren Freunden erkundigt, ob es allen gut geht“, sagt von Wurmb-Seibel. Durch diese vielen kleinen Geschichten, die jeder Einzelne zu berichten hatte, habe sie das Chaos und den Kontrollverlust besser verstehen können. In den deutschen Medien war das Ereignis eine Randmeldung wert.

Von Wurmb-Seibel und Schenck merkten schnell, dass da mehr hinter steckte. Im Mai 2015 reisten sie zurück nach Kabul, um mit den Menschen zu sprechen. Entstanden ist der berührende Dokumentarfilm „True Warriors“.

„Während der Dreharbeiten hat sich die Geschichte verändert. Es ging nicht mehr nur um Tragik, sondern viel mehr um Mut und darum, wie man an Schicksalsschlägen wächst.“ Man müsse so ein Erlebnis zu einem Teil seines Weges machen – das hat Schenck aus den Gesprächen mit den Protagonisten mitgenommen.

Als Schauspieler provozieren sie

Und das ist auch die Devise der Schauspieler. Jede Art von Kunst sei ein Werk des Teufels, heißt es in ihrer Heimat. Als Schauspieler provozieren sie. Aber das hält sie nicht davon ab, ihrer Leidenschaft weiterhin nachzugehen.

Im Moment ist Edris Fakhri mit fünf Schauspielkollegen aus Afghanistan in Deutschland und reist mit dem transnationalen Theaterprojekt „Malalai“ des Nationaltheaters Weimar durch die Bundesrepublik. Er ist überzeugt: „Frieden muss aktiv hergestellt werden. Kampf und Krieg werden in Afghanistan keinen Frieden bringen. Aber Kultur kann das schaffen.“

Am Sonntag, 21. Januar, um 18.30 Uhr ist das Theaterstück auf der Bühne der Akademie der Künste am Hanseatenweg 10 zu sehen. Der Film „True Warriors“ hatte am Samstagabend am gleichen Ort Berlin-Premiere.

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