Die frühe Förderung ist entscheidend. Foto: Arno Burgi/dpa
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Die wichtigsten Neuerungen Das ändert sich im neuen Schuljahr in Berlin

Handschrift-Noten, genormte Tests, Türkisch-AGs: Nach den Sommerferien stehen einige Veränderungen an Berlins Schulen an. Ein Überblick.

An diesem Montag beginnt wieder der Unterricht und damit das neue Schuljahr in Berlin. Wir geben einen Überblick darüber, welche Neuerungen künftig Schüler, Lehrer und Eltern erwarten.

Beförderung auch in Elternzeit

„Alle“ Grundschullehrer sollten zum neuen Schuljahr in eine höhere Besoldung rutschen, also auf E13 / A13. So lautete die Ankündigung der Bildungsverwaltung. Dann allerdings hieß es plötzlich, dass sich Lehrer in Elternzeit und Langzeitkranke nicht für das höhere Amt bewerben könnten – was den Protest des Vizechefs des Gesamtpersonalrates, Dieter Haase, und der GEW auslöste.

Inzwischen hat die Bildungsverwaltung teilweise eingelenkt: „Grundschullehrkräfte in Elternzeit können jetzt doch schon in dieser Phase hochgruppiert werden. Das hat eine erneute Prüfung ergeben“, teilte der Sprecher der Bildungsbehörde, Martin Klesmann, auf Anfrage mit. Das hat allerdings eher symbolische Wirkung, weil das Geld ja ohnehin erst nach der Rückkehr aus der Elternzeit fließt.

Bei den Langzeitkranken soll die Höhergruppierung von der „Prognose“ abhängig gemacht werden, also davon, ob sie mit einiger Wahrscheinlichkeit zurück in die Schule kommen oder aus der Krankheit direkt in die Pension gehen.

Verbale Benotung für die Handschrift

Künftig soll es auch noch nach der vierten Klasse eine verbale Benotung für die Handschrift geben. Dies plant die Bildungsverwaltung nach Tagesspiegel-Informationen und hat dies auch schon in einer Rundmail den Berliner Grundschulleitern mitgeteilt. Damit solle den Klagen über eine allgemein verschlechterte Handschrift entsprochen werden, vermuteten am Freitag angeschriebene Grundschulleiter. Die Neuregelung solle auch noch in der Grundschulverordnung verankert werden. Ob sie auf die Klassen 5 und 6 der Gymnasien übertragen wird, wurde bisher nicht mitgeteilt.

Wie berichtet, soll es in Klasse 1 und 2 künftig eine Stunde mehr Deutschunterricht geben sowie Schreibflüssigkeitstraining. Beides gehört zur „Qualitätsoffensive Deutsch“. In der gewonnenen Zeit sollen etwa „3x15 Minuten fürs Lesen“ untergebracht werden sowie „Rechtschreibgespräche“, in denen Lehrer mit den Schülern „das Wissen und das Können für richtiges Schreiben ins Bewusstsein rücken“.

Lehrer sollen Lernstand öfter testen

Das Stichwort heißt „Individuelle Lernstandsanalyse“ – und bedeutet, dass Berliner Lehrer ihre Schüler regelmäßig genormte Tests schreiben lassen. In Hamburg wird das bereits praktiziert. Das Vorhaben hatte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) bereits im Rahmen ihres „Qualitätspakets“ angekündigt. Nun beginnt die Umsetzung, und zwar in den Fächern Deutsch und Mathematik.

„Alle Lehrkräfte, die im kommenden Schuljahr in der Jahrgangsstufe 2 das Fach Deutsch und in der Jahrgangsstufe 5 das Fach Mathematik unterrichten, erhalten für ihre Schüler Diagnosehefte“, kündigte Scheeres vergangene Woche an. Die Schulen würden auf diese Weise darin unterstützt, die Lernvoraussetzungen ihrer Schüler in der Grundschule systematisch zu erfassen, um je nach Ergebnis die Förderung gezielt zu verstärken. Langfristig soll es auch in Klasse 4 und 6 die Lernstandsanalysen geben. In Klasse 3 gibt es ja bereits die Vergleichsarbeit Vera, weshalb es in diesem Jahrgang keine weitere Analysearbeit braucht.

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Starker Ausbau von Türkisch-AGs

Zu den bisher rund 45 Schulen mit Türkisch-AGs kommen im neuen Schuljahr noch rund 20 hinzu. Dies geht aus der neuen Broschüre der Bildungsverwaltung für Erstklässler hervor. Demnach gibt es die meisten Arbeitsgemeinschaften in Mitte, wo das türkische Konsulat wegen Mietforderungen des Bezirksamtes auf weitere Angebote verzichtet hatte.

Auch Reinickendorf verlangt Miete: Dort gibt es jetzt AGs an acht Schulen. In Friedrichshain-Kreuzberg, Steglitz-Zehlendorf und Neukölln sind es neun, in Spandau sechs, in Charlottenburg-Wilmersdorf sind es fünf und in Tempelhof-Schöneberg drei Schulen mit Türkisch-AGs. Wie berichtet, hat die Bildungsverwaltung das herkunftssprachliche Angebot gefördert, um den umstrittenen von Ankara verantworteten Konsulatsunterricht zurückzudrängen, was auch gelingt. Vier weitere Schulen bieten noch die zweisprachige deutsch-türkische Alphabetisierung an. „Herkunftssprache Arabisch“ gibt es inzwischen an acht Grundschulen.

Kein Rechtsanspruch auf Schul-Shuttle

Mit diesem Problem werden es künftig etliche Schulen zu tun bekommen, die grundsaniert werden: Bei der Auslagerung in andere Gebäude können weite Wege entstehen und somit die Frage, wer für Beförderungskosten aufkommt. Offenbar will der Senat dieses Thema grundsätzlich angehen. Dies zumindest wurde dem Bildungsstadtrat von Pankow, Torsten Kühne (CDU), nach seinen Angaben von der Finanzverwaltung mitgeteilt, als er im „April / Mai“ nachfragte.

Eine Klärung zu Schulbeginn klappte aber nicht. Daher wurde den Eltern der Grundschule am Weißensee von der Rektorin mitgeteilt, dass der Shuttle-Bus, der noch 2018/19 zuverlässig fuhr, entfällt. Eltern berichten, dass der Ausweichstandort etwa vier Kilometer entfernt sei. Einen Rechtsanspruch auf die Beförderung gibt es nicht, bisher bezahlte der Bezirk trotzdem – und die Finanzverwaltung glich aus. Diese „Basiskorrektur“ steht jetzt infrage. Pankow möchte mindestens für Klasse 1-3 zahlen, hat aber nicht genug Eigenmittel.

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