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Eine Mund-Nasen-Bedeckung liegt während einer Unterrichtsstunde auf einem Schultisch. Marijan Murat/dpa
© Marijan Murat/dpa

Die Sorge vor dem Fehlstart Sind die Schulen auf die Rückkehr zum Normalbetrieb vorbereitet?

Am 10. August startet in Berlin das neue Schuljahr – und damit der Regelbetrieb an den Schulen. Kritiker bemängeln fehlende Konzepte und Informationen.

Weniger als die Hälfte der Sommerferien ist um, Schüler wie Lehrer genießen die freie Zeit, der Schulstart am 10. August liegt noch in weiter Ferne. Klar ist schon jetzt: Es wird kein erster Schultag wie jeder andere. Seit der coronabedingten Schließung der Schulen Mitte März werden dann erstmals wieder alle Schüler aller Klassenstufen parallel unterrichtet – im sogenannten Regelbetrieb. Das hatte der Senat Mitte Juni entschieden und kurz darauf auch die Maskenpflicht an Schulen aufgehoben.

Wohl nicht ohne Grund kommentierte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) den Senatsbeschluss: „Die Rückkehr zum Regelbetrieb stellt Schulen und Kitas noch einmal vor große Herausforderungen.“

Weil das so ist und die Pandemie innerhalb der kommenden drei Wochen nicht besiegt sein wird, macht sich bei einigen Sorge breit. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte und Gemeindebundes, erklärte am Dienstag im „ZDF-Morgenmagazin“, er gehe nicht von einer Rückkehr zum Normalbetrieb an Schulen nach dem Ende der Sommerferien aus.

Um dem Zustand vor dem Lockdown dennoch so nah wie möglich zu kommen, sollten die Schulen die Ferienzeit jetzt zur entsprechenden Vorbereitung auch baulicher Natur nutzen, sagte Landsberg.

Unter anderem Tom Erdmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft GEW in Berlin, beklagte den seiner Ansicht nach an den Schulen herrschenden „Stillstand“. Er warnte die ebenfalls in den Urlaubsmodus versetzte Bildungsverwaltung davor, die Hauptverantwortung für den Umgang mit verschiedenen Corona-Szenarien allein den Schulen zu übertragen. „Aktuell nehme ich keinerlei Vorbereitungen seitens der Bildungsverwaltung wahr“, erklärte Erdmann und bemängelte insbesondere, dass es derzeit keinerlei „Plan B“, also Konzept für den Fall von Corona-Infektionen an Schulen, gebe.

Weder seien Handlungsleitfäden erstellt, noch die Voraussetzungen für digitales Lernen geschaffen, kritisierte Erdmann. An einem Großteil der Schulen fehle weiterhin der Breitbandanschluss, die Online-Plattform „Lernraum Berlin“ sei nur bedingt einsatzfähig, Mailadressen für Lehrer gebe es nicht.

Wie viele Lehrer fehlen werden, ist derzeit unklar

Ungeklärt sei die Frage, wie fehlende Lehrkräfte kompensiert werden sollen, die per Attest vom Unterricht im Klassenraum befreit sind. Erdmann zufolge betrifft das 15 bis 20 Prozent aller Lehrer. Tagesspiegel-Informationen zufolge hatte Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers kurz vor Beginn der Sommerferien in einer Konferenz erklärt, sie rechne mit einer Einsatzfähigkeit von knapp unter 100 Prozent.

Iris Brennberger, Sprecherin der Berliner Bildungsverwaltung, konterte die Kritik mit den Worten: „Es passiert gerade unheimlich viel im Hintergrund. Expertenrunden tagen, Konzepte werden erarbeitet und abgestimmt. Das ist alles im Fluss.“ Zum gegenwärtigen Zeitpunkt „Wasserstandsmeldungen“ abzugeben, mache wenig Sinn, sagte Brennberger und verwies auf die Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn.

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Spätestens dann würde die Öffentlichkeit über Pläne und Konzepte für den Regelbetrieb informiert, erklärte Brennberger, „genau wie in den Jahren zuvor“.

Den auch von Bildungspolitikern des Abgeordnetenhauses geäußerten Vorwurf, die Bildungsverwaltung mache sich aktuell einen schlanken Fuß, wies sie entschieden zurück – blieb allerdings konkrete Antworten auf Fragen wie jene zum Breitbandausbau oder dem von Scheeres angekündigten „Alternativszenario“ schuldig.

Rückendeckung kam von Miguel Góngora, aus dem Amt scheidender Landesschülersprecher. Die Schulen seien „gut vorbereitet und motiviert“, erklärte Góngora und betonte deren mehrheitlichen Willen zur Rückkehr zum Regelbetrieb. Kritik übte auch er am Ausbleiben eines zentral für alle Schulen geltenden Alternativszenarios für den Fall von Corona-Fällen an Schulen. Sei jede Schule selbst verantwortlich, drohe „Bildungsungerechtigkeit“, erklärte Góngora.

Die Sorge vor dem Entstehen von Infektionsherden an Schulen scheint eine am Montag veröffentlichte Analyse der Universitätsklinik Dresden zu entkräften. Den Ergebnissen der etwas mehr als 2000 Blutproben von Schülern und Lehrern zufolge wiesen nur zwölf von ihnen Antikörper von Sars-CoV-2 auf. Dem Studienleiter zufolge wirken Kinder „eher als Bremsklötze der Infektion“.

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