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Orte der Opfer

Die komplette Exklusiv-Recherche Neue Indizien und Widersprüche: Auf der Spur des Maskenmanns

Das Opfer Stefan T. und Anton L. kannten sich womöglich – und zwar vom Golfplatz am „Arosa“-Hotel in Bad Saarow. „Mein Mann spielte damals, so oft er Zeit hatte, im Arosa Golf, obwohl er sich das eigentlich finanziell nicht leisten konnte. Er wollte gern Mitglied werden. Doch das hätte 800 Euro Jahresgebühr gekostet. Er hat sich immer so eine Tageskarte gekauft.“ Ein einstiger Hubschrauberkollege und Freund, der diese Aussagen auch vor der Polizei machen würde, hier aber anonym bleiben will, berichtet, er habe Anton L. „mal vom Arosa Golfplatz abgeholt, da musste ich auf ihn warten, weil er sich mit einem Mann unterhielt. Ich weiß es noch so genau, weil ich mich erinnern konnte, dass mein Cappuccino sechs Euro gekostet hat. Der Mann hat sich dann vorgestellt als Stefan T. Die beiden haben sich verabschiedet und waren auch per Du.“ Später, so berichtet der Zeuge, habe er von der Entführung in Storkow gehört und habe Anton L. darauf angesprochen. „Ich sagte: ’Ey, das ist doch der, mit dem du da Golfspielen warst.’ Da sagte er: ’Ja, ich kenne den aber nur flüchtig’, und wollte nicht mehr darüber reden."

Im Kalender steht "target one"

Inzwischen stellen sich auch Fragen an Stefan T.: Hat das Opfer der Entführung mittlerweile Deutschland verlassen? Warum steht in seinem Kalender am Entführungstag der Eintrag: „target one“ – „Ziel eins“ – wie ein Kollege dem Gericht berichtet? Die Familie verkauft jedenfalls die Villa in Storkow. Auch sein Wohnhaus in Berlin steht zum Verkauf. Mit der Begründung, er müsse der Polizei bei den Ermittlungen helfen, soll er sich lange Zeit von der Arbeit freigestellt haben. Ein Kollege bestätigt das vor Gericht. Musste er das? Bei einigen Vernehmungen trat er jedenfalls bestimmend auf. Am 16. Oktober 2012 berichtet er vom Schlauch, aus dem er Seewasser habe trinken müssen: „Der Täter bat mich dann, in den Schlauch anzublasen. Das Ergebnis war positiv. Ich konnte das Moorwasser ansaugen und trinken.“ Im LKA- Gutachten soll später allerdings stehen, es habe „keine Anhaftungen im Schlauch“ gegeben.

Stefan T. soll mit seiner Familie seit Langem in der Schweiz leben. Die Ermittler erfahren das nur durch Zufall mit dem Hinweis, dass die Adresse geheim bleiben müsse. Im Gericht gibt er den Wohnort „Berlin“ an. Aus vielen Firmen hat er sich als Geschäftsführer verabschiedet. Seit Februar 2015 hat er auch den Vorstand der Holding verlassen. Warum? Diese Frage wollen er und sein Rechtsanwalt nicht beantworten.

Wenn man Angaben von Freunden von Anton L. folgt, kann man auch fragen: Kannte Anton L. auch die erste Opferfamilie P. aus Bad Saarow? „Er hat mit dem P. an der Börse gezockt, aber viel verloren“, sagt einer, dem er das erzählt haben soll. Überprüfen lässt sich das nicht. Recherchieren lässt sich zumindest, dass der Ehemann des ersten Opfers Christian P. sowie Anton L. in der gleichen Kneipe verkehrten; und zwar in B. Der Wirt bestätigt das auf Nachfrage.

Der Spürhund lief nach B.

Christian P. kam wohl oft nach dem Golfen vom „Arosa“-Hotel in diese Kneipe „auf einen Absacker mit einigen Leuten“, wie der Wirt sagt. Christian P. kam also vom Golfplatz, wo auch das Entführungsopfer Stefan T. sowie Anton L. spielten. Und Anton L. sei auch Stammgast in der Kneipe in B. Fotos, die dieser Zeitung vorliegen, belegen Besuche. Auch in einem Strandrestaurant in Bad Saarow ging Christian P. ein und aus – wie auch Anton L. Der Unternehmer aus Berlin Christian P. erzählte von legendären Partys an jenem Ort sogar vor Gericht. Fotos von Anton L. belegen, dass auch er hier feierte.

Der Mann, um den sich so viele Fragen ranken, soll auch das erste Opfer Petra P. gut gekannt haben, erzählt zumindest sein Hubschrauberkollege. „Wir saßen in der Küche und ich las in der Zeitung den Namen und die Geschichte vom Überfall auf die Familie.“ Da habe Anton L. gesagt: „’Ja, die kenne ich’, und grinste.“

Nach Recherchen dieser Zeitung meldet Petra P. Anfang 2011 in Bad Saarow ihren neuen Wohnsitz an. Ihr Mann hatte zuvor jahrelang ein Verhältnis mit einer jüngeren Frau aus Bad Saarow. Dass die Ehe nur auf dem Papier stand, ist gerichtsfest.

Wie gut kannte Anton L. tatsächlich Petra P.? Als wir all diese Fragen stellen wollen, will kein Betroffener reden. Ein Hintergrundgespräch, beantragt bei den Rechtsanwälten der Betroffenen, wird abgelehnt.

Nach Informationen des Tagesspiegels hat Petra P. nach dem Anschlag auf sie eine private Firma aus Berlin engagiert, die mit einem Spürhund, mit einem sogenannten Mantrailer, den Spuren des Täters nachgehen sollte. Der Hund lief direkt in den Ort B. All das kann Zufall sein. Es wäre zumindest zu prüfen.

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