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Die Polizei präsentiert ein Phantomfoto

Die komplette Exklusiv-Recherche Neue Indizien und Widersprüche: Auf der Spur des Maskenmanns

Die Polizei auf Spurensuche. Seit dem Prozessbeginn gibt es Probleme mit Ermittlungsversäumnissen im Maskenmann-Fall. Foto: picture alliance / dpa Vergrößern
Die Polizei auf Spurensuche. Seit dem Prozessbeginn gibt es Probleme mit Ermittlungsversäumnissen im Maskenmann-Fall. © picture alliance / dpa

Die Polizei setzt einen Mantrailer- Hund ein, der Spuren von Tätern weit verfolgen kann, selbst wenn sie mit dem Auto unterwegs waren. Die Spuren nach den Schüssen führen zu einem nahen Kreisverkehr. Von dort geht es auch in Richtung des Ortes B. Dort, nahe eines Trafohäuschens, könnte der Täter ein Motorrad abgestellt haben. Jedenfalls wollen Zeugen eines gehört haben, deutlich. So berichtet es am nächsten Tag die Polizei öffentlich. Auch der Täter wird beschrieben samt Phantomfoto: ein maskierter Mann, etwa 1,70 Meter groß, im Tarnanzug, mit schwarzen Schnürstiefeln und einem Militärhelm mit Netz vorm Gesicht. Es könnte ein ehemaliger NVA-Soldat mit Spezialausbildung gewesen sein, heißt es in Zeitungen. Bei der ZDF-Sendung „XY ungelöst“ gehen mehr als 500 Hinweise ein. Die Suche bleibt zunächst ohne Erfolg.

Ein Jahr später gibt es wieder einen Überfall

Fast genau ein Jahr nach den Schüssen, am Freitag, dem 5. Oktober 2012, gibt es wieder einen Überfall eines Maskierten. Dessen beschriebene Maskerade ist wieder ein Helm und ein Imkernetz, die Polizei nennt ihre Soko dann „Imker“. Diesmal dringt der Täter über die Terrasse ins Wochenendhaus des Berliner Investmentmanagers Stefan T. am Storkower See ein, nur acht Kilometer entfernt vom ersten und zweiten Tatort in Bad Saarow am Scharmützelsee. Der Hausherr sitzt gerade mit Frau und elfjährigem Sohn beim Fernsehen. Der Täter hält eine Waffe in den Händen. Der Hausherr wirft seine angetrunkene 1,5-Liter-Weinflasche nach ihm und schreit: „Verschwinde!“ Der Täter schießt sofort in die Decke des Raumes. Der Elfjährige muss den Vater mit Klebeband fesseln, weil die Mutter zu viel Angst hat. Das Opfer Stefan T. fragt, ob er seinen Pullover anziehen darf. Warum, fragen sich später Ermittler. Weiß er, dass es nach draußen geht? „Keine Polizei“, soll der Täter noch gesagt haben, bevor er mit dem Opfer in Richtung See verschwindet.

Das Opfer kann sich selbst befreien

33 Stunden später, am Sonntagmorgen, kann sich das 51-jährige Opfer nach eigenen Angaben befreien und klopft gegen 7 Uhr an ein Haus. Später stellt sich heraus, dass er zwei Kilometer weiter mutmaßlich im Sumpfgebiet gefangen gehalten worden sein soll, am Ufer des Storkower Sees. Trotz Herbstkälte von vier bis fünf Grad in den Nächten, trotz starken Regens am Sonnabend, trotz robben und laufen im Sumpfgebiet mit scharfen Ästen, trotz tiefer Wasserlöcher, trotz Jogginghose und Sweatshirt, obwohl er rund eineinhalb Stunden durch das Wasser mit einem Boot und einer Luftmatratze gezogen worden sein soll – Stefan T. ist nicht unterkühlt, nicht verletzt. „Ich bin ein Held an diesem Wochenende gewesen“, wird er Stunden später zur Polizei und seiner Familie stolz sagen. Der Sachverständige Harald Voss wird daran vor Gericht Zweifel äußern. Unter diesen Umständen hätte der Mann völlig unterkühlt sein müssen.

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