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Der Täter und das Kajak

Tatwerkzeug. Mit diesem Kajak soll der Maskenmann sein Opfer verschleppt haben. Im Gerichtssaal wurde das Boot herausgeputzt präsentiert. Foto: picture alliance / dpa
Die komplette Exklusiv-Recherche Neue Indizien und Widersprüche: Auf der Spur des Maskenmanns

Brandenburgs Polizeiführung ist sich 2012 schnell sicher, dass es sich bei allen Taten um denselben Täter handelt. Bei der zweiten und dritten Tat wurde die gleiche Waffe benutzt: eine tschechische Waffe vom Typ „Czeska“ oder etwas Baugleiches. Das Opfer wird schon am 8. Oktober 2012, vor seiner eigentlichen Vernehmung, seinem Schwiegervater sagen, dass es die gleiche Waffe war. Woher er das weiß, ist unklar. Der Bericht des BKA zu den Waffen liegt erst Tage später vor. Nach den allerersten Erzählungen des Opfers Stefan T. war das Fluchtfahrzeug erst ein Kajak und dann ein Boot, in das er umsteigen musste. Auf Nachfragen der Ermittler kann er den Vorgang nicht genau erklären und sagt, er hätte sich geirrt. Am Ende soll es nur ein Kajak gewesen sein. Überprüft hat das niemand.

Dabei hätte die Polizei hellhörig werden sollen, sagt der Kriminologe und Psychologe Lutz Belitz, der in Mecklenburg- Vorpommern Polizisten ausbildet, auch Mitglieder der Soko „Imker“ lernten bei ihm: „Wer mit Information Glaubwürdigkeit erzeugen will, will das besonders präzisiert. Nachher hat er das Problem, sich nicht alles so genau merken zu können, was er erzählt hat. Deswegen erzählt er jedes Mal eine etwas abweichende Story, aber in sich logisch, paralogisch klingend. Das heißt, seine Darstellung ist nicht gedächtnisorientiert, sondern situationsorientiert. So kann es jedenfalls auch sein."

Eine rechtsmedizinische Durchsuchung findet nicht statt

Das Kajak ist schnell gefunden. Denn anstatt Stefan T. rechtsmedizinisch zu untersuchen, was der Notarzt empfiehlt, suchen die Ermittler wenige Stunden nach der Selbstbefreiung mit dem Opfer auf dem Storkower See den Verbringungsort der Entführung. Eine Untersuchung durch die Rechtsmedizin wäre Polizei-Standard. Vor Gericht schieben sich die Beamten gegenseitig die Verantwortung dafür zu, dass T. nicht untersucht wurde.

„Ich habe ihn gefunden“, wird Stefan T. stolz seinen Verwandten berichten. Was er meint? Den mutmaßlichen Verbringungsort. Obwohl der See mehr als fünf Kilometer lang ist, dirigiert er die Polizisten in kurzer Zeit zum Tatort. Da erzählt er Erstaunliches, was sich in den zwei Nächten und Tagen zugetragen habe. Er zeigt auf eine Unterlage aus blauen Müllsäcken, darauf eine blaue Decke mit Klebeband, Schläuchen und einem grünen Seil. Mit Klebeband wurde er gefesselt. Mit Hilfe der Schläuche, wie es sie für Aquarien gibt, soll er Seewasser getrunken haben. Darüber, zwischen zwei Bäume gebunden, hängt eine blaue Plane aus Müllsäcken. Wie konnte die Konstruktion beim am Nachmittag strömenden und heftigen Regen halten, fragten sich kritische Ermittler. Wie kann er seine Brille, wie er behauptet, in die Astgabel gelegt haben, wenn er dabei womöglich verbundene Augen hatte? Der Staatsanwalt sagt im Plädoyer: Warum sollte das nicht gehen? Auf der Plane liegt beim Auffinden eine Handvoll Grasbüschel – nach Erzählungen des mutmaßlichen Opfers zur Tarnung vor Hubschraubern.

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