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An der Spitze der Pyramide

Die komplette Exklusiv-Recherche Neue Indizien und Widersprüche: Auf der Spur des Maskenmanns

Ein kleines Indiz im „Maskenmann“-Fall ist ein Hundehaar, das auf der Schilfinsel gefunden wurde. Der Staatsanwalt führt es an. Denn Mario K. besuchte Freunde, die Hunde besitzen. Anton L. besitzt einen Hund, mit dem er viel unterwegs war, in den Wäldern der Gegend, wie Fotos und Zeugenaussagen belegen. Auch hat sein guter Freund Klaus H., bei dem er viel Freizeit verbringt, einen Hund.

Mario K. trägt gern Tarnsachen; Armeekleidung, sagt der Staatsanwalt. Solche Sachen wurden bei einer Hausdurchsuchung beim Mann seiner Schwester gefunden. Für den Staatsanwalt steht fest: Sie gehören Mario K. Dass er mal bei der Armee war, ist nicht bekannt. Anders NVA-Pilot Anton L. Seine Noch-Ehefrau sagt: „Mein Mann hatte eine Jacke und einen Overall aus Armeezeiten, und die waren grün mit braunen Flecken – na, wie Tarnzeug bei der Armee eben so aussieht.“

Zeugen haben den Angeklagten am Glubigsee gesehen

Bleibt noch das Kajak als Fluchtfahrzeug. Mario K. soll es benutzt haben. Es gibt einige DNA-Spuren am Boot, keine von Mario K. Aber: Ein älteres Ehepaar hätte das farbige Boot Ende September 2012 am Glubigsee liegen sehen, heißt es. Der Glubigsee ist keine zwei Kilometer Luftlinie vom Storkower See entfernt und mit dem Scharmützelsee verbunden. Der Staatsanwalt erklärt, dass Mario K. auch da gewesen sein muss. Schließlich sei belegt, dass er irgendein Kajak schon 2003 benutzt hätte. Was der Staatsanwalt nicht erwähnt oder nicht weiß: Ein solches Kajak hatte Mario K. damals geschwärzt – vielleicht, um nicht aufzufallen. Warum könnte er nun ein rotgelbes Boot als Tatwerkzeug benutzt haben? Eine andere Zeugin und deren Mann haben laut Staatsanwalt den Angeklagten im Sommer 2012 am Glubigsee gesehen. Doch weder im Gerichtssaal noch auf Nachfrage war sich die Frau, eine Rechtsanwältin, hundertprozentig sicher. Sie hat einen „ähnlich aussehenden Mann gesehen“, sagt sie. Anton L. kennt den Glubigsee gut. Seine Frau wohnte hier, als sich beide kennenlernten; seine Schwiegermutter tut es noch immer. Seine Ehefrau sagt auf Nachfrage, dass sie beide auf dem See Boot gefahren seien.

Das Motiv fehlt, gibt der Staatsanwalt zu

Den Storkower See und den Scharmützelsee kennt Anton L. gut. Eine seiner Joggingstrecken führte ihn von B. aus zum „Arosa“-Golfhotel nach Bad Saarow. Unterhalb des Hotels direkt am Scharmützelsee liegt die Yachtakademie Schmidt. Hier soll das Kajak gestohlen worden sein. Auf den Gewässern, durch Kanäle verbunden, ist Anton L. viel mit dem blauen Ruderboot seines Freundes Klaus H. unterwegs, mit und ohne Motor und vor allem vor 2013. Das belegen Fotos und Zeugenaussagen. Anton L. besitzt auch einen Angelschein. Ermittler sprachen von „Anglerknoten“, mit denen Stefan T. verschnürt wurde. Auch Stefan T. ist sich sicher – so sagt er der Polizei –, dass es Anglerknoten sein müssen. Das alles kann Zufall sein. Es wäre zu klären.

Mario K. und Anton L. – beide stehen nun oben auf der Pyramide. Doch zum Schluss des Plädoyers gibt der Staatsanwalt zu: Mario K. fehlt das Motiv, zumindest für die ersten beiden Taten ohne Lösegeldforderung. Westphals Erklärung: Mario K. habe einen „Hass auf Reiche“, er wäre „notorisch pleite“. Der Angeklagte hatte bei seiner Festnahme 350 Euro auf dem Konto und zu Hause 300 Euro bar. Aber pleite war auch Anton L.

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