Die Zitadelle Spandau, eine der bedeutendsten und besterhaltenen Festungen der Hochrenaissance in Europa. Foto: imago/Metodi Popow
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Die große Bezirksübersicht An diesen Orten ist es in Berlin besonders kühl

den Newsletter-Autoren

An warmen Sommertagen, sehnen sich viele Berliner nach Erfrischung. Eine Zusammenstellung kühler Orte von Steglitz bis Pankow.

In unserer Sommerserie aus den Bezirken sind bereits folgende Beiträge erschienen: Die Lieblingsbadestellen der Newsletter-Autoren, Berlins lauschigste Biergärten, die schönsten Dachterrassen in den Kiezen, wo es das leckerste Eis gibt und wo Sie am gemütlichsten picknicken können.


Charlottenburg-Wilmersdorf

Cryosizer Club B1, Bleibtreustraße 38/39, U Uhlandstraße, Mo-So 10-14 Uhr, Mo-Fr 16-20 Uhr. cryosizer.com/kaeltekammer-berlin-kurfuerstendamm

Kälter geht's wohl nicht in Berlin: Einer Temperatur von minus 150 Grad Celsius können sich Kunden des im vorigen März eröffneten „Cryosizer-Studios“ in Charlottenburg für drei Minuten aussetzen. Beworben wird dies als „Geheimrezept der Stars und Profisportler für Training und Fettabbau“. Der Stoffwechsel werde erhöht und die Hormonausschüttung intensiviert. Danach verwandele sich Körperfett in stoffwechselaktives Gewebe. Angeblich hilft die Methode auch gegen Cellulite und Hautalterung.

Die ersten „Kälteclubs“ entstanden in München und Frankfurt am Main. Das Unternehmen wächst nach dem Franchise-Prinzip. Und wie fühlt sich die extreme Kälte an? Wir haben das noch nicht getestet, aber für 29,90 Euro können Sie ein Beratungsgespräch samt „Probetraining“ buchen. Folgetermine gibt es dann ab 18 Euro. Cay Dobberke

Spandau

Zitadelle, Am Juliusturm 64, U Zitadelle Spandau, Fr-Mi, 10-17 Uhr, Do 13-20 Uhr. Eintritt: 4,50 Euro, erm. 2,50 Euro. zitadelle-berlin.de

Kühle Orte in Spandau? Keine Sorge, jetzt folgt nicht die müde Geschichte von „Eiskeller“, diesem kühlen Folklore-Örtchen im Spandauer Forst (mehr zum Thema „Eiskeller“ aber beim Kollegen Ingo Salmen in Marzahn-Hellersdorf). Erfrischend ist es in der Hitze auch hier – hinter den dicken Mauern der Zitadelle. Und wer den Kopf kühl hat, kann noch dazu was lernen an heißen Tagen. Spricht sich ja sogar bei den Tages-Touristen aus der Innenstadt herum, dass sie da draußen im fernen Spandau einen faszinierenden Kulturort aufbauen mit Lenin, Thälmann-Stelen, Ateliers, einem irren Blick auf die Havel, einem Türmchen in der TXL-Schneise – den Juliusturm (30 Meter).

Und wer eine Erfrischung braucht, nimmt eine Badehose mit: Am Zitadellengraben zu Fuß scharf rechts rum, an der BMW-Fabrik, der Oldtimer-Werkstatt und der Kletterhalle vorbei – da gibt’s noch eine kleine Havel-Badestelle am Telegrafenweg. Platsch! André Goerke 

Friedrichshain-Kreuzberg

Geschichtsspeicher Fichtebunker, Fichtestraße 6, U Südstern. Dauer der Führung: 90 Minuten. Kosten: zwölf Euro, ermäßigt zehn Euro. Termine: Juli-August täglich 12, 14 und 16 Uhr, donnerstags zusätzlich um 18 Uhr. Es gibt außerdem Spezialtouren, z.B. mit der Zeitzeugin Regina Schwenke oder Kindertouren (5-10 Jahre). berliner-unterwelten.de

Der Fichtebunker in Berlin-Kreuzberg. Foto: Thilo Rückeis Vergrößern
Der Fichtebunker in Berlin-Kreuzberg. © Thilo Rückeis

Warum nicht mal abtauchen, wenn es heiß wird – zum Beispiel in die Kreuzberger Stadtgeschichte? Der Fichtebunker beim Südstern wurde einst als Gasometer zur Versorgung der Straßenbeleuchtung errichtet. Ab 1941 diente er während des NS-Regimes als Luftschutzbunker, vor allem für Mütter mit Kindern.

„Wir Kinder, die hier waren, hatten alle ein Pappschild unter dem Hemd“, erzählt Regina Schwenke. Die Berliner Autorin war damals acht Jahre alt, auf den Pappschildern waren die Namen und Adressen der Kinder vermerkt – falls in den Bombennächten etwas passierte. Das ist harter Geschichtsstoff, der sich auf den 8000 Quadratmetern im Fichtebunker abgespielt hat – und der nach 1945 noch weitergeht (Auffanglager, Gefängnis, Altenheim, Leerstand).

Heute besteht das Dachgeschoss des Backsteinrundgebäudes aus Lofts, der Rest ist ein Bunkermuseum. Der Verein Berliner Unterwelten bietet verschiedene Führungen an, mittels der kostenfreien „Bunker Berlin“ App können Sie sich schon vorher ein Bild machen und anschließend vor Ort eine Zeitreise starten. Corinna von Bodisco

Lichtenberg

Atlantis-Tauchshop, Coppistraße 11, U Magdalenenstraße, Mo-Fr 10-20 Uhr, Sa 10-18 Uhr

Wenn es heiß wird, einfach mal abtauchen: Möglich im Atlantis-Tauchshop in der Coppistraße 11. Seit fast zwei Jahren hat Atlantis hier schon sein Hauptquartier auf rund 1000 Quadratmetern in einer ehemaligen Keksfabrik. Dort gibt es auch drei Tauchtürme mit einer Tiefe von 3,30 Meter. Während der Öffnungszeiten kann man ohne Anmeldung vorbeikommen und reinspringen, also „Ausrüstung testen“.

Amateure können in Begleitung eines Tauchlehrers die ersten Tauchzüge erleben – für den Preis von 49 Euro für rund zwei Stunden. Online reservieren können Sie unter atlantis-berlin.de/schnuppertauchen. Badekleidung, Handtuch und Badelatschen mitbringen.

Zu teuer, nicht langfristig genug? Wie wäre es mit einem Plattenbau-Pool? Die gibt es schon recht günstig in jedem Baumarkt, sind eigentlich für Kinder, heißen Planschbecken, aber auch Erwachsene können natürlich die Füße reinhalten. Viele Plattenbauten in Berlin haben einen Wasseranschluss am Gebäude, häufig direkt neben dem Hauseingang. Das Wasser hier ist meistens sehr kühl. Sie benötigen noch einen Schlauch und einen Adapter für den Wasserhahn (nicht vergessen!), gibt es alles im Baumarkt. Noch eine Gartenbrause dran und fertig ist das Erfrischungsparadies. Robert Klages

Tempelhof-Schöneberg

Malzfabrik, Bessemerstraße 2 bis 14, S Südkreuz oder S Priesterweg. Infos: malzreise.de

Die Malzfabrik in der Bessemerstraße in Berlin-Schöneberg. Foto: promo Vergrößern
Die Malzfabrik in der Bessemerstraße in Berlin-Schöneberg. © promo

Gutes Bier braucht gute Zutaten, die in kühlen Räumen aufbereitet werden. Etwa, wenn die Gerste zu Malz verarbeitet wird. Das geschieht in einer Mälzerei. 1917 baute die Schultheiss-Brauerei an der Bessemerstraße in Schöneberg eine Malzfabrik; bis 1998 wurde dort Malz produziert.

Inzwischen wird die Malzfabrik für ganz unterschiedliche Zwecke genutzt. Verschiedene Firmen haben sich dort niedergelassen, andere Räumlichkeiten kann man für Events buchen. Die ehemaligen Keimräume in den Tiefen der Fabrik aber, die für die Malzherstellung benötigt wurde, sehen noch immer aus wie früher und können bei einer alle 14 Tage stattfindenden Führung, der so genannten Malzreise, besichtigt werden.

Wie kalt es dort genau ist, ist schwer zu sagen. Im vergangenen Hitzesommer wurde in den Keimräumen sogar Theater gespielt. Während draußen noch Temperaturen um die 30 Grad waren, brauchte man als Publikum drinnen ein Jäckchen. Ganz ohne Klimaanlage. Der nächste Termin für einen Malzreise ist der 10. August. Die Führung kostet zehn Euro und dauert eine Stunde. Sigrid Kneist

Neukölln

Weinkeller, Levkoienweg 21, U Zwickauer Damm, donnerstags 17-21 Uhr oder nach Vereinbarung. unserweinkeller.de

Unter der Erde ist es naturgemäß kühler als oberhalb, wo die Sonne den schwarzen Asphalt aufheizt und die Hitze zwischen den Häuserblöcken steht. Gut, für das Berliner U-Bahnnetz gilt diese Weisheit nur bedingt. Deswegen geht's am U-Bahnhof Zwickauer Damm auch raus aus dem Schacht, in die Stubenrauchstraße, dann links in den Windenweg und rechts in den kurzen Levkoienweg.

In der Nummer 21 steigt man wieder hinab in die kühlen Hallen von Rolf Stowassers Weinkeller. Er hat ein Stückchen Pfalz nach Rudow gebracht, sein Bio-Riesling und der Gewürztraminer kommen aus Bad Dürkheim und Flemlingen. Jeden Donnerstag von 17 bis 21 Uhr bietet er Weinliebhabern und Laien, die vor der Hitze flüchten wollen, Verkostungen an - zu kalt kann es einem also keinesfalls werden. Maria Kotsev

Treptow-Köpenick

Spreetunnel Friedrichshagen, Eingang von der Joseph-Nawrocki-Straße oder dem Müggelschlösschenweg, S Friedrichshagen

Zugegeben, gemütlich ist anders. Aber wer mal eine kurze Abkühlung in freier Natur braucht, ist im Spreetunnel gut aufgehoben. Der 120 Meter lange Tunnel, der Friedrichshagen mit der Kämmereiheide in Köpenick verbindet, lädt nicht zum längeren Verweilen ein. Aber für einen kurzen Kälteschock reicht es. Schließlich liegt die Tunneldecke vier Meter unterhalb der Wasseroberfläche.

Schon wer sich im Tunnel-Eingangsbereich aufhält, bekommt die kühlende Brise ab – bei gleichzeitig schönstem Blick auf den Großen Müggelsee. Manchmal spielen dort sogar Musiker, dann wird es tatsächlich gemütlich. Tipp: Zwischen den beiden benachbarten Badestellen „Teppich“ und „Läufer“ und dem Tunnel hin- und herpendeln, um die richtige Temperatur-Balance zu finden. Simone Jacobius

Marzahn-Hellersdorf

Schloss Biesdorf, Alt-Biesdorf 55, S5 Biesdorf oder U5 Elsterwerdaer Platz. Führungen durch den Schlosspark an jedem zweiten Sonntag im Monat. Anmeldung: freunde-schloss-biesdorf.de, kommunale Galerie: schlossbiesdorf.de

Grüne Oase: Der Schlosspark ist ein Kleinod im Osten Berlins. Foto: Ingo Salmen Vergrößern
Grüne Oase: Der Schlosspark ist ein Kleinod im Osten Berlins. © Ingo Salmen

Biesdorf lag einst vor den Toren der Stadt und bot genug Platz, sich herrschaftlich auszubreiten. Zeugnis davon gibt bis heute das Schloss Biesdorf, das eigentlich eine klassizistische Turmvilla ist. Um die Jahrhundertwende war es im Besitz der Familie Siemens. Kürzlich wurde das Anwesen 150 Jahre alt.

Der Schlosspark am Schloss Biesdorf. Foto: Ingo Salmen Vergrößern
Der Schlosspark am Schloss Biesdorf. © Ingo Salmen

Aus dieser Zeit stammt auch der idyllische Landschaftsgarten mit seinen verschlungenen Wegen, dem Pleasureground und einer schönen Lindenallee, die zum Schloss hinführt. Sie ist heute nach einem Schöpfer des Parks, Albert Brodersen, benannt. Der Schlosspark ist ein Kleinod im Osten Berlins, das nicht nur viele lauschige Plätzchen bietet, sondern auch über einen historischen Eiskeller verfügt: Hinter einem unscheinbaren Eingang verbirgt sich ein 7,50 Meter in die Tiefe ragender Raum zur Kühlung von Lebensmitteln.

Eingang zum Eiskeller in Biesdorf. Foto: Ingo Salmen Vergrößern
Eingang zum Eiskeller in Biesdorf. © Ingo Salmen

Heute leben hier Fledermäuse, weshalb der Keller nur in Ausnahmefällen zugänglich ist. Dafür bietet der Verein Freunde Schloss Biesdorf regelmäßig Führungen durch den Park an. Und wem es dort nicht schattig genug ist, der kann immer noch die kommunale Galerie im Schloss kostenlos besuchen. Altbau, garantiert erträglich. Ingo Salmen

Pankow

Bucher Forst, Hobrechtsfelder Chaussee 110, S Buch, Anbieter: Waldschule Bucher Forst, mehrere Termine. inu-waldschulen.de/ws-bucher-forst-veranstaltungen.html

Draußen sein und trotzdem abkühlen kann man bei den Wanderungen im Bucher Forst in Pankow. Die Bäume bieten genügend Schatten für einen kühlen Spaziergang. Noch dazu ist ein Waldspaziergang die perfekte Gelegenheit, einfach mal das Handy auszuschalten und den Kopf frei von Arbeit, Instagram oder Netflix zu bekommen. Die angebotenen Führungen für Familien reichen von „abenteuerlichen Familienrallyes“ über Fledermausexkursionen bis zu Vogelstimmenführungen.

Kinder und Erwachsene können nicht nur auf Bäume klettern, sondern auch Stockkämpfe austragen oder Verstecke aus Zweigen bauen. Außerdem gibt es die „Waldschule Bucher Forst“, ein gemütliches Holzhaus zum Rasten mit einer Waldorgel, einer Tierweitsprunganlage und einem Barfußpfad im Außengelände. Für Nicht-Familien eignet sich der Wald aber auch einfach so für romantische erste Picknick-Dates, eine Fahrradtour oder eine ruhige Zeit allein. Selina Bettendorf

Reinickendorf

„Zum kühlen Grunde“, Lotosweg 88, Di-So ab 10 Uhr geöffnet, Betriebsferien bis 29. Juli
Seit 1908 befindet sich das Lokal „Zum Kühlen Grunde“, zwischen Hermsdorf und Lübars gelegen, in Familienbesitz. Seitdem ist es für Kinder unterwegs zum Freibad Lübars eine Mischung aus Fata Morgana an heißen Sommertagen und zwingendem Grund für eine Pause, um den Eltern ein Eis für den Heimweg abzuschwatzen. Das Ecklokal mit Biergarten liegt gut anderthalb Meter unterhalb des Straßenniveaus unter großen Bäumen, deshalb ist es dort tatsächlich immer kühler als in der Umgebung.

Es gibt Bier vom Fass, guten Wein und etwas für den kleinen Hunger. Die Einrichtung ist nicht ganz so alt wie die Geschichte des Hauses, man kann sie als anheimelnd oder gestrig empfinden. Die Bewertungen im Netz sind kontrovers: Die einen beklagen, dies sei ein Schickimicki-Treff im Norden Berlins geworden, anderen ist das Niveau nicht hoch genug. Es ist eben auch eine Stammkneipe mit einem Publikum, das sich kennt, und da ein Innenraum auch als Sportbar für Fußballübertragungen sehr geschätzt wird, darf dort geraucht werden.

Das macht den „Kühlen Grund“ nicht unbedingt zur Empfehlung für Familien mit Kindern. Aber probieren Sie es doch im kühlen Garten, kommenden Dienstag ist das Lokal nach Betriebsferien wieder geöffnet. Gerd Appenzeller

Steglitz-Zehlendorf

St.-Annen-Kirche, Königin-Luise-Straße 55, U Dahlem-Dorf. Sa, So jeweils 11-13 Uhr, an Tagen mit Festen in der Domäne Dahlem 12-18 Uhr. Dorfkirche Lankwitz, Auf dem Dorfanger an der Straße Alt-Lankwitz, S Lankwitz. Mo, Fr, So jeweils 15-17 Uhr, barrierefreier Zugang

Dieser Ort ist fast 700 Jahre alt, liegt umgeben von einer Steinmauer auf einer grünen Wiese und doch mitten in einem Wohngebiet. Wenn sich die schwere Holztür der Dorfkirche Lankwitz hinter Ihnen geschlossen hat, erleben Sie eine besinnliche, ruhige und kühlere Welt - und hinsetzen können Sie sich auch. Die angenehme Temperatur ermöglichen dicke Feldsteinmauern: Was im Winter schwer zu beheizen ist, sorgt im Sommer für eine angenehme Klimatisierung.

Geschätzt einen halben Meter sind die Mauern dick – die Baumeister aus den Jahren um 1250 müssen die Erwärmung der Stadt wohl geahnt haben. Mit herrlichen Steinen und dicken Mauern ist die St.-Annen-Kirche in Dahlem sogar noch einige Jahrzehnte älter als ihre Kollegin aus Lankwitz. Nutzen Sie dieses Kirchen-Asyl und erholen Sie sich. Dazu müssen Sie weder gläubig sein, noch einen Gottesdienst besuchen: Viele Kirchen sind zu festen Zeiten für Besucher geöffnet - einer Auszeit vor der Hitze des Sommers steht nichts entgegen. Boris Buchholz

Mitte

Naturkundemuseum Berlin, Invalidenstraße 43, U Naturkundemuseum. Mo geschlossen, Di-Fr 9.30-18 Uhr, Sa, So 10-18 Uhr. Eintritt: acht, ermäßigt fünf Euro

Damit die Tier- und Pflanzenpräparate im Berliner Naturkundemuseum erhalten bleiben, herrschen in den Räumen immer um die 18 angenehme Grad. So wird der Zersetzungsprozess aufgehalten – bei Sammlungsstücken und Besuchern, die vor der Mittagshitze in Mitte fliehen. Seit dem 20. Juli hat das Museum außerdem einen Neuzugang, nur 118 Gramm schwer und aus Basaltgestein, aber ein großer Schritt für die Menschheit: die Mondprobe 70035.41 aus dem NASA Johnson Space Center in Houston. Das etwa 3,7 Milliarden Jahre alte Lavagestein ist Teil einer Themen-Ausstellung im Foyer. Laura Hofmann

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