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An der Wolziger Zeile liegt das neue Gleis der S-Bahn bereits. Foto: Jörn Hasselmann
© Jörn Hasselmann

Die Dresdner Bahn wird neu aufgebaut Beton statt Backstein

Auf der Baustelle der S2 geht es rasant voran. Ab Montag ist der Bahnübergang in Lichtenrade gesperrt. Ein Ortstermin.

Jahrzehnte wurde über den Ausbau diskutiert und gestritten. Nun wird gebaut, und zwar so schnell, dass die Anwohner staunen. 560 Millionen Euro investiert die Bahn in zwei neue, elektrifizierte Ferngleise inklusive der Verbindungskurve zum Außenring, also Richtung BER. Seit zwei Wochen ist die S2 gesperrt zwischen Priesterweg und Blankenfelde. Fahrgäste müssen in den Bus steigen, noch bis 24. Juni. Ab Montag 25. Mai ist der Bahnübergang Geschichte, nur für Fußgänger  gibt es südlich einen Überweg. Die Änderungen locken  Neugierige an die Gleise, viele fotografieren. Das beliebteste Motiv ist das alte Gebäudeensemble in Lichtenrade, an der Schranke. Fast alle wissen mittlerweile, dass es vollständig abgerissen wird. Die Bahn nennt das übrigens in einem Info-Video für die Anwohner "zurückbauen". Die S-Bahn-Gleise müssen nach Westen rücken, damit die beiden neuen Fernbahngleise Platz bekommen. Deshalb auch die sechseinhalbwöchige Sperrung. An einigen Stellen ist das neue S-Bahn-Gleis schon fertig, zum Beispiel südlich von Lichtenrade. Nun wird es angeschlossen an die alte Trasse.

Lichtenrade am 10. Mai. Seitdem fährt hier keine S-Bahn mehr. Und wenn sie Ende Juni wieder rollt, ist der Übergang Geschichte. Foto: Jörn Hasselmann Vergrößern
Lichtenrade am 10. Mai. Seitdem fährt hier keine S-Bahn mehr. Und wenn sie Ende Juni wieder rollt, ist der Übergang Geschichte. © Jörn Hasselmann

Vor allem in Lichtenrade war die Ablehnung in den vergangenen 20 Jahren groß, denn dieser Tempelhofer Ortsteil wird sein Gesicht am stärksten verändern. In mehreren Instanzen wollten sich Anwohner einen Tunnel für die Bahn erstreiten, sie haben verloren. Sie hatten noch 2019 beim feierlichen Baubeginn demonstriert. Nun wird es einen Autotunnel geben statt des Bahnübergangs. Früher wurde gemeckert, dass die Schranken so lange unten waren, erinnert sich eine ältere Frau an der Bushaltestelle für den Ersatzbus. So schlimm sei das doch nicht gewesen.

Backstein und Kleinpflaster auf dem Bahnsteig werden Beton und hohen Lärmschutzwänden weichen. 2025 sollen die ersten Fernzüge über die neuen Gleise rollen, mit Tempo 160 in Berlin und 200 in Brandenburg. Bis dahin wird es noch viele Sperrungen unterschiedlichster Art geben. Weiter südlich, am Bahnübergang Wolziger Straße, ist der neue Fußgängertunnel schon weit gediehen, ebenso das neue Gleis für die S-Bahn. Ab Montag ist nun der beschrankte Übergang an der Bahnhofstraße für alle Zeiten geschlossen. Dies wird weite Teile Lichtenrades betreffen, denn die BVG gestaltet ihren Busverkehr völlig um. Derzeit wird die Horstwalder Straße asphaltiert, damit die Busse nicht so rumpeln. Bis die Unterführung im Zentrum von Lichtenrade fertig ist, bleibt die Wolziger Zeile offen. Das hatte die Bahn versprochen.

Auch Buckower Chaussee wird bald abgerissen. In dieser Form ist die Station erst 30 Jahre alt, bunt wie ein U-Bahnhof aus jener Zeit. Foto: Jörn Hasselmann Vergrößern
Auch Buckower Chaussee wird bald abgerissen. In dieser Form ist die Station erst 30 Jahre alt, bunt wie ein U-Bahnhof aus jener Zeit. © Jörn Hasselmann

Apropos Versprechen. „Zwischen Priesterweg und Lichtenrade wird die S-Bahn fast immer fahren. Sie wird nur sporadisch unterbrochen werden, vor allem an Wochenenden", so ein Bahnmitarbeiter 2018 gegenüber dem Tagesspiegel.

Im Februar dieses Jahres hatte der Berliner Bahnchef Alexander Kaczmarek dann eine erste vierwöchige Vollsperrung der kompletten Süd-S2 ab Mai angekündigt. Wie berichtet, werden es jetzt sechseinhalb Wochen. 

Sicher ist, dass es auf Brandenburger Gebiet, also südlich Lichtenrade, noch eine längere Sperrung geben wird sechs bis zehn Monate sind bislang genannt worden.

Säntisstraße. Da wo die beiden Bagger stehen, lagen bis vor zwei Wochen die alten S-Bahn-Gleise. Foto: Jörn Hasselmann Vergrößern
Säntisstraße. Da wo die beiden Bagger stehen, lagen bis vor zwei Wochen die alten S-Bahn-Gleise. © Jörn Hasselmann

Ein anderer Treffpunkt für Eisenbahnfans, Neugierige und Baggerbegeisterte Kinder ist die provisorische Fußgängerbrücke neben der Säntisstraße. Von hier oben lässt sich der Gleisbau im Norden bis Marienfelde beobachten, im Süden bis Buckower Chaussee. Zwei Männer diskutieren, welches Gleis jetzt wie verlaufen soll. Wie berichtet, wird der Bahnübergang auch hier durch einen Tunnel ersetzt. Das östliche Ende des Bauwerks ist fertig, nun werden die Gleise verlegt und der Bau des anderen Abschnitts beginnt.

Ein Güterzug mit Schotter am Bahnsteig in Marienfelde Foto: Jörn Hasselmann Vergrößern
Ein Güterzug mit Schotter am Bahnsteig in Marienfelde © Jörn Hasselmann

Stille in Marienfelde. Die vietnamesische Blumenverkäuferin unten im Bahnsteigtunnel in Marienfelde schreit laut "Keine S-Bahn, keine S-Bahn", wenn jemand an ihrem winzigen Laden vorbeigeht und treppauf zum Bahnsteig will.

An der gleichen Stelle wie der Güterzug steht am 18.11.1989 in Marienfelde eine S-Bahn nach Frohnau am Bahnsteig. Foto: Jörn Hasselmann Vergrößern
An der gleichen Stelle wie der Güterzug steht am 18.11.1989 in Marienfelde eine S-Bahn nach Frohnau am Bahnsteig. © Jörn Hasselmann

Dass hier keine S-Bahn fährt, dürfte aber auch einem Laien schnell klar sein: Oben steht ein langer Güterzug am Bahnsteig, beladen mit Schotter für die neuen Gleise.

Blick vom Kamenzer Damm nach Norden zur Attilastraße. Auch hier liegen schon neue Gleise. Foto: Jörn Hasselmann Vergrößern
Blick vom Kamenzer Damm nach Norden zur Attilastraße. Auch hier liegen schon neue Gleise. © Jörn Hasselmann

Denn auch nördlich Richtung Attilastraße werden schon neue Gleise verlegt.

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