Begehrter Rohstoff für Desinfektionsmittel: 96-prozentiges Ethanol. Foto: Jens Büttner/dpa
© Jens Büttner/dpa

Desinfektionsmittel statt Obstbrände Marzahner Edel-Brennerei stellt auf Coronavirus-Hilfe um

Sterneköche und das Schloss Bellevue zählen sonst zu ihren Kunden. Doch nun fürchtet die Destillerie um ihre Existenz. Trotzdem spendet sie noch an Altenheime.

Desinfektion statt Spirituosen: Die Deutsche Spirituosen Manufaktur produziert in Marzahn eigentlich Spirituosen in kleinen Auflagen und Handarbeit. Kunden seien Sterneköche, Hotels, Bars und auch das Schloss Bellevue. Doch jetzt ist die Destillerie - wie so viele andere auch - vom Corona-bedingten existenzgefährdenden Umsatzrückgang betroffen.

„Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen“, sagt nun Geschäftsführer Tim Müller. Er und Miteigentümer Apotheker Konrad Horn wollen nun ihre Bestände an reinem 96-prozentigen Ethanol für die Produktion von dringend benötigten Händedesinfektionsmitteln nach WHO-Standard verwenden. Die Deutsche Spirituosen Manufaktur stellt also auf Händedesinfektionsmittel um - und spendet zugleich tausende Flaschen an Berliner Altenheime.

Damit wolle die Manufaktur einen Beitrag dazu leisten, den dramatischen Mangel an solchen Produkten zumindest ein wenig zu lindern. „Ganz so einfach ist uns der Schritt von der Herstellung von Destillaten zu der von Mitteln zur Händedesinfektion nicht gefallen. Ohne meinen fachlichen Hintergrund hätten wir wohl die Finger davon gelassen“, so Horn in einer Pressemitteilung. Rechtlich handele es sich bei Desinfektionsmitteln zwar meist um sogenannte Biozide und nicht um Arzneimittel.

"Rohstoffe, Herstellverfahren und Qualitätskontrolle sind jedoch vergleichbar." Und so überwache der promovierte Apotheker nicht nur die Produktion, sondern sorgt auch für die Einhaltung aller Hygiene- und Sicherheitsanforderungen, heißt es in der Mitteilung weiter.

[Behalten Sie den Überblick: Corona in Ihrem Kiez. In unseren Tagesspiegel-Bezirksnewslettern berichten wir über die Krise und die Auswirkungen auf Ihren Bezirk. Kostenlos und kompakt: leute.tagesspiegel.de]

Und auch wenn die Umstellung der Produktion auf Händedesinfektionsmittel vordringlich dem Überleben der Manufaktur dienen soll, "heißt es in der vielleicht größten Krise, die jeder von uns zu seinen Lebzeiten erleben wird, solidarisch sein mit den am meisten Gefährdeten."

Manufaktur aus Marzahn, Store in Mitte. Foto: promo Vergrößern
Manufaktur aus Marzahn, Store in Mitte. © promo

"Wir wissen gerade selbst nicht, wie es weitergeht"

Zugleich macht die Firma deutlich, dass sie in der Corona-Krise auch dringend auf Alternativen angewiesen ist. "Wir wissen gerade selbst nicht, wie es weitergeht oder ob unsere Manufaktur diese Krise übersteht. Der weitaus größte Teil unsere Kunden ist von heute auf morgen weggebrochen. Zudem können Kunden ausstehende Rechnungen nicht mehr bezahlen, unsere monatliche Belastung bleibt aber unverändert."

Dennoch kämpfe der Betrieb und versuche, die vier Mitarbeiter um jeden Preis, wenn auch in Kurzarbeit, zu halten.

Angeboten werde das Händedesinfektionsmittel für 10,95 Euro pro/100 ml im Store der Manufaktur ab dem kommenden Freitag in der Torstr. 141, 10119 Berlin-Mitte (Montag bis Samstag, 09:00 - 18:00 Uhr) oder online unter www.d-s-m.com

Zur Startseite