Das Geburtstagskind empfing unter anderem Mario Adorf und dessen Frau Monique. Foto: J. Carstensen/dpa
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Der Traumhändler und die Zeit Artur Brauner feiert in Berlin seinen 100. Geburtstag

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Zum Jubiläum von Artur Brauner füllten 700 Gäste den Zoopalast. Die opulente Geburtstagsfeier hatte seine Tochter Alice organisiert.

Wenn denn auch noch einmal ein Spielfilm gedreht würde über das Leben des 100-jährigen Artur Brauner, dann müsste er mit der Kennenlern-Szene beginnen, wie die letztes Jahr verstorbene Maria Brauner sie in Erinnerung hatte. Der Krieg war gerade zu Ende. Nach Jahren schrecklicher Verfolgungen durch die Nazis war sie in einem russischen Zug unterwegs, um in Warschau die Mutter zu suchen. Aus Angst, in Sibirien zu landen, sprang sie in Stettin spontan ab, ging die staubige Straße runter. Dort sprach sie einen fremden Mann an. Artur Brauner. Das war die Initialzündung für 71 glückliche Ehejahre. Das Leben und die Liebe konnten beginnen.

Am Samstagabend wurde Artur Brauner von der Filmwelt mit einer großen Gala im Zoo Palast geehrt. Auf dessen Roten Teppichen ist er seit Jahrzehnten zu Hause. Über dem Eingang prangte nun sein Bild überlebensgroß. Er saß eingerahmt von Schauspielergrößen wie Klaus Maria Brandauer und Armin Müller-Stahl. Auch Mario Adorf, der exakt an diesem Tag seinen 88. Geburtstag feierte, war gekommen, um dem großen Traumfabrikanten zu gratulieren. Insgesamt 700 Gäste hatten sich versammelt, darunter auch Sally Perel aus Israel, der das Vorbild war für den Film „Hitlerjunge Salomon“, sowie die Sängerin Marianne Rosenberg und Israels Botschafter Jeremy Issacharoff.

„Der Unerschrockene“

Obwohl er allen Grund gehabt hätte, dem Land seiner Peiniger für immer den Rücken zuzukehren, sei er geblieben, um aufzustehen für ein besseres Deutschland, für Versöhnung und Verständigung, sagte Staatsministerin Monika Grütters in ihrer Laudatio. In einer zweiten Laudatio erwähnte Mathias Döpfner ein erschütterndes, unveröffentlichtes Manuskript über das Überleben des Jubilars. Der Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft, Alfred Holighaus, überreichte Brauner die Ehrenmedaille für sein Werk und seinen Einsatz für Toleranz.

Leben für den Film. Der Zoo Palast war für den Anlass dekoriert. Foto: Gartner/Imago
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Organisiert hatte die Gala Brauners Tochter Alice, die inzwischen an die Spitze der CCC Filmkunst getreten ist. Für sie verkörpert der Vater Tugenden seiner Kindheitshelden, er sei unbeugsam und mutig, „kämpft für Gerechtigkeit und steht nach jeder Niederlage wieder auf“. Sein 1948 fertiggestellter erster Film „Morituri“ über KZ-Häftlinge, finanziert vom Verkauf des Pelzmantels seiner Großmutter, wurde aus den Kinosälen gepfiffen. Mit Heimatfilmen prägte er das Bild vom Kino der 50er Jahre.

Gezeigt wurde erstmals auf großer Leinwand der Dokumentarfilm „Der Unerschrockene“, worin er schon vom damaligen Regierenden Bürgermeister Willy Brandt für seine Verdienste geehrt wurde. Darin kommen auch Schattenseiten vor, wie die Steuernachforderungen. Drei der sieben Enkelkinder, Laura, Ben und David, traten als witzige Moderatoren hervor und erklärten, warum sie aus Opas Sicht geeigneter seien für den Job als etwa Barbara Schöneberger: „Wir sind umsonst“. Zu den Klängen von „I will survive“ und „Wenn ich einmal reich wär’“ wurde bei rosa Crémant noch fröhlich getanzt.

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