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Sozialsenatorin Katja Kipping (Die Linke). Foto: Britta Pedersen/dpa
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„Der Piks muss dahin, wo die Menschen sind“ Berlins Sozialsenatorin setzt verstärkt auf Impfangebote in sozial schwachen Kiezen

Sozialsenatorin Katja Kipping möchte Impfangebote im migrantisch geprägten und sozial schwachen Gebieten erweitern. Angedacht sind unter anderem Impfaktionen.

Nach Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) setzt nun auch Berlins Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke) verstärkt auf Impfangebote in migrantisch geprägten und sozial schwachen Kiezen. Nach einem Treffen mit Migrant:innenorganisationen hielten beide das Ziel fest: „Gemeinsam die Impfquote erhöhen“.

„Der Piks muss dahin, wo die Menschen sind“, erklärte Kipping in einer Mitteilung von Donnerstag. „Deswegen werben wir für aufsuchendes Impfen. Das kann der Möbelmarkt in Lichtenberg genauso sein wie der Kulturverein oder Orte der Religionsgemeinschaften.“ Angedacht seien Impfaktionen in der Pallasstraße in Schöneberg, vor Supermärkten und Moscheegemeinden, im Soldiner Kiez in Gesundbrunnen oder im Global Village in Neukölln.

Außerdem sollen verstärkt mehrsprachige und kulturell diverse Ärzteteams eingesetzt und mehrsprachige Informationen zum Impfen in einfacher und verständlicher Sprache auch bei muslimischen Freitagsgebeten ausgehändigt werden. „Wir müssen Hemmschwellen abbauen und durch direkte Ansprache auch Falschinformationen über die Impfung entgegenwirken“, sagte Giffey.

Während der Pandemie hätten Migrant:innenorganisationen die Impfkampagne mit Expertise und Räumlichkeiten unterstützt, so Kipping. „Diese Zusammenarbeit soll auch im dritten Jahr der Pandemie weiterentwickelt werden.“ In dem Video-Gespräch machten die Organisationen Vorschläge für neue Standorte, wie eine Sprecherin Kippings dem Tagesspiegel sagte. Diese würden nun geprüft.

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Giffey hatte mit ihrem Fokus auf Impfungen in migrantischen Milieus Kritik in der eigenen Partei ausgelöst. Die Berliner Jusos hatten ihr vorgeworfen, Menschen mit Migrationsgeschichte ohne Faktengrundlage als Impfskeptiker hinzustellen.

Giffey bekräftigte ihre Position

Nach dem Treffen mit den Migrant:innenorganisationen bekräftigte die Regierende Bürgermeisterin indes ihre Position: „Dieser wertvolle Austausch bestärkt uns, das aufsuchende Impfen voranzubringen, in die Kieze mit schwierigen sozialen Lagen und auch in die Communities zu gehen.“

Das gehe nur mit „viel Aufklärungs- und Informationsarbeit in verschiedenen Sprachen durch Vertrauenspersonen vor Ort“. Dafür seien unter anderem Ärzte mit Migrationsgeschichte, „die besonderes Vertrauen genießen“, unerlässlich.
Eine fortlaufende Umfrage des Robert-Koch-Instituts (RKI) hatte im November 2021 auf eine niedrigere Impfquote unter Menschen mit Migrationsgeschichte schließen lassen. Diese Befragten gaben seltener an, geimpft zu sein, als Menschen ohne Einwanderungsgeschichte. Einschränkend fügte das RKI hinzu, dass die Telefonumfrage nur auf Deutsch durchgeführt wurde.

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Die Gesundheitsverwaltung kündigte am Donnerstag an, dass die Sonderimpfaktion des Landes in den Corona-Impfzentren in der Messe Berlin, am Flughafen Tegel sowie in der Impfstelle Trabrennbahn Karlshorst ausgeweitet werde.

Ab dem heutigen Freitag können demnach alle, die eine Impfung wollen, unabhängig vom Alter, sich mit Biontech oder Moderna impfen lassen. Die Aktion endet am 21. Januar, danach gilt in Berlin wieder die altersabhängige Impfstoffverwendung. Sonja Wurtscheid

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