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Verkehrsberuhigung im Bergmannkiez: die neuen Fahrradspuren für Radler. Foto: Fabian Sommer/dpa
© Fabian Sommer/dpa

Der Berliner Kiez der Zukunft? Neue Bergmannstraße in Kreuzberg nimmt Gestalt an

Wer hat Vorrang auf den Straßen der Stadt? Diese Frage ist auch in Berlin heftig umstritten. Nun setzt Kreuzberg einen „geschützten Zwei-Richtungs-Radweg“ um.

Ob Felsbrocken, grüne Punkte auf der Straße oder sogenannte Parklets: Verkehrsexperimente im Bergmannkiez in den vergangenen Jahren schon einigen Gesprächsstoff geliefert.

Nun kommt womöglich die Fortsetzung: Nach rund einem Monat Bauzeit sollen in dieser Woche die Arbeiten an einem „geschützten Zwei-Richtungs-Radweg“ auf einem Abschnitt der Bergmannstraße zu Ende gehen.

Das sagte eine Bezirkssprecherin auf Anfrage. Einen genauen Termin gebe es nicht.

„Jetzt müssen auch die anderen Bezirke nachziehen und die notwendige Verkehrswende einleiten“, sagte eine Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Berlin (ADFC).

Der von Pflanzkästen gesäumte Radweg, der trotz der Arbeiten schon genutzt werden konnte ist Teil der geplanten Verkehrsberuhigung im beliebten Einkaufs- und Ausgehkiez.

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Für Autofahrer hat die Umgestaltung spürbare Folgen: Sie können zwischen Nostitzstraße und Zossener Straße mittlerweile nur noch in Richtung Westen fahren.

Der Schritt basiert auf einem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung, dem ein Beteiligungsverfahren mit Bürgerinnen und Bürgern vorausging.

Roland Stimpel vom Fußgängerverband Fuss e.V., der die Straße nach eigenen Angaben zu Fuß und mit dem Rad getestet hat, sieht einen „deutlichen Fortschritt“, aber es sei noch längst nicht perfekt.

Eines der Kreuzberger Experimente zur Verkehrsberuhigung: Grüne Punkte auf der Straße. Foto: Kitty Kleist-Heinrich Vergrößern
Eines der Kreuzberger Experimente zur Verkehrsberuhigung: Grüne Punkte auf der Straße. © Kitty Kleist-Heinrich

„Die Gehwege müssen aufgeräumt und vom Ordnungsamt stärker kontrolliert werden. Und der Radverkehr muss vor den Zebrastreifen gebremst werden, so wie der Autoverkehr schon jetzt“, erklärte Stimpel. „Dichter Radverkehr von beiden Seiten macht vor allem Alten, Kindern, Ängstlichen und Behinderten Probleme.“

Insgesamt soll es im Kiez in Zukunft weniger Durchgangsverkehr geben. In weiteren Schritten soll die Straße zudem grüner werden und etwa Wasserspiele erhalten - eine „klimafreundlich gestaltete Fußgänger*innenzone“, wie es der Bezirk formuliert.

Modellprojekt für den „Kiez der Zukunft“

Laut Umfragen wünschten sich Rad- und Autofahrer eine bauliche Trennung von Radweg und Kfz-Fahrbahn, hieß es vom ADFC weiter.

Dass es zu Geschwindigkeitskontrollen auch für den Radverkehr kommen könne, zeigten Erfahrungen bei einem ähnlichen Projekt in der Friedrichstraße.

Die Forderung des ADFC sei, dass sich die Polizei vor allem an der Unfallstatistik orientiere und der Großteil der Verletzten und Getöteten im Straßenverkehr sei zu Fuß oder auf dem Rad unterwegs gewesen.

„Ein zu schnelles Auto ist im Zweifel lebensgefährlich für andere,“ führte Stimpel aus. Letztlich mache eine Entschleunigung des Verkehrs die Straßen sicherer für alle.

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Über Umgestaltungen in der Bergmannstraße im Rahmen eines Pilotprojekts war vor einigen Jahren viel diskutiert worden, teils zogen sie Spott auf sich. Unter anderem gab es dort einen Testlauf mit Straßenmöbeln auf Parkplätzen, sogenannte Parklets.

Diese gerieten auch beim Steuerzahlerbund in die Kritik: knapp 119.000 Euro hätten zwei große hölzerne Sitzecken mit Tischen gekostet.

Eine Zeit lang sollten zudem grüne Punkte auf der Fahrbahn zur Verkehrsberuhigung beitragen. Vorübergehend lagen auch noch große Felsbrocken auf der Straße, um Parken in einem Baustellenbereich zu verhindern. (dpa)

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