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Berlins Gefängnisse hinken bei der Impfquote hinterher. Foto: Paul Zinken/dpa
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Das Virus hinter Gittern Nur etwa 50 Prozent der Häftlinge in Berlin gegen Corona geimpft

Die Pandemie macht an Gefängnismauern nicht Halt. Berlins Anstalten hinken bei der Impfquote hinterher.

In Berliner Gefängnissen ist im Schnitt nur jeder zweite Insasse gegen Corona geimpft. Das sagte die zuständige Abteilungsleiterin in der Senatsverwaltung für Justiz, Susanne Gerlach, am Mittwoch. Die Impfquote schwanke je nach Anstalt zwischen 50 und 60 Prozent, in einigen liege sie auch darunter.

Grund sei der ständige Wechsel von Häftlingen. Vor allem in Aufnahme-Anstalten wie der JVA Moabit, "wo permanent neue Gefangene kommen", sei die Impfquote niedrig. In der JVA Tegel, in der Menschen längere Haftstrafen absäßen, seien weit mehr von ihnen geimpft.

Allen Gefangenen werde bereits bei ihrer Aufnahme eine Impfung angeboten und auch danach fortlaufend. Das Thema habe Priorität. Man sei "sehr, sehr stolz", dass "doch recht wenige Fälle" von Corona-Infektionen in den Anstalten auftreten.

Das Personal sei zu 71,4 Prozent geimpft (Stand 3. Dezember). Darunter fielen auch Beschäftigte, die nicht direkt in den Gefängnissen arbeiteten. "Ich gehe davon aus, dass wir realistischerweise circa 80 Prozent derjenigen, die tatsächlich vor Ort sind in den Anstalten, geimpft haben."

Mehr Ausbrüche aus dem offenen Vollzug

Dieses Jahr brachen etwas mehr Insassen aus dem offenen Vollzug aus als vergangenes Jahr, wie aus den Daten der Justizverwaltung hervorgeht. Ausbrüche aus dem geschlossenen Vollzug gab es wie auch in den beiden Vorjahren keine.

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Nach einer Reihe von Ausbrüchen vor einigen Jahren hatte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) angekündigt, die Sicherheit der Anstalten zu verbessern. "Die Sicherheit ist eine Daueraufgabe", sagte Behrendt am Mittwoch. Das Personal müsse sensibilisiert bleiben. Wichtig sei, "dass sie jeden Tag zur Arbeit gehen in dem Bewusstsein 'heute könnte etwas Sicherheitsrelevantes passieren' - und nicht in dem Bewusstsein 'dit is jetzt gestern gut jegangen und vorgestern – dit wird heute och schon gut gehen'."

Der scheidende Justizsenator Dirk Behrendt hatte sich vorgenommen, die Sicherheit der Berliner Gefängnisse zu verbessern. Foto: Paul Zinken/dpa Vergrößern
Der scheidende Justizsenator Dirk Behrendt hatte sich vorgenommen, die Sicherheit der Berliner Gefängnisse zu verbessern. © Paul Zinken/dpa

Diese Aufmerksamkeit sei auch wichtig in Bezug auf Schmuggel. "Die Gefangenen sind ja sehr findig, unsere Mitarbeiter auch dazu zu überreden, mal einen kleinen, vielleicht nicht ganz legalen Dienst zu machen. 'Nimm mal n Brief mit raus' – und dann haben sie sie im Sack. Dann heißt es: 'Du hast ja den Brief mit rausgenommen, jetzt kannst du auch mal was mit reinnehmen'."

Drohnenpost für Häftlinge

Insassen erhielten illegale Gegenstände wie Handys oder Drogen mitunter auch per Drohne. "Das passiert und das ist eine Herausforderung", sagte Behrendt. Die Drohnen fliegen über die Anstaltsmauern auf den Hof oder vor die Fenster. Manche Drohnen ließen sich per Geofencing, einer Art virtuellen Zauns, herunterholen. "Bei den Anbietern, die das ermöglichen, bringen wir die dann zum Absturz", sagte Behrendt. Die anderen Anbieter wolle der Bund dazu bewegen, ebenfalls Geofencing zu ermöglichen.

Insgesamt sind die Berliner Gefängnisse in etwa so voll wie vergangenes Jahr. 3455 Plätze waren am 1. Dezember dieses Jahres belegt, 556 Plätze waren frei. Allerdings steigt die Zahl der in Untersuchungshaft sitzenden Menschen. Auf diese Entwicklung müsse man "ein Auge" haben, sagte Abteilungsleiterin Gerlach. 733 Menschen saßen Ende November in U-Haft. Zum Vergleich: 698 waren es zum Stichtag 31. März im vergangenen Jahr.

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