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Viel los: der Park am Gleisdreieck am Sonnabend. Foto: Christoph Soeder/dpa
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Update „Das ist ein Grund zur Sorge“ Berlin verzeichnet höchste Corona-Inzidenz aller Bundesländer

Mit 23 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen ist Berlin Spitzenreiter. Der Hotspot: Friedrichshain-Kreuzberg, wo der Wert bei 50 liegt.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hat sich am Montag im Gesundheitsausschuss im Abgeordnetenhaus besorgt zur epidemiologischen Lage in der Stadt geäußert. "Das Tempo der Neuinfektionen gewinnt an Fahrt", sagte Kalayci.

Besonders die Sieben-Tage-Inzidenz, der Wert der Neuinfektionen innerhalb einer Woche pro 100.000 Einwohner, bereitet ihr Sorgen. Dieser stieg in Berlin in den vergangenen Tagen auf 23 (Stand Montag 15 Uhr). "Damit ist Berlin bundesweit leider Spitzenreiter", sagte Kalayci und ergänzte: "Das ist ein Grund zur Sorge."

Tatsächlich belegt Berlin unter den Bundesländern jetzt Platz 1 bei den Neuinfektionen, knapp vor Bayern. Bei den Millionenstädten liegt allerdings München weit vor Berlin.

Vor allem in Friedrichshain-Kreuzberg, wo die Sieben-Tage-Inzidenz nach den neuesten Daten des Tagesspiegel Innovation Labs auf 50,8 stieg (Stand Montag 15 Uhr), werde es immer schwerer, die Kontaktketten nachzuverfolgen.

Unter der Leitung der Firma Risklayer und des Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology am Karlsruher Institut für Technology (KIT) sammelt das Tagesspiegel Innovation Lab die Meldungen direkt von den knapp 400 einzelnen Websites der Kreisämter in den Bundesländern und verifiziert sie mehrfach. Die Senatsgesundheitsverwaltung gibt den Wert für Friedrichshain-Kreuzberg aktuell mit "über 48" an.

Auch bei älteren Leuten wieder mehr Infektionen

Kalayci betonte im Gesundheitsausschuss, bislang seien es vor allem Menschen unter 30 Jahren, die sich infizierten, doch auch die Infektionen bei der älteren Bevölkerung würden wieder leicht steigen. "Wenn die Älteren erreicht werden, wird die Zahl der Hospitierten und der Toten leider wieder steigen." Dies zeigten Erfahrungen aus dem Ausland, wie zum Beispiel aus Spanien.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). Foto: Michael Kappeler/dpa Vergrößern
Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). © Michael Kappeler/dpa

In Berlin infizieren sich Menschen aktuell an erster Stelle in privaten Haushalten, bereits an zweiter Stelle wegen eines nachlässigen Freizeitverhaltens. Die Gesundheitsämter würden der Verwaltung von vielen privaten Feiern berichten, bei denen sich Menschen infizierten. Die Gesundheitssenatorin warnte eindringlich davor.

Gesundheitssenatorin rät von Reisen in den Herbstferien ab

Angesichts der zum Teil sehr hohen Corona-Fallzahlen in vielen europäischen Ländern sprach sich Berlins Gesundheitssenatorin auch gegen internationale Reisen in den Herbstferien (12. bis 26. Oktober) aus. Die Ferien fallen in Berlin auf den Zeitraum vom 12. bis 26. Oktober. "Eine Pandemiezeit ist keine Reisezeit", sagte Kalayci im Ausschuss.

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Mit Blick auf die steigenden Corona-Zahlen auch in Deutschland brauche man die Testkapazitäten nicht nur für Reiserückkehrer. Das Verhalten mancher Urlauber im Sommer kritisierte Kalayci. Sie erneuerte ihre Forderung, Testkapazitäten neben Kranken und Kontaktpersonen auch für Pfleger, Ärzte, Lehrer und Mitarbeiter von Kitas zu nutzen.

Corona-Kosten: Kalayci kritisiert Spahn

Kritik übte Kalyci an dem Vorhaben, die entstandenen Corona-Kosten auf Versicherte und Krankenkassen abzuwälzen. „Ich sehe das sehr kritisch“, sagte die Senatorin im Ausschuss. Gerade in der Pandemie hätten Arbeitnehmer und Arbeitgeber bereits ihr finanzielles Päckchen zu tragen.

In der vergangenen Woche hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) entgegen früherer Aussagen mitgeteilt, dass die Kosten der Pandemie nicht allein vom Bund und aus Rücklagen getragen werden. „Wir waren als Länder nicht daran beteiligt", sagte Kalayci, die aktuell auch den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) inne hat.

In einer Telefonschalte am Freitag habe sie dies mit ihren Amtskollegen der Länder "kritisch" diskutiert, man sei "überrascht" worden von der Ankündigung. Einwirken können die Länder aber offenbar nicht. "Eine formale Beteiligung der Länder ist nicht vorgesehen."

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