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Jugendliche haben es besonders schwer, mit der Coronalage zurechzukommen. Foto: imago/photothek
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Damit Berlins Schulen offen bleiben können Mediziner richten „flammenden“ Impfappell an Lehrkräfte

Impfschutz bedeutet Kinderschutz, sagt Amtsarzt Larscheid – und erklärt Schulleitern, was das bedeutet. Charité-Professor Mockenhaupt wirbt für Astrazeneca.

Reinickendorfs Amtsarzt Patrick Larscheid sprach vom „größten Kinderschutztreffen in Berlin“: Fast 700 Schulleitungen wollten am Donnerstag per Videokonferenz erfahren, was Charité-Professor Frank Mockenhaupt und Larscheid zur aktuellen Coronalage zu berichten hatten. Was sie zu hören bekamen, waren in besonderem Maße Impfappelle, damit Schulöffnungen – und damit Kinderschutz – wieder möglich werden.

„Alle drei Impfstoffe sind super“, schickte Mockenhaupt, kommissarischer Direktor des Instituts für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit der Charité, voraus. Das Problem von Astrazeneca sei lediglich „die schlechte Presse“. Das Risiko im Hinblick der beobachteten Thrombose liege bei 1 : 250.000 oder gar 1 : 1.000.000 – solch seltene Komplikation werde auf Beipackzetteln normalerweise „überlesen“.

Auch Larscheid schickte einen „flammenden Impfappell“ an die Schulleiter:innen, die sich auf Einladung von Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers (SPD) in bislang nie da gewesener Zahl zur Videokonferenz versammelt hatten. Der Amtsarzt machte zudem klar, dass das Impfen nicht nur für die Sicherheit der Pädagog:innen wichtig sei, sondern auch für die Kinder, deren Schulbesuch eben von der Infektionslage abhänge.

Solange der „Königsweg der Impfung“ für die Schüler:innen nicht offen sei, müssten die Pädagog:innen durch ihr Impfverhalten ihren Beitrag dazu leisten, dass Schulen offen bleiben könnten. „Die psychosoziale Entwicklung eines Menschen findet in der Schule“ statt, bekräftigte der Amtsarzt seinen Appell.

Zudem seien Schulen ein „Schutzraum“ und sie fungierten als „Frühwarnsystem“, wenn es Kindern und Jugendlichen schlecht gehe. Wenn Schüler:innen verschlossen wirkten, sich zurückzögen oder gar anfingen, sich zu ritzen, dann gebe es die Chance, dass Mitschüler:innen oder Lehrkräften das auffalle. Wenn aber Störungen bereits „chronifiziert“ seien, dann gingen sie „nicht einfach wieder weg“.

Mockenhaupt berichtete auch über das bisher in Schulen beobachtete Infektionsgeschehen. In Schulen verbreiteten sich nur selten Cluster, betonte er. Meist gebe es nur „ein oder zwei Fälle“ pro Klasse. Selbst bei der ansteckenderen Virusvariante erwarte er nur „zwei bis drei Fälle“ pro Lerngruppe.

Kaum Cluster-Infektionen in Schulen

Warum sich das Virus in Schulen „so wenig“ verbreite sei „eigentlich unklar“. Obwohl doch „30 Menschen in schlecht belüfteten Räumen“ säßen, verliefen die Schulinfektionen „meist in einer Sackgasse - dead end“. Das sei erstaunlich.

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Mockenhaupt äußerte sich auch zu den Coronatests. Wie berichtet, wurden sie massenhaft an Lehrkräfte und Schüler:innen verteilt. Die Schüler:innen sollen die Selbsttests zweimal wöchentlich zu Hause benutzen. Dieser Weg wurde empfohlen, damit Infektionen zu Hause bemerkt werden und Infizierte sich nicht mehr in öffentliche Verkehrsmittel setzen und ihre Mitschüler:innen nicht vor dem Schultor infizieren.

Selbsttest für zu Hause - vielleicht nicht mehr lange

Charité-Professor Mockenhaupt thematisierte allerdings schlechte Erfahrungen in London. Dort habe sich gezeigt, dass die Testteilnahme unter Schüler:innen aus bildungsfernen Familien zu Hause auf bis zu 30 Prozent sinke. Er schloss nicht aus, dass das Verfahren in einigen Wochen geändert und die Tests in die Schulen verlagert würden. Das habe auch Österreich inzwischen entschieden.

Zwei Schüler vor dem Eingang einer Grundschule in Prenzlauer Berg. Foto: dpa Vergrößern
Zwei Schüler vor dem Eingang einer Grundschule in Prenzlauer Berg. © dpa

An den weiterführenden Schulen sind am Donnerstag per Mail die ersten von rund 40.000 Impfeinladungen für die Beschäftigten ankommen. Schulleitungen berichteten, dass ihnen Dateien mit 100 bis 200 Seiten zugesandt wurden, die sie ausdrucken sollen, weil die Impf-Codes in Papierform zu übergeben sind.

Schulleiter berichten, dass sie und ihre Kolleg:innen die Wahl zwischen verschiedenen Impfstoffen haben. Die rund 90.000 Mitarbeiter:innen der Kitas und Kindertagespflege sowie Grund- und Förderschulen wurden bereits benachrichtigt und konnten erste Impftermine machen.

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