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Rettungswagen am Urban-Krankenhaus der Vivantes-Klinikkette in Berlin-Kreuzberg. Hannes Heine
© Hannes Heine

Exklusiv Coronakrise in den Krankenhäusern Berliner Vivantes-Kliniken machen 65 Millionen Euro Verlust

Das Geld für planbare Operationen brauchen die Kliniken. In der Pandemie häuften sich deshalb die Verluste. Die Vivantes-Zahlen überraschen dennoch.

Die Berliner Vivantes-Kliniken haben das Jahr 2020 mit unerwartet hohem Verlust von 65 Millionen Euro abgeschlossen. Fast 40 Millionen Euro pandemiebedingter Zusatzkosten haben dazu beigetragen. Das erfuhr der Tagesspiegel aus dem landeseigenen Krankenhauskonzern. Eine Vivantes-Sprecherin bestätigte lediglich, man erwarte ein negatives Jahresergebnis.

Mit 1,4 Milliarden Euro Jahresumsatz und fast 6000 Betten in neun Häusern ist Vivantes die größte kommunale Klinikkette Deutschlands. In der Pandemie wurden massenhaft planbare Operationen verschoben – dabei werden gerade reguläre Eingriffe von den Krankenkassen auskömmlich vergütet.

Die Bundesmittel für frei gehaltene Covid-19-Betten glichen die Verluste nicht aus. Zudem gilt die Behandlung von Corona-Fällen schon wegen der besonderen Schutzmaßnahmen als aufwendig.

Nach einem Corona-Ausbruch mit der britischen Mutation B.1.1.7. gilt für die Vivantes-Klinik in Spandau ein Aufnahmestopp – Rettungsdienste fahren dort schon seit zwei Wochen keine Patienten hin, inzwischen gilt das auch für die dortige Psychiatrie.

Im aktuellen Vergütungssystem, das auf sogenannten Fallpauschalen basiert, wirtschaften die meisten Kliniken nur auskömmlich, wenn 90 Prozent der Betten belegt sind. Ambulante Fälle, wie sie in Rettungsstellen der Großstädte versorgt werden, sind Verlustgeschäfte. Nach einem strikten Sparkurs machte Vivantes 2019 noch 17 Millionen Euro Plus - allerdings müsste ein Vielfaches der Summe in marode Bauten und für neue Technik investiert werden.

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Insbesondere die Vivantes-Kliniken müssen sich als öffentliche Einrichtungen den Anweisungen der Politik, also den Eigentümern im Senat, beugen.

Tatsächlich hatte der Vivantes-Vorstand früh Betten für Covid-19-Fälle freigehalten, also auf reguläre Behandlungen verzichtet. So hatte es Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) für die zweite Pandemiewelle im November angeordnet. Selbst im Sommer 2020, also zwischen der ersten und der zweiten Welle, waren (nur) 80 Prozent der Vivantes-Betten belegt. Je nach Größe der Klinik werden durch den Bund 360 bis 760 Euro Ausgleich je Bett und Tag gezahlt.

Krankenhäusern droht ohne Rettungsschirm der Ruin

Ein Urteil des Verwaltungsgerichts, wonach das pauschale Verbot verschiebbarer Eingriffe hinfällig ist, nützt Vivantes allenfalls mittelbar: Jede Klinik, die sich der Senatsverordnung widersetzen möchte, müsste selbst klagen. Zugleich versorgten Ärzte und Pflegekräfte der Vivantes-Kliniken mehr Corona-Fälle als in anderen Häusern: bislang circa 6500. Darunter sind Covid-19-Patienten, die über Monate behandelt wurden.

In Absprache mit Gesundheitssenatorin Kalayci waren Berlins Intensivstationen zu Pandemiebeginn drei "Levels" zugeteilt worden. Die Charité behandelt als Level I die schwersten Fälle. Level II sind 16 Kliniken, darunter die großen Vivantes-Häuser, die schwere und leichtere Covid-19-Fälle versorgen. Level-III-Intensivstationen wiederum versorgen vorrangig Nicht-Covid-19-Patienten.

Werde der erwähnte Rettungsschirm des Bundes nicht verlängert, drohe Krankenhäusern der Ruin. So hatte Berlins Krankenhausgesellschaft argumentiert – und dem Abgeordnetenhaus auch Zahlen geliefert: Die Belegung der Kliniken habe diesen Januar 25 Prozent unter dem Wert des Vorjahres gelegen – weil reguläre Patienten fehlten, verzeichneten Berlins 60 Kliniken im ersten Monat des Jahres 100 Millionen Euro Verlust. Für das laufende Jahr rechne man mit 12,7 Prozent weniger Patienten als 2019. Die Vivantes-Kliniken sollen künftig enger mit den Universitätsmedizinern der Charité kooperieren. Der Senat will Berlin zur internationalen Medizinmetropole ausbauen.

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