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Manager Rodrigo Bustos Barros und seine Frau Kerstin auf dem Rückflug. Foto: privat
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Corona-Shutdown in Namibia Mit dem letzten Flieger heim nach Deutschland

Ein Berliner Manager berichtet, wie er und seine Frau gerade noch aus dem Namibia-Urlaub heimgekommen sind, ehe die EU ihre Grenzen dicht gemacht hat. 

Manager Rodrigo Bustos Barros ist viel auf der Welt unterwegs, aber so ein Reiseende hat er noch nicht erlebt. 

„Wir sind immer noch gerade so durch. Hinter uns sind quasi die Schlagbäume runtergegangen“, schildert der Deutsche mit chilenischen Wurzeln am Mittwoch das Ende seines Namibia-Urlaubs tags zuvor. „Das war ein echter Krimi.“

Aber Hilfe oder Informationen von der Fluggesellschaft oder der Botschaft habe es keine gegeben. Das habe ihn sehr gewundert, erzählt der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Unternehmensberatung BearingPoint mit ruhiger Stimme, aber deutlich irritiert: „Ich frage mich schon, was deren Aufgabe ist.“ 

Gerade in einer Krise wie dieser sei doch Hilfe nötig. 

„Ich wusste mehr als die Hotline“

Bustos Barros hört auch im Urlaub Nachrichten, spricht Englisch und versteht Afrikaans - „und ich habe ein Handy“, sagt er. Also ahnten er und seine Frau irgendwann, dass es mit der Rückkehr eng werden könnte. 

Sie versuchten, sich zu informieren. „Als ich bei KLM wegen der verkündeten Grenzschließung anrief, wollten sie uns über Addis Abeba umbuchen. Dahin ging schon seit zwei Tagen gar kein Flug mehr. Ich wusste mehr als die Hotline.“

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Und das Auswärtige Amt kam auf seinen Seiten mit all den Grenzschließungen schon gar nicht mehr hinterher. Also haben die beiden aus Berlin auf ihr Glück gesetzt und es bei ihrem Flug über Johannesburg auf den letzten Drücker belassen. Das hätte schief gehen können.

Ein Mann trägt bei Arbeit im namibischen Windhoek eine Maske, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Foto: Hildegard Titus/AFP Vergrößern
Ein Mann trägt bei Arbeit im namibischen Windhoek eine Maske, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. © Hildegard Titus/AFP

Für Touristen gab es keine Informationen

„Neben uns saßen deutsche Touristen im Hotel, die wussten von nichts. Und am Flughafen waren eine Menge ältere Touristen, die konnten gar kein Englisch“, sagt Bustos Barros. 

Sie seien wohl der Ansicht gewesen, in der ganz früher mal deutschen Kolonie müssten die Leute immer noch überall deutsch sprechen – „was so nicht ganz richtig ist“. 

Diese Menschen seien allerdings auf Unterstützung angewiesen. „Gestern gab es für sie keine Informationen.“

Radio: Noch 8000 Europäer in Namibia

Nach Angaben des namibischen Radios seien im Land noch etwa 8000 europäische Touristen. Die Mitarbeiter an dem einen Serviceschalter, den es auf den Flughafen in Windhuk gebe, hätten ziemlich verzweifelt ausgesehen, sagt Bustos Barros 

„Umbuchen ging nicht, alle Maschinen waren längst ausgebucht.“ In ihrem Flieger habe eine Frau gesessen, deren Mann erst am Mittwoch fliegen wollte. So ruhig der Manager klingt, er sagt doch: „Es ist schlimm, man kriegt das alles nur vom Hörensagen mit, und es lässt sich schwer verifizieren.“

Fünf Minuten später war die Grenze dicht

Seine Frau Kerstin und er saßen dann im letzten Flieger von Johannesburg gen Amsterdam: Start um 23.55 Uhr, um Mitternacht war die Grenze dicht. „Das war eine knappe Kiste.“ 

In Amsterdam – auf dem Hinflug ein wimmeliger Weltairport, auf dem Rückweg ein Geisterflughafen, auf dem fast alle Geschäfte zu waren – ging es gerade so weiter: „Drei Stunden später waren auch die EU-Grenzen zu.“ Das hat dann doch auch an den Nerven des Managers genagt.

Daheim ist dann das Katzenstreu aus

Trotz all der Hektik, er versucht, die Lage mit Humor zu nehmen – auch in den Steglitzer Läden am Morgen. „Kaum zu glauben, Katzenstreu war ausverkauft“, sagt er. 

„Vermutlich von denen, die kein Klopapier mehr gekriegt haben, wir übrigens auch nicht. Die machen sich damit wahrscheinlich die Badewanne voll“, scherzt er, wenn auch mit müder Stimme. 

Es sei schon merkwürdig, dass in Deutschland als erstes Toilettenpapier ausverkauft sei, in Frankreich Rotwein und Kondome, findet Bustos Barros. Das hat er auf Twitter gefunden.

Er fragt sich: Was wird aus den anderen?

Er will jetzt nach vorne gucken. „Wir haben es geschafft. Wir konnten einkaufen.“ Eigentlich haben sie diese Woche noch Urlaub, jetzt müssen seine Frau und er erstmal hören, was ihre Firmen planen. 

Er und seine Frau haben sich jetzt erst einmal selbst eine Quarantäne verordnet und bleiben vorerst zuhause.

Bustos Barros fragt sich aber: Was wird mit den anderen? Denjenigen, die nicht den letzten Flieger erwischt haben. Er hofft, dass ein Bundes-Flieger sie abholt.

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