Der Club und die Bar Farbfernseher in der Skalitzer Straße 114 in Kreuzberg muss nach zehn Jahren schließen. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
© Kitty Kleist-Heinrich

Clubsterben in Berlin Sendeschluss für den Farbfernseher

Ein weiterer Club muss Ende Mai schließen: der Farbfernseher in Kreuzberg. Die Räume sollen renoviert und neu vermietet werden.

Klein, aber fein, das ist, noch, der Farbfernseher. Seit zehn Jahren ein perfekter Ort für Leute, die ausgehen wollen, aber noch nicht so richtig wissen, wie und wo der Abend enden soll. Man kommt hierher, erst einmal nur auf ein Bier, um später noch ins Berghain oder ins Watergate zu gehen. Doch dann wird die Stimmung immer besser, der Dancefloor füllt sich und man bleibt schließlich einfach die ganze Nacht.

Doch nach ziemlich genau einer Dekade wird der Club Geschichte sein, Ende Mai ist Schluss. Der Vermieter des Gebäudes, in dem sich in den oberen Stockwerken auch Wohnungen befinden, möchte die Clubetage sanieren, sagt Jan Baumann, einer der drei Betreiber des Farbfernsehers. Danach sollen die Räume neu vermietet werden.

Wieder ein verdrängter Club in Kreuzberg. Von außen erinnert der Laden aber an eine ganz andere Zeit. „Farbfernseher ab 98.- DM“ steht auf einem Schild über dem Eingang in der Skalitzer Straße 114. Eine Erinnerung an das, was hier verkauft wurde, bevor das Nachtleben einzog: TV-Geräte, zu Marktpreisen! Und so wurde der Club dann auch der Einfachkeit halber genannt: Farbfernseher.

In den Trauergesang über das Berliner Clubsterben möchte Jan Baumann nicht einstimmen. „Ein Ende nach zehn Jahren ist okay“, sagt er. Und man habe Verständnis für den Wunsch des Eigentümers, die Räumlichkeiten des Farbfernsehers hochwertiger zu vermieten. Dass sein Laden damit durchaus Opfer der Entwicklung in Kreuzberg wird, wo man jetzt ganz andere Mieten verlangen kann als noch vor zehn Jahren, wenn man seine Immobilie ein wenig aufhübscht, sei ihm klar.

Für die Clubbetreiber war der Farbfernseher ein „Spaßprojekt“

Aber deswegen möchte er seinem Vermieter nicht böse sein, mit dem er sich gut verstehe. So verabschiedet sich ein Kreuzberger Club, der in den letzten Jahren auch bei Touristen stark angesagt war, einfach still und leise – auch wenn es bei den Abschiedspartys noch einmal knallen wird.

Dass bei den drei Farbfernseher-Betreibern der Grimm ausbleibt, rührt auch daher, dass der Job als Clubbetreiber ihnen zwar Spaß gemacht hat, aber nie Hauptberuf war. Es sei ein „Spaßprojekt“ gewesen, eine „Liebhaberei“, wie Baumann das nennt. Er ist wie einer seiner Geschäftspartner Architekt, der dritte im Bunde arbeitet als Grafikdesigner. Keiner von ihnen hat je ganz auf Gastronom umgestellt. Demnächst dann eben wieder ausschließlich.

Dass der Farbfernseher über die Jahre so beliebt werden würde, war eigentlich nie geplant, erläutert er. Vor zehn Jahren kam er gerade frisch aus Köln, war noch Student und Fan von Techno- und Housemusik. Er und seine beiden Partner haben ursprünglich die Idee gehabt, aus dem Farbfernseher eine Bar mit angeschlossenem Dancefloor zu machen, und dabei „die Grenze zwischen Bar und Club aufzulösen“, so sagt er. „Wir hatten damals das Gefühl, so etwas fehlt in Kreuzberg.“

Doch es kam dann schnell anders und aus der Bar, in der man auch tanzen konnte, wurde ein Club, auch wenn es ein kleiner war. Anfangs befand sich das DJ-Pult noch oben, im ersten Stock, neben dem Tresen. Der DJ legte eher für diejenigen auf, die sich ein Bier bestellten, als für die Tanzwilligen auf dem Dancefloor im Erdgeschoss. Dann wurden die Plattenspieler nach unten verlegt, was den Clubcharakter verstärkte. Auch die DJ-Bookings wurden demgemäß zunehmend ambitionierter. Vor allem für House mit Disco-Einschlag steht der Farbfernseher. Und er war auch immer gut besucht – vor der Tür bildeten sich häufig Schlangen. Drinnen war ja auch nicht sehr viel Platz.

Das Aus für den Farbfernseher wird viele Liebhaber der kleinen, urigen Clubs in Berlin, abseits der großen Hallen, schmerzen. Etwas Linderung wartet zum Glück nur ein paar Meter weiter in der Skalitzer Straße. Dort befindet sich nämlich die Palomabar. Eine kleine Bar, mit DJ, so fing es auch hier an. Inzwischen ist es, nach diversen Umbauten, ein Club. Klingt bekannt.

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