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Dank 9-Euro-Ticket ist die Auslastung der BVG-Busse und Bahnen deutlich gestiegen. Foto: dpa
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BVG-Untersuchung zum 9-Euro-Ticket Nahverkehr fast so voll wie vor Corona – vor allem Autofahrer steigen um

Drei Viertel der BVG-Neukunden, die das Billigticket brachte, waren vorher vor allem mit dem Auto unterwegs. Mit großem Abstand folgen Radler und Fußgänger.

Das Neun-Euro-Ticket lockt nicht nur Menschenmassen in die Regionalzüge, sondern bringt auch der coronabedingt gebeutelten BVG neue Fahrgäste – und alte zurück.

Am Dienstag veröffentlichten die Berliner Verkehrsbetriebe Ergebnisse einer hausgemachten Marktforschung zu dem Angebot. Demnach hat allein das landeseigene Berliner Unternehmen bisher rund 1,25 Millionen Tickets verkauft, was „alle Erwartungen“ übertreffe.

Die Tickets würden offensichtlich rege genutzt: Die Auslastung der Busse und Bahnen sei im Juni, dem ersten der drei Angebotsmonate, gegenüber Mai um 16 Prozentpunkte gestiegen von 80 auf etwa 96 Prozent im Vergleich zum Niveau vor Corona. Klarer Spitzentag war der Pfingstsonntag.

Etwa jeder elfte Ticketkäufer gab in einer nicht repräsentativen Online-Befragung der BVG mit rund 2500 Teilnehmern an, dass er den öffentlichen Nahverkehr vorher nicht genutzt habe. Drei Viertel dieser Neukunden waren nach eigenen Angaben zuvor überwiegend mit dem eigenen Auto unterwegs.

Damit dominiert die Gruppe der Umsteiger vom Auto mit großem Abstand – weit vor Radfahrern (neun Prozent), Fußgängern (sechs Prozent), Carsharing-Nutzern (vier Prozent) und Auto-Mitfahrern (drei Prozent).

37 Prozent der Tickets über Apps gekauft

Diese Zahlen legen nahe, dass das Neun-Euro-Ticket wie gewünscht zum Klima- und Umweltschutz beiträgt. 15 Prozent der bis einschließlich vergangenen Sonntag verkauften Tickets gelten laut BVG erst im Juli oder August. Der Anteil der auf digitalem Wege - also über Apps - verkauften Tickets sei mit 37 Prozent außergewöhnlich hoch. Die Ergebnisse der Umfrage hat die BVG hier als PDF veröffentlicht.

Die Ergebnisse der BVG-Umfrage zum Neun-Euro-Ticket (Bild anklicken zum Vergrößern). Foto: BVG / Screenshot: Tsp Vergrößern
Die Ergebnisse der BVG-Umfrage zum Neun-Euro-Ticket (Bild anklicken zum Vergrößern). © BVG / Screenshot: Tsp

Zur Masse der einzeln gekauften Tickets kommen rund 850.000 Stammkund:innen, deren Monatskarten automatisch als Neun-Euro-Tickets gelten, sowie Kunden anderer Mitgliedsunternehmen im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, beispielsweise der S-Bahn Berlin.

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Bundesweit wurden nach Angaben des Branchenverbandes VDV bereits mindestens 16 Millionen Neun-Euro-Tickets verkauft; hinzu kommen mindestens zehn Millionen Fahrgäste mit Abonnements oder Jahreskarten.

Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) brachte bei einer Veranstaltung am Montag erneut die Idee eines umlagefinanzierten, preisgünstigen Tickets für alle Berliner:innen ins Gespräch. Eine vom Senat in Auftrag gegebene Studie hatte eine solche Umlage bereits vor zwei Jahren empfohlen, um den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs zu finanzieren. Kritiker lehnen ein solches „Zwangsticket“ ab.

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