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Der Klassiker aus dem Spieleverlag Schmidt "Mensch ärgere Dich nicht" war ursprünglich ein Flop. Foto: imago images/Noah Wedel
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Brettspiele und Puzzles in Corona-Zeiten Hersteller von „Mensch ärgere dich nicht“ hat Grund zur Freude

In der Pandemie beschäftigen sich die Menschen gern mit Gesellschaftsspielen. Davon profitiert auch das Berliner Unternehmen Schmidt Spiele.

„Mensch ärgere dich nicht“ könnte das Leitwort der Saison sein. Das ist aber wohl nicht der Grund, warum das über 100 Jahre alte Spiel gerade neue Popularitätshöhen erreicht. So viel Familie war nie. Wenn der Fernseher leer geguckt ist, bleiben für die langen Lockdown-Abende immer noch Gesellschaftsspiele. Wenig Grund sich zu ärgern, hat derzeit Axel Kaldenhoven.

Der Geschäftsführer des Berliner Unternehmens Schmidt Spiele konnte sich 2020 um eine Umsatzsteigerung um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr freuen. Inklusive der Spielesammlungen verkaufte sich „Mensch ärgere dich nicht“ allein im letzten Jahr über eine Million Mal. 

Rund 63 Millionen Euro betrug der Umsatz des Unternehmens im letzten Jahr, 50 Millionen Euro in Deutschland und 13 Millionen im Ausland. Mit 13 Millionen Euro war die Steigerung bei den Puzzles am signifikantesten, im Vergleich zum Vorjahr lag sie bei 66 Prozent.

Zusammen mit den Spielen konnte Kaldenhoven immerhin zufrieden auf ein Plus von 37 Prozent schauen. Seit zwei Jahren, so berichtete es der Geschäftsführer bei einer Zoom-Konferenz, gehört auch die Marke Selecta zum Unternehmen, die den Markt der Babys und Kleinkinder bis zu 36 Monaten abdeckt.

Die sind natürlich noch zu klein für die 1000-Teile-Puzzles mit Motiven von Thomas Kinkade, dem Maler des Lichts, der unter anderem für Motive aus „Der König der Löwen“ oder „Alice im Wunderland“ bekannt ist und sich während der Pandemie ebenfalls noch mehr zum Verkaufsschlager entwickelt haben. Rund 600 000 solcher Erwachsenen-Puzzles wurden im Corona-Jahr 2020 verkauft. Spiele und Puzzles sorgten nicht nur für Entspannung und Entschleunigung, sagte Kaldenhoven, sie trügen auch zum Familienfrieden bei, indem sie Spannungen mindern und die Langeweile vertreiben. 

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Etwa 800 unterschiedliche Produkte hat das Unternehmen im Angebot, dazu zählen auch Plüschprodukte. Jedes Jahr kommen 150 Neuheiten hinzu, werden andere Proukte aussortiert. „Der Handel hat ja keine Gummiregale“, erklärt Kaldenhoven diesen Wandel. Produziert werden Spiele, die aus Pappe und Papier sind, in Deutschland. Was aus Kunststoff und Plüsch ist, komme aus Fernost oder Slowenien, sagteder 56-Jährige Geschäftführer, dessen persönliches Lieblingsspiel „Quirkle“ heißt. 

Sorgenfresser-Kollektion im Frühjahr

Produktentwickler Bastian Herfurth gab einen Ausblick auf die nächsten Trends. Dazu zählen Wissens- und Kennerspiele. Im Frühjahr etwa kommt das kooperative Familienspiel „Mission ISS“, das in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelt wurde, auf den Markt. Auch mit den farbenfrohen Aktionsspielen „Die Knuffies“ und „ColleXion“ will das Unternehmen seinen guten Lauf fortsetzen. Passend zur Pandemie erweitert der Verlag sein Programm zudem um die neue Sorgenfresser-Kollektion „Ahoi“. 

Die beliebten Kinderspiele „Monsterjäger“ und „Ganz schön clever“ bleiben ebenso im Programm wie das preisgekrönte Spiel „Der Quacksalber von Quedlinburg“, bei dem es um einen Wettstreit von Wunderheilern geht. Eine Kooperation mit dem traditionsreichen Stofftier-Hersteller Steiff ist bereits geplant. 

Derzeit muss vieles noch virtuell stattfinden, aber das bedeutet nicht unbedingt, dass man mit dem Computer spielen muss. Fürs gemeinsame analoge Spiel mit Freunden via Zoom eigneten sich am besten die Roll &Write-Spiele „Noch mal!“, sagte Herfurth, das sind Würfelspiele, bei denen die Teilnehmer jeweils einen Block vor sich liegen haben. 

Am Anfang ein Flop

Von all dem konnte der Erfinder des „Mensch ärgere dich nicht“-Spiels nicht mal träumen. In diesem Jahr soll mit verschiedenen Ausstellungen der 150. Geburtstag von Josef Friedrich Schmidt gefeiert werden, unter anderem in seiner Geburtsstadt Amberg. Seine Nachfahren verkauften den Verlag 1987 nach Berlin.

Am Anfang interessierte sich niemand für „Mensch ärgere dich nicht“. Es ließ sich einfach nicht verkaufen. Also brachte Schmidt es in Lazarette, damit sich die im Ersten Weltkrieg Verwundeten damit ablenken konnten. Dort begann der Siegeszug des Spieleklassikers, der gerade einen neuen Höhenflug feiert. 

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