Ausgetrocknet. In Brandenburg fehlt der Niederschlag. Foto: Ralf Hirschberger/dpa
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Brandenburg Trotz Regens herrscht große Waldbrandgefahr

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Durch die geringen Niederschläge der letzten Monate sind die Böden ausgetrocknet. Besonders der Süden Brandenburgs ist betroffen.

Astrid Hünow schimpft. „Beinahe hätte hier alles gebrannt. Zum Glück bin ich gerade aus dem Haus gekommen, als die Flammen hochschlugen.“ Sie verbringt den Sommer in einer Bungalowsiedlung im Süden Brandenburgs. Ihre Nachbarin hatte den Aschekasten ihres kleinen Kaminofens wie immer in den Komposthaufen entleert. „Die Asche war kalt“, erklärt sie. Doch es muss noch Glut darin gewesen sein. Und die entzündete das noch vom Vorjahr stammende Laub. Noch schneller stiegen die Flammen zu den Kronen der Bäume über dem Komposthaufen hinauf. Nur weil die Frauen rechtzeitig mit Gartenschläuchen zur Stelle waren, griff das Feuer nicht auf den ganzen Wald über.

Solche und ähnliche Geschichten bringen Raimund Engel an den Rand der Verzweiflung. „Viele unterschätzen das Risiko“, sagt er. „Und dieses Jahr ist es besonders schlimm. Derzeit haben wir in allen Landkreisen die Waldbrandwarnstufe 4, die hohe Gefahr bedeutet. In Havelland und Ostprignitz-Ruppin gilt sogar Stufe 5, also sehr hohe Gefahr.“

Der April war einer der trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen

Selbst ein paar Schauer reichen nicht, um etwas an der extremen Trockenheit zu ändern, warnen Experten. Den Grund sehen sie in den geringen Niederschlagsmengen der vergangenen Monate: Im Winter fiel kaum Schnee, auch im März blieben die Niederschläge aus, und der April war einer der trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Das Wasserdefizit ist besonders im Süden des Landes sehr hoch. Und dort stürzten obendrein bei den drei letzten Stürmen Millionen Bäume um. Das mache die Sache nicht besser, sagt Raimund Engel. „Der Klimawandel ist definitiv bei uns angekommen, wir sollten auch deshalb alles daran setzen, den Wald zu erhalten, also großflächig aufforsten, vor allem mit Laubbäumen.“ Die würden eine höhere Luftfeuchtigkeit des Bestands bewirken. Zum Schutz von mehr als einer Million Hektar Wald hat Brandenburg schon vor Jahren das sensorgestützte Waldbrand- Früherkennungssystem „Fire Watch“ eingeführt. Optische Sensoren überwachen die Flächen, in einem halben Dutzend Waldbrandzentralen werden die übertragenen Bilder ausgewertet.

Absolutes Feuerverbot im Abstand von 50 Metern zum Wald

Zusätzlich müssten die Waldbesucher, -anrainer und überhaupt alle Bürger aufmerksamer und rücksichtsvoller werden, sagt Engel: „Derzeit genügt schon ein brennendes Streichholz oder – der Klassiker – die aus dem Autofenster geworfene Zigarettenkippe.“ Ähnliches geschieht regelmäßig bei privaten Feuerwerken oder Schweißarbeiten im Freien. Dabei gilt bei den derzeitigen Warnstufen ein absolutes Feuerverbot im Abstand von 50 Metern zum Wald. Doch nicht jeder Garten, nicht jede Terrasse ist so weit vom Waldrand entfernt. Und so wundert es nicht, dass es seit Jahresbeginn 65 Waldbrände gegeben hat. 23 davon wurden sogar vorsätzlich gelegt.

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