Handarbeit bei BoZz Catering in der Sekundarschule Wilmersdorf. Kai-Uwe Heinrich
© Kai-Uwe Heinrich

„BoZz“ an der Sekundarschule Wilmersdorf Berliner Schüler-Genossenschaft für ihr Catering ausgezeichnet

Die Schüler-Genossenschaft „BoZz“-Catering der Sekundarschule beliefert teilweise prominente Kunden. Jetzt erhielt sie für ihre Arbeit einen Preis.

Sabine Simunovic stiegen Tränen in die Augen. Sie stand gerade in einem Kurs mit Schülern der 9. und 10. Klasse, als sie die Nachricht erhielt: Die Schülergenossenschaft „BoZz Catering“ der Sekundarschule Wilmersdorf ist vom Fachnetzwerk Schülerfirmen der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung als zweitbesten Schülerfirma Deutschlands ausgezeichnet worden. Und Sabine Simunovic ist die leitende Lehrerin dieser Genossenschaft.

Ein Timing wie inszeniert. Als Sabine Simunovic, auch stellvertretende Schulleiterin, Ende September von der Preisverleihung erfuhr, unterrichtete sie gerade das Fach „Schülerfirma Catering“. Also genau die Thematik, für die der Schule beziehungsweise der Schülerfirma die Auszeichnung verliehen worden war.

In der Aula der Schule hat vor kurzem die Preisverleihung stattgefunden, unter anderem mit einem Vertreter der „Märkischen Scholle“, der Partnergenossenschaft von „BoZz“ Catering. 130 Schulen hatten sich um die Preise beworben.
„BoZz Catering“ ist nicht bloß eine der wenigen Genossenschaften in Berlin, die von Schülern geführt wird, sie ist seit ihrer Gründung vor acht Jahren auch eine ideale Plattform, auf der Schüler in Eigenverantwortung vieles lernen: kochen, Rezepte schreiben, Buchhaltung, Kalkulation, Organisation, Kundenbetreuung, Personalführung.

„BoZz“ beliefert Kunden beziehungsweise Veranstaltungen mit Catering, das ist das Geschäftsmodell. Der Weihnachtsmarkt des Bundespräsidenten gehört ebenso dazu wie eine Fachtagung im Oberstufenzentrum Max Taut. Die Landeszentrale für politische Bildung gab ebenso Aufträge an BoZz wie das Abgeordnetenhaus von Berlin und ein Verlag für Fachbücher.

Grundidee ist die größtmögliche Autonomie der Schüler

Derzeit arbeiten 37 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen sieben bis zehn bei BoZz Catering. Es ist ein Wahlpflichtfach, die Klassen sieben bis acht haben wöchentlich vier Stunden, in denen sie Rezepte ausprobieren oder Hygiene-Regeln lernen. Die Klassen neun und zehn haben wöchentlich drei Stunden.

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Grundidee ist die größtmögliche Autonomie der Schüler. Die sollen in möglichst großer Eigenverantwortung arbeiten und lernen, wie man mit Problemen umgeht und Lösungen findet. Deshalb rechnen sie zum Beispiel aus, ob sie für einen Auftrag überhaupt genügend Personal haben oder ob ein Kundenwunsch schlichtweg zu groß für die Möglichkeiten von „BoZz Catering“ ist.

Die Kernarbeit konzentriert sich dabei auf die Schulküche im obersten Stockwerk der Schule. Dort stehen 16 Herdplatten, an denen die Schüler arbeiten. Teamarbeit ist entscheidend. Die älteren BoZz-Mitglieder helfen den jüngeren.

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Weit mehr als 100 Personen kann BoZz versorgen, allerdings ist dann die Auswahl sehr begrenzt. Ein Menü à la carte ist bei dieser Größe nicht mehr drin. Ansonsten im Angebot: Fleisch, Gemüse, selbst gebackenes Brot, Kuchen, Suppen. Natürlich hatte der Lockdown im Frühjahr auch BoZz getroffen. In dieser Phase lebten die Mitglieder ihre Kreativität halt anders aus. Sie überprüften die Texte und das Layout ihres gerade entwickelten Flyers.

Jury beeindruckt von der Teamarbeit

Ellen Wallraff, die Leiterin des Fachnetzwerks Schülerfirmen der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, sagte bei der Preisverleihung im Namen der Jury: „Neben den Einblicken in spannende Aufträge reflektiert ihr in eurem Geschäftsbericht auch euren Umgang mit Herausforderungen, die gemeinsame Teamarbeit und individuelle Lernerfolge. Das zeigt uns als Jury, dass ihr für eure Zukunft viel aus der Schülerfirmenarbeit mitnehmt.“

Sekunden nach der Lehrerin hatte der Kurs die Nachricht von dem Preis erfahren. „Das hat Jubel und einen irrsinnigen Motivationsschub ausgelöst“, sagt Sabine Simunovic. „Wann ist die nächste Mitgliederversammlung?“– „Wie kann ich mich zum Vorstandvorsitzenden von BoZz wählen lassen?“, diese Fragen hätten den Raum erfüllt. Und dann kam aus dem Kurs kollektiv die Botschaft: „Wir müssen jetzt noch mehr Gas geben als bisher.“

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