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Die Preise für Baumaterialien steigen an. Das stellt vor allem für Bauunternehmen ein Problem dar. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
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Bis zu 20 Prozent am Tag Baustoffpreise verteuern Wohnungsbau in Berlin - Mieten könnten steigen

Nicolas Lepartz

Für Holz, Stahlbeton und Dämmstoffe muss immer mehr gezahlt werden. Großhändler in Berlin und Brandenburg geben die Kosten an Bauherren weiter.

Trotz Rekordumsätzen im vergangenen Jahr ist auch das Baugewerbe von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. So sind nach Angaben verschiedener Verbände die Preise für Baumaterialien enorm gestiegen. Bauherren zahlen für Holz heute rund 15 bis 20 Prozent mehr als im vergangenen September.

Die Preise für Betonstahl sind sogar um 30 Prozent gestiegen, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB), Felix Pakleppa kürzlich.

Was für ganz Deutschland und Europa gilt, gilt in diesem Fall auch für die Hauptstadtregion, wie die Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg bestätigt. Normalerweise würden die Lieferanten zu Beginn des Jahres die Preise für Materialien festlegen. Zurzeit änderten sich die Preise aber fast täglich, teilte die Fachgemeinschaft mit. So könne es innerhalb eines Tages zu Preissteigerungen von 20 Prozent kommen.

Das stelle vor allem für die Bauunternehmen ein Problem dar. „Die Bauunternehmen bleiben darauf sitzen, wenn sie die Übernahme der Preissteigerungen nicht vertraglich mit den Bauherren vereinbart haben“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes, Manja Schreiner. Dies könne für die Firmen existenzbedrohend sein.

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Daher empfiehlt die Fachgemeinschaft Bau ihren Mitgliedsfirmen, eine sogenannte Preisgleitklausel mit den Auftraggebern zu verhandeln. Diese werde beispielsweise in der Außenwirtschaft eingesetzt, um Preisänderungen etwa durch Währungsschwankungen auszugleichen. Bisher gebe es solche Preisgleitklauseln in der inländischen Bauwirtschaft aber kaum. Dies sein für Unternehmen ein Problem, da viele aktuelle Aufträge schon vor Monaten beschlossen worden sind.

Laut einer Umfrage des ZDB von Anfang April scheint die Auftragslage je nach Bausparte mehr oder weniger stabil zu sein. Vor allem die Unternehmen im Wohnungsbau (65 Prozent) und Ausbau (53 Prozent) bezeichnen die aktuelle Auftragslage als gut. Nicht ganz so positiv sehen Unternehmen im öffentlichen Hoch- und Straßenbau die Situation. Nur etwa 21 Prozent kommen nach Angaben des ZDB zu einer positiven Bewertung der Auftragslage. Im Wirtschaftsbau sind es ebenfalls weniger als 30 Prozent, die die Lage als gut bewerten.

Hohe Nachfrage im In- und Ausland

Eine gute Auftragslage steigert fast automatisch die hohe Nachfrage nach Baustoffen im In- und Ausland. Sowohl der ZBD als auch die lokale Fachgemeinschaft Bau sehen eine Ursache der Preissteigerung in der anziehenden Konjunktur in China und den Vereinigten Staaten: Die dort steigende Nachfrage sorgt weltweit für Knappheit bei Baumaterialien, darunter auch von Basisstoffen wie Sand. Nicht nur Preise steigen, es gibt auch Lieferschwierigkeiten.

Weißes Gold: Auch die Preise für Dämmstoffe sind stark gestiegen. Foto: imago/Sven Simon Vergrößern
Weißes Gold: Auch die Preise für Dämmstoffe sind stark gestiegen. © imago/Sven Simon

Nach Angabe der Fachgemeinschaft Bau gibt es aktuell auch lange Wartezeiten bei Schiffscontainern. Reeder hatten Transportkapazitäten zu Beginn der Pandemie abgebaut, diese müssen erst wieder gesteigert werden.

Ähnliches hört man auch aus dem Baustoffhandel. Der Deutschland-Marktführer: die dänischen Stark Gruppe. Als Händler sei man abhängig von den Lieferanten und den Preisen. Daher würden die Einflüsse der Pandemie auf die Lieferanten auch für die Händler gelten. Dazu gehören beispielsweise Störungen in den Lieferketten, Versorgungsengpässe bei den Herstellern und eben Preiserhöhungen.

Durch eine hohe Nachfrage seien die Preise sowieso schon gesteigert, dazu kämen jetzt noch die generellen Preisanstiege auf dem Rohstoffmarkt sowie eine internationale Verknappung, heißt es vom Unternehmen. Zu der Stark Deutschland GmbH gehören auch verschiedene Berliner Händler, wie Kluwe, Dämmisol und Raab Karcher.

Die Entwicklung wirkt sich am Ende auch auf den Berliner Immobilienmarkt aus. Besonders für künftige Bauprojekte würden die Preissteigerungen zu höheren Baukosten führen, erklärte der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) auf Nachfrage des Tagesspiegels.

Konkrete Auswirkungen kaum vorhersehbar

Wie hoch die Kostensteigerung ausfallen wird, sei noch nicht bezifferbar. Da Baukosten refinanziert werden müssten, könne sich dies aber auch auf die Mieten bei Neubauten in der Hauptstadtregion auswirken. Diese müssten entsprechend steigender Baukosten nach oben angepasst werden, meint der Verband.

Insbesondere für die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften stelle dies ein Problem dar. Diese seien durch die Kooperationsvereinbarung mit dem Land Berlin beschränkt, da sie die Kostensteigerungen nicht einfach an Mieter weitergeben könnten. Zugleich würden sich die Förderprogramme des Landes nicht schnell genug an die Preisentwicklung anpassen. (mit dpa)

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