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Das Plateau des Parks am Wasserturm. Foto: imago images/Christian Thiel
© imago images/Christian Thiel

„Vor den Rücksichtslosen eingeknickt“ Zoff um neue Gassi-Regel in Berlin-Prenzlauer Berg

Die Entscheidung polarisiert: Hunde dürfen nun von 6 bis 22 Uhr in den Park am Wasserturm. Die Halter sehen einen „Lichtblick“, andere Anwohner greifen das Bezirksamt scharf an.

Gassi-Gehen ist im Park am Wasserturm temporär wieder erlaubt – die Entscheidung des Bezirksamts kam vergangene Woche recht überraschend. Künftig darf „die gesamte Grünanlage einschließlich des Plateaus von 6 bis 22 Uhr für Gassigänge genutzt werden“, so lautet die Neuregelung. Ausgenommen sind nur gekennzeichnete Kinderspielplätze.

Das Echo fällt angesichts des seit Jahrzehnten tobenden Streits geteilt aus. Die Hundehalter begrüßen die neue Regelung. "Na also, geht doch!", sagt Agniezka Klement, die sich vehement für die temporäre Gassi-Regelung eingesetzt hatte.

"Ein Lichtblick für die gemeinsame Nutzung von Parks für alle Menschen - ob mit oder ohne Hund", findet auch Roberto Velaczo Davalos. Durch das gewählte Fenster von 6 bis 22 Uhr "sind auch die Zeiten für Bürotätige abgedeckt, die ihren Hund mit ins Büro nehmen". Die Verbote für Radfahren und Klettern auf den Hängen aufrecht zu erhalten, sei aber richtig, "denn die Bepflanzung nach der Sanierung ist jetzt schon wieder zu bis zu 50 Prozent zerstört".

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Mit „Unverständnis und Verwunderung“ reagiert dagegen Anwohner Andreas Preisner. Er hatte jüngst in der BVV öffentlich vom Bezirksamt gefordert, konsequenter gegen Hunde in der Grünanlage vorzugehen. Preisner kritisiert nun insbesondere den für Grünflächen zuständigen Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn (Grüne). „Die Reichen und Rücksichtslosen haben mal wieder erfolgreich einen öffentlichen Platz okkupiert. Offenbar sind Sie kurz vor der Wahl vor dieser lautstarken Gruppe eingeknickt.“ Kuhns Entscheidung setze sich „über die Belange von allen, die hier wohnen und keinen Hund haben, hinweg“.

Die Freigabe der Parks für Hunde hält auch Anwohner Severin Höhmann "im Hinblick auf den Schutz und die Erhaltung der Grünfläche für unerklärlich". Die Hunde würden "massive Schäden auf Rasenflächen anrichten". Dies sei bereits jetzt durch die illegale Nutzung zu sehen: "Auf dem überwiegenden Teil der vor einigen Jahren erneuerten Rasenfläche wächst kein Grashalm mehr." Höhmann fordert die Rücknahme der Entscheidung und die Wiedereinführung des generellen Hundeverbots.

„Hinterlassenschaften ordentlich entsorgen“

Zukünftig werde der gesamte Park andernfalls „von der Hundelobby noch stärker frequentiert werden", fürchtet Preisner. "Und zwar rund um die Uhr, denn schon heute hält sich niemand an irgendwelche Uhrzeiten oder Regeln wie Leinenpflicht.“ Die Aufenthaltsqualität auf dem Plateau und auch auf dem Kollwitzplatz habe durch die „einseitigen und rücksichtslosen Interessen dieser oftmals zudem sehr wohlhabenden Lobby mit teuren, überzüchteten Rassehunden stark gelitten“, so Preisner weiter.

Mit dem Sieg der Vierbeinerfreunde gehe in jedem Fall auch Verantwortung einher, erinnert Velazco Davalos: "Jetzt kann ich nur alle Hundehalter auffordern, ihre Hinterlassenschaften auch ordentlich zu entsorgen."

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