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Blicke durch den Zaun in den Klosterhof Schloß Glienicke in Berlin-Wannsee. Foto: Jürgen Ritter/Imago
© Jürgen Ritter/Imago

Große Pläne im Südwesten Kultur ist nicht nur Innenstadt

Mit dem Schloss Glienicke will der Südwesten Berlins zum Anlaufpunkt für Kulturinteressierte werden. Das lässt sich auch historisch gut begründen.

Das Schloss Glienicke als „Berliner Eingangsportal für das UNESCO-Welterbe“, wie soeben im Stadtplanungsausschuss Steglitz-Zehlendorf vorgestellt? Ein „begehbares Internetportal“? Der Südwesten der Stadt mit neuem, im Schloss angesiedelten Tourismuszentrum als einer Art Homepage für Berliner Kultur?

Das klingt weit hergeholt, lässt sich aber nicht nur mit der geographischen Lage – zwar Peripherie, doch ebenso Zugang –, sondern auch historisch begründen. „Das kulturelle Leben, das sich früher im Zentrum abgespielt hatte, verteilte sich auf die Gartenstadt-Republiken“, schreibt der Kulturhistoriker Wolfgang Schivelbusch in seinem Buch „Vor dem Vorhang. Das geistige Berlin 1945 bis 1948.“

Auch dass die Alliierten dort residierten, stärkte die Randbezirke kulturell nach dem Krieg. „In behelfsmäßig hergerichteten Sälen und, wenn die Witterung es zuließ, in Gärten und Parks spielten die Ensembles der ausgebombten Theater, Opernhäuser und Konzertsäle; fanden Ausstellungen statt, Vorträge und alles, was einmal haupt städtisches Kulturleben ausgemacht hatte.“

„Ein ,Kunstamt Zehlendorf’ hatte es nie zuvor gegeben", schreibt Schivelbusch weiter. "Im Sommer 1945 wurde es, kaum ins Leben gerufen, zu einer der wichtigsten Kulturinstitutionen.“

Auch der spätere Tagesspiegel-Gründer Walther Karsch war gleich nach dem Krieg beim Bezirksamt tätig. Er organisierte dort Konzerte und Lesungen. Die Publizistin und Schauspielerin Pauline Nardi - die Geschichte des Paares Nardi/Karsch hat der Historiker Andreas Petersen unter der Überschrift "Eine Liebe in Trauma-Deutschland" nachgezeichnet - war zwischenzeitlich Abteilungsleiterin im Kunstamt Zehlendorf.

"Zehlendorfer Plan" gegen Speersche Theatralik

Sogar in innerstädtische Planungen mischte man sich vom Südwesten aus ein. Edwin Redslob, Mitgründer der Freien Universität und des Tagesspiegels, berichtete am 16. Juni 1946 im Tagesspiegel über den "Zehlendorfer Plan" für den Berliner Verkehr (hier nachzulesen).

"Für den Verkehr im Innern wird die theatralische Hauptachse des Hitler-Speerschen Planes aufgegeben, die den Tiergarten zerschnitt und die Linden dem Alltagsverkehr opferte", schreibt Redslob unter anderem und benennt damit einen spannenden Aspekt des Plans (hier illustriert), der dann nicht verwirklicht wurde, aber heute mit seinem Bezug aufs Stadtgrün teils zeitgemäßer wirkt als das, was an "autogerechter Stadt" später tatsächlich kam.

Kulturbezirk Südwest: Historisch unterfüttert wird das Projekt Schloss Glienicke, das Kollege Boris Buchholz hier in seinem Steglitz-Zehlendorf-Newsletter ankündigt, noch überzeugender und einladender – nicht nur für Tourist:innen

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