Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Eine Brücke und ihre kleine Reise durch Berlin. Links in Staaken, rechts am Europacenter. Fotos: Kai-Uwe Heinrich, dpa
© Fotos: Kai-Uwe Heinrich, dpa

Vom Europa-Center zur Heerstraße Die kleine Geschichte einer langen Brücke

Hier der Hahneberg, drüben Heerstraße Nord. Dazwischen eine Brücke, die mal die Tauentzienstraße überspannte. Ein Besuch.

Diese Brücke ist eine kleine Berühmtheit. Und sie hat eine kuriose Geschichte. Es geht um die Fußgängerbrücke, die die Heerstraße tief im Berliner Westen überspannt.

Aber der Reihe nach: Die Brücke ist nicht schön, sie ist auch nicht breit oder hat irgendwelchen Schnick-Schnack zu bieten. Sie steht in Berlin-Spandau, Ortsteil Staaken.

Wer sie besucht, findet keine Gedenktafeln, sondern viel Gestrüpp und hört die Rasenmäher und Kinder in den Lauben um die Ecke.

Und wer auf dieser Brücke steht, hört den Berliner Verkehr, der von Brandenburg nach Berlin rollt. Morgens rein und am Nachmittag wieder zurück.

So wie an diesem Tag, als ich die Brücke für den Spandau-Newsletter des Tagesspiegel besuche, um diese Bilderstrecke zu erstellen. Mich hatten immer wieder Newsletter-Leser darauf angesprochen.

200.000 Abos: unsere Bezirksnewsletter unter leute.tagesspiegel.de

Jetzt kostenlos bestellen

Die Heerstraße unten: 4 Fahrspuren, 50.000 Autos, etliche BVG-Busse - die wichtigste Pendlerstrecke im Westen der Stadt. Aber es gibt nur diese eine Brücke, die über die lange Heerstraße führt.

April 2020. Die Brücke über der Heerstraße. Foto: André Görke Vergrößern
April 2020. Die Brücke über der Heerstraße. © André Görke

Hier noch ein zweites Foto aus dem Frühjahr 2020.

Foto: Vergrößern

Sie verbindet die Neubausiedlung, die den Namen "Heerstraße Nord" trägt, mit dem Grünzug am Hahneberg.

Vorne Heerstraße Nord, dahinter der Rathausturm. Foto: André Görke Vergrößern
Vorne Heerstraße Nord, dahinter der Rathausturm. © André Görke

Der Hahneberg (65 Meter über Heerstraßen-Niveau) wurde in den 70er Jahren aufgeschüttet und ist ein famoser, aber nicht sehr bekannter Fleck am äußersten Stadtrand. Von oben sah man den DDR-Grenzstreifen. Der lag gleich nebenan am Fuß des Berges.

[200.000 Abos, immer konkret - unsere Bezirksnewsletter vom Tagesspiegel. Bezirk für Bezirk unter leute.tagesspiegel.de]

Jetzt kostenlos bestellen

Wer oben steht, kann bis ins Havelland gucken. Und natürlich die US-Abhörstation auf dem Teufelsberg sehen, den Funkturm, den Glockenturm, den Tower vom Flugplatz Gatow, St. Nikolai in der Altstadt, das Herlitz-Werk in Falkensee, den Fernmeldeturm am Schäferberg...

...auf dem Hahneberg ist nur eine kleine Station, die Sternegucker seit den 80er Jahren verzaubert. Herrlich still ist es hier oben, herrlich leer, entspannt - und windig.

April 2020. Oben auf dem Hahneberg mit Sternwarte. Foto: André Görke Vergrößern
April 2020. Oben auf dem Hahneberg mit Sternwarte. © André Görke

Aber zurück zur Brücke, deswegen sind wir mit dem Spandau-Newsletter ja hier: Wer auf ihr steht, kann gleich nebenan die alte Zoll-Baracke der West-Berliner Grenzer sehen.

Der ehemalige Grenzübergang, seit 1991 Künstlertreff. Foto: Kai-Uwe Heinrich Vergrößern
Der ehemalige Grenzübergang, seit 1991 Künstlertreff. © Kai-Uwe Heinrich

Unter der Brücke begann die Grenzanlage der West-Berliner Polizei. In den Ferien staute sich der Verkehr der West-Berliner Autos. Wer nach Hamburg, Sylt, Nordsee wollte oder zur Verwandtschaft im Osten, fuhr hier oft raus. 1990 war Schluss damit. Künstler zogen in die Baracke.

Die Brücke ist eigentlich eine Charlottenburgerin. Sie hängt dort oben in 5,50 Meter Höhe seit 1980 (damals gab's übrigens noch Pflastersteine auf der Heerstraße, wie dieses Tagesspiegel-Foto zeigt).

Ausschnitt im Taggesspiegel, 1980. Screenshot: André Görke Vergrößern
Ausschnitt im Taggesspiegel, 1980. © Screenshot: André Görke

So mancher wird sich erinnern, aber auch gleich ganz schön alt fühlen: Früher war die Brücke nämlich ein wuchtiges Bauwerk, das überm Tauentzien hing - zwischen KaDeWe und Breitscheidplatz. Sie führte von der Marburger Straße direkt ins Europacenter. Baujahr: 1965. Der Zugang zur Brücke war dort, wo früher mal der Imbiss "Schlemmerpylon" stand. Länge: 77 Meter.

Blick aus dem Europacenter 1965 auf die Brücke. Foto: dpa Vergrößern
Blick aus dem Europacenter 1965 auf die Brücke. © dpa
1966. Rechts ist die Brücke zu sehen. Foto: dpa Vergrößern
1966. Rechts ist die Brücke zu sehen. © dpa

Es gab übrigens noch eine zweite Brücke auf der anderen Seite des Europacenters, also auf der Budapester Straße (wo bis 2010 eine blaue Kugel, also das Fernsehstudio von Sabine Christiansen stand). Hier ein Foto von 1965 im Tagesspiegel. Was aus dieser zweiten Brücke wurde, ist mir nicht bekannt.

Die zweite Brücke zum Europacenter - über der Budapester, Anfang der 60er Jahre. Foto: Tagesspiegel Vergrößern
Die zweite Brücke zum Europacenter - über der Budapester, Anfang der 60er Jahre. © Tagesspiegel

Lange hing sie nicht. Sie war ziemlich rutschig (Nässe, Regen, Stahl...) und unbeliebt. Angeblich hatte sie anfangs eine Heizung unterm Boden, damit zumindest das Eis taute.

Newsletter-Leser kramten in alten Akten. Hier eine Grafik aus den 60ern, wo der Standort der Brücke über der Tauentzienstraße eingezeichnet ist. Zur Orientierung: Links oben Breitscheidplatz, dann Europacenter, rechts geht's zum Kadewe.

Foto: Vergrößern

Und ältere Leser berichten, dass Hertha-Fans nach Siegen auf ihr tanzten, bis es schön schaukelte. Und sie lag in der Sichtachse des Boulevards zur Gedächtniskirche, was wiederum andere ärgerte. Vor allem: Treppauf, treppab? Viel mehr Leute gingen einfach über die Straße. Die Brücke wurde ausgehängt und eingelagert.

1965. Blick von der Marburger zum Europacenter mit der Brücke. Foto: dpa Vergrößern
1965. Blick von der Marburger zum Europacenter mit der Brücke. © dpa

Als dann Ende der 70er Jahre der künstliche Hahneberg in Berlin-Spandau fertig war, passte die Brücke perfekt.

April 2020. Der Weg von den Lauben zur Brücke. Foto: André Görke Vergrößern
April 2020. Der Weg von den Lauben zur Brücke. © André Görke

Und so ging die Brücke noch ein zweites Mal auf Reisen und landete am Stadtrand, um das neue Wohngebiet an die Grünanlage anzubinden.

Und hier mal ein kleines Video für Sie.

Der Umzug der Fußgänger-Stahlbrücke 1980 kostete laut Tagesspiegel-Archiv übrigens 800.000 D-Mark.

Foto: Andre Görke Vergrößern
© Andre Görke

Blick nach Osten, also Richtung Berliner Innenstadt. Unten die BVG-Haltestelle Reimerweg. Ich stehe auf der Brücke.

Foto: André Görke Vergrößern
© André Görke

Und am Hahneberg hängt heute nicht nur die Brücke ganz gerne rum.

Foto: André Görke Vergrößern
© André Görke

+++
Mehr aus Spandau? Gerne. Meinen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau (und die aus den anderen 11 Bezirken) gibt es unter leute.tagesspiegel.de - in voller Länge und kostenlos.

200.000 Abos haben unsere Bezirksnewsletter schon und es werden immer mehr Leserinnen und Leser. Vielen Dank für Ihr Vertrauen.

Haben Sie Fotos vom Bau des Hahnebergs? Ich sammele Bilder und Erinnerungen für eine neue Bilderstrecke im Spandau-Newsletter.

Jetzt kostenlos bestellen

+++
Meine Themen im Newsletter sind zum Beispiel diese

  • Wegen Corona: Weihnachtsmarkt auf der Kippe?
  • Vom Europacenter nach Staaken: die Brücke am Hahneberg
  • Pop-up-Busspur auf der Heerstraße? Ihre Ideen, bitte!
  • „Zum Glück war kurz Feuerpause“: Leserinnen und Leser erinnern sich ans Kriegsende in Spandau
  • Badespaß am See? Die Leiterin des Gesundheitsamtes über Corona, Chlor und Masken in der Hitze
  • FDP fordert digitale BVV
  • Tipp: Wiener vom Bauernhof an den Rieselfeldern
  • Knöllchen für Kids: Wer kontrolliert die Spielplätze?
  • 250.000 Besucher: Aber wo, bitte, geht’s zum Luftwaffenmuseum?
  • Welcher Ortsteil ist in zehn Jahren geschrumpft? Die Spandau-Statistik
  • Unbedingt angucken: Irre Bilder in der Zitadelle entdeckt
  • Kladow, deine Bauernsiedlung
  • Ansegeln ohne Party – und wann ist Absegeln?
  • Spaki verliert Promi-Mannschaft
  • Erste Infos zur BVV: So geht es im Rathaus jetzt weiter
  • …und noch viel mehr Nachrichten, Ideen und Themen aus Ihrem Kiez. Immer in voller Länge im Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel. Den gibt es von mir hier: leute.tagesspiegel.de
Zur Startseite