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Eines der Wahrzeichen: die Marzahner Windmühle entstand 1994 als Nachbau. Foto: dpa
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Sorgen ums Berliner Wahrzeichen Will denn keiner Müller in Marzahn werden?

Wahrzeichen seit 1994: die Bockwindmühle im alten Dorfkern. Doch seit einem Jahr geht es rauf und runter. Das Problem steht oben auf der Rathaus-Agenda.

Wie geht's denn nun weiter mit der beliebten Bockwindmühle in Berlin-Marzahn? Jetzt gab es sogar eine Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses, in dem das Wahrzeichen im Mittelpunkt stand. Darüber berichtet der Tagesspiegel-Newsletter für Marzahn-Hellersdorf in seiner aktuellen Ausgabe.

„Die Schwierigkeit ist nicht, einen Müller zu finden, sondern den einen Müller“, erklärte CDU-Bezirksstadträtin Nadja Zivkovic bei einer Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses. Laut Zivkovic sucht man vor Ort nach einer eierlegenden Wollmilchsau, denn neben den handwerklichen Aufgaben muss der oder die zukünftige Müllerin oder Müller auch das Marzahner Wahrzeichen darstellen und repräsentieren können. In einer Drucksache hatte die CDU-Fraktion deshalb das Bezirksamt um zusätzliche 20.000 Euro pro Jahr für die Finanzierung der Stelle gebeten. Laut Zivkovic gibt es aktuell eine Handvoll vielversprechender Kandidat*innen.

Die Linksfraktion hatte die Sondersitzung einberufen, um sich bei Zivkovic über den aktuellen Sachstand bei der Stellensuche, den Betrieb der Mühle sowie die Arbeitsbedingungen zu informieren.

Seit einem Jahr geht es vor Ort auf und ab. Anfang des Jahres war die letzte Müllerin nach nur knapp zwei Wochen wieder gegangen. Ihr Vorgänger hatte nach der Probezeit gekündigt. Aktuell ist das Dreiergespann, bestehend aus dem Mühlenverein, dem Bezirksamt und der Agrarbörse Deutschland-Ost e.V./Tierhof Alt-Marzahn, auf der Suche nach einer bzw. einem geeigneten Kandidat*in. Die Konstellation wirft bei der Linksfraktion Fragen auf.

 „Liegt die Stelle noch beim Bezirksamt?“, will Hilka Ehlert (Linke) wissen. Ja, die Stelle liegt bei der Wirtschaftsförderung, erklärt Zivkovic. Auch die Mühle gehört dem Bezirksamt. Bereits Anfang des vergangenen Jahres hatte das Bezirksamt jedoch die Agrarbörse mit dem Betrieb und der Einstellung Müller beauftragt. Die Agrarbörse stellt demnach den oder die zukünftige*n Müller*in ein und ist ihm bzw. ihr weisungsbefugt. Die Personalmittel hinter der Stelle werden in Absprache mit Bezirksbürger*innenmeisterin Dagmar Pohle (Linke) als Sachmittel der Agrarbörse bereitgestellt. Ein Vorgang, der im Ausschuss auf Kritik und Unverständnis stößt.

Links Platte, vorn die Mühle: faszinierende Marzahner Perspektiven. Foto: dpa Vergrößern
Links Platte, vorn die Mühle: faszinierende Marzahner Perspektiven. © dpa

„Nichts gegen die Agrarbörse, aber vielleicht würde eine Stelle im öffentlichen Dienst für Bewerber interessanter klingen“, sagt Ehlert. Sie und Bjoern Tielebein, Fraktionsvorsitzender der Linken, halten die Zuordnung der Stelle an die Agrarbörse perspektivisch für keine gute Idee. Auch, dass die ehemalige Dienstwohnung für die Stelle der Agrarbörse übergeben wurde, stößt bei Tielebein auf Unverständnis.

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Für Zivkovic ist die Sache ganz klar. „Inhaltlich und örtlich ist der Müller näher an der Agrarbörse als an der Wirtschaftsförderung“, argumentiert die Bezirksstadträtin. Zudem verweist sie auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Agrarbörse und die Unterstützung durch die Wirtschaftsförderung. Was die Wohnung betrifft, so sei laut Zivkovic fragwürdig gewesen, ob das Objekt wirklich als solche nutzbar gewesen sei. Die Räumlichkeiten hätte dafür wahrscheinlich renoviert werden müssen. Inzwischen hat die Agrarbörse dort ein Büro eingerichtet. „Es gibt dort aber auch ein Büro und einen Schulungsraum für den zukünftigen Müller“, sagt Andreas Plank, Geschäftsleiter der Agrarbörse.

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Aus der Drohnenperspektive. Und wer im Stadtplan sucht: "Hinter der Mühle 4".   Foto: dpa Vergrößern
Aus der Drohnenperspektive. Und wer im Stadtplan sucht: "Hinter der Mühle 4".   © dpa

Für die Linksfraktion bleibt die Frage, warum die schlechte Bezahlung nicht schon früher bedacht wurde. Tielebein spekuliert, die CDU hätte ihren Antrag nur aufgrund der gestiegenen Aufmerksamkeit für die Sache gestellt. Zivkovic hält dagegen, dass man erst im Bewerbungsverfahren gemerkt habe, dass die Bewerber*innen von den umfangreichen Aufgaben abgeschreckt werden. Deshalb habe die CDU den Antrag für eine Aufwertung der Sachmittel gestellt, um die Stelle attraktiver zu gestalten. Der Ausschuss stimmte am Ende jedoch für eine Umformulierung des Antrags.

Auf Vorschlag der Linksfraktion wird die BVV nun ersucht, Maßnahmen zu ergreifen, um den Betrieb der Marzahner Mühle mit einer angemessenen Bezahlung einer Müllerin bzw. eines Müllers sicher zu stellen. Eine konkrete Summe wird nicht mehr genannt. Der neue Antrag soll umfassendere Maßnahmen ermöglichen. Das Thema geht damit in die nächste Runde.

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