Neuer Name gesucht. So präsentiert sich die Rudolf-Dörrier-Schule im Internet - noch. Foto: Screenshot: Tsp
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Namensgeber war SS-Mann Rudolf-Dörrier-Grundschule in Berlin-Pankow stimmt für Umbenennung

Die Schule in Pankow zieht Konsequenzen aus der Nazi-Vergangenheit des Historikers. Als Bundesverdienstkreuzträger wird Dörrier aber nicht gestrichen.

Die nach dem Bundesverdienstkreuzträger Rudolf Dörrier benannte Grundschule in Pankow wird sich umbenennen. Ende vergangener Woche fasste die Schulkonferenz, in der Schulleitung, Lehrer und Eltern vertreten sind, einen entsprechenden Beschluss.

Hintergrund sind neue Erkenntnisse über den preisgekrönten Historiker. Dörrier hatte sich stets als Antifaschist inszeniert, doch der Historiker Harry Waibel fand 2017 heraus, dass er tatsächlich ab 1944 als SS-Unterscharführer im Konzentrationslager Sachsenhausen tätig war. Das Bundesverdienstkreuz wird Dörrier jedoch nicht entzogen.

Dörrier war in Pankow zeitlebens höchst anerkannt unter anderem als langjähriger Leiter der Bezirksbibliotheken und Gründer der „Chronik Pankow“, aus der das heutige Museum Pankow hervorging. Er erhielt dafür zu DDR-Zeiten die „Johannes-R.-Becher“-Medaille in Gold, nach der Wende das Bundesverdienstkreuz und die „Ehrenmedaille für Verdienste um den Bezirk Pankow“. Zwei Jahre nach seinem Tod wurde 2004 die Rosenthaler Grundschule nach ihm benannt.

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Nach Waibels Enthüllungen informierte Sarah Neumeyer als Mutter eines Schulkindes 2018 die Schulleitung. An den weiteren Nachforschungen beteiligte sich auch das Museum Pankow. Dessen heutiger Leiter Bernt Roder fand in einem bislang unerschlossenen Nachlass im Bundesarchiv ein Selbstzeugnis Dörriers von 1946. Darin berichtet er detailliert über seine Zeit als SS-Mann in Sachsenhausen, die er ansonsten stets verheimlich hatte.

Die Schulkonferenz trug dem nach intensiven Debatten nun Rechnung und fasste den Beschluss zur Umbenennung. Allerdings kann dieser formal erst umgesetzt werden, wenn der Prozess zur Findung eines neuen Namens durchgeführt wurde. Denn eine Schule darf nicht namenlos sein.

Verdienstkreuz kann nicht posthum entzogen werden

Aus der Liste der Bundesverdienstkreuzträger wird Dörrier dagegen nicht gestrichen. Zwar könne die Auszeichnung entzogen werden, „wenn sich ein Beliehener durch sein Verhalten der verliehenen Auszeichnung unwürdig erweist oder ein solches Verhalten nachträglich bekannt wird“, teilte das für die Verleihung zuständige Bundespräsidialamt auf Nachfrage mit.

Eine Ordensentziehung sei jedoch nur zu Lebzeiten des Ordensträgers möglich – „weil die Rechte, die sich aus der Auszeichnung mit dem Verdienstorden ergeben, mit dem Tod des Ordensträgers bereits erloschen sind“.

Auch der Bezirk Pankow wird sich noch mit der Frage beschäftigen müssen, wie man künftig mit Rudolf Dörrier verfährt. Er wurde 2002 auf dem Ehrenhain des Friedhofs 3 beigesetzt und wird seitdem mit einer Gedenktafel im öffentlichen Raum als „verdienstvoller Gründer und Leiter der Stadtbezirks-Chronik von Pankow“ geehrt. Sie befindet sich an seinem ehemaligen Wohnhaus in der Hiddenseestraße.

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