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Auch durch ihr Engagement hält der Kiez zusammen: Pfarrerin Schönfeld aus dem Falkenhagener Feld Fotos: privat
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Corona, TXL und eine Kirche in Flammen Was für ein Jahr für diese Berliner Gemeinde

„Wir waren ständig unter Spannung“: Hier schreibt die Pfarrerin einer ganz besonderen Gemeinde aus Berlin-Spandau über Weihnachten – und möchte Mut machen.

Ihre Kirche stand in diesem Jahr in Flammen. Sie hat Temperament, kann mitreißen und wunderbar berlinern, wenn sie möchte („Na, ick bin in Berlin jeborn!“). Ihr Name: Axinia Schönfeld. 

Seit März 2019 ist sie Pfarrerin an der evangelischen Zuflucht-und-Jeremia-Kirchengemeinde im Falkenhagener Feld. Im Herbst musste sie ihre Gemeinde und ihren Kiez trösten, als auf der Kirchen-Baustelle Feuer ausbrach. Ob sie in diesem Jahr die kleine Weihnachtsansprache im Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau schreiben wolle? Axinia Schönfeld rief sofort zurück und sagte zu.

Sie ist Jazzsängerin und Pianistin, Theologin und Philologin. Ihr Weg zum Pfarramt war ein etwas längerer. So studierte sie nach ihrer Tätigkeit als freischaffende Musikerin evangelische Theologie und Klassische Philologie an der Humboldt-Uni. Dann war sie Vikarin in der Heilig Kreuz-Passions-Kirchengemeinde in Kreuzberg, später Pfarrerin in der Kirchengemeinde Tiergarten und als Referentin der Generalsuperintendentin von Berlin Ulrike Trautwein tätig. Jetzt also Spandau.

„Was für ein Jahr – für uns hier in der evangelischen Zuflucht-und-Jeremia Kirchengemeinde in Spandau. Das enge Leben im Interim der Zufluchtkirche mit Gemeinde und zwei Kitas, ferner die Dauerbaustelle in der Jeremiakirche. Dann Corona. Dann der Dachbrand in der Jeremia-Kirche. Dann die Schließung des Flughafens Berlin-Tegel.

Der Fluglärm ist zwar jetzt weg. Aber wir fühlen auch die Angst der Menschen im Falkenhagener Feld: Was, wenn die Wohngegend hier jetzt viel teurer wird? Irgendwie sind wir ständig unter Spannung in diesem Jahr in unserer Gemeinde.

So sieht es im Innern der Kirche nach dem Feuer aus. Foto: Peters/Kirche Vergrößern
So sieht es im Innern der Kirche nach dem Feuer aus. © Peters/Kirche

Dennoch haben wir unsere ganzen Kräfte zusammengenommen und nie aufgegeben. Vor allem unsere Ehrenamtlichen machten an Gemeindeveranstaltungen möglich, was möglich zu machen war. Und es scheint, gerade im Advent haben alle wieder mehr zu sich und zueinander gefunden.

[Diese Weihnachtsansprache schrieb sie für den Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel. Den gibt es kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de]

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Wir leben unsere guten alten christlichen Traditionen. Denn sie geben uns Halt, und sie verbinden uns. So haben wir gemeinsam unseren großen Adventskranz geschmückt. Wir haben den Lebendigen Adventskalender wieder belebt. Wir haben tolle Gottesdienste gefeiert: Adventsgottesdienst mit dem Ensemble Art d’Echo, Jazz-Gottesdienst mit Axinia und Friedhelm Schönfeld. Und wir haben unsere Zeder draußen auf dem Westerwaldplatz prächtig adventlich geschmückt.

Und jetzt – blicken wir voller Freude auf Weihnachten. Die Aufstellung von Christbaum und Krippe haben wir mit besonderer Sorgfalt geplant. Und unsere Herzen schlagen jetzt ruhiger. Denn Weihnachten ist immer, besonders in diesem Jahr, ein Fest der Hoffnung auf das Licht, das die Finsternis erleuchtet. Und ein ganz kleines Stück können wir dieses Licht schon sehen: Denn langsam lichtet sich die Baustelle der Jeremiakirche.

Nach dem Feuer. Das Dach der Kirche, vorn die Feuerwehr. Foto: Peters/Kirche Vergrößern
Nach dem Feuer. Das Dach der Kirche, vorn die Feuerwehr. © Peters/Kirche

Und wir hoffen, dass die Bauarbeiten bald weitergehen und wir im Herbst 2021 dort einziehen können. Ferner gibt es schon einen Impfstoff. Trotzdem wissen wir, dass die Zeit aktuell für alle sehr belastend ist.

Aber wir wissen auch, dass wir an die denken müssen, die jetzt in den Krankenhäusern unseres Landes Unglaubliches leisten, und an die, die besonders gefährdet sind. Vielleicht fällt es uns dann leichter, uns Weihnachten im Kleinen ins Familiäre zurückzuziehen.

Die Pfarrerin (Bildmitte) eilte zu ihrer Kirche und schaute sich die Schäden an. Foto: Laug/Kirche Vergrößern
Die Pfarrerin (Bildmitte) eilte zu ihrer Kirche und schaute sich die Schäden an. © Laug/Kirche

Und wenn das Leben wieder normaler wird, vielleicht sehen wir uns ja dann mal bei uns im Gottesdienst oder bei einer unserer Gemeindeveranstaltungen. Bis dahin halten Sie gut durch, und bleiben Sie gesund!

Ein gesegnetes Fest und ein viel besseres Jahr 2021 wünscht Ihnen von Herzen Pfarrerin Axinia Schönfeld.“ Die Kirchengemeinde finden Sie im Netz unter zuflucht-jeremia-gemeinde.de.

[Dieser Text erschien zuerst im Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel. 235.000 Abos, 12 Bezirke, 12 Tagesspiegel-Newsletter - suchen Sie sich "Ihren" Bezirk einfach aus! Kostenlos unter leute.tagesspiegel.de]

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