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Inge Deutschkron liest ihre Rede "Zerrissenes Leben", die sie zum Holocaust-Gedenktag 2013 im Bundestag hielt, im Abgeordnetenbüro von Franziska Becker (SPD) in Berlin-Wilmersdorf. Foto: Hendrik Lehmann
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Holocaust-Gedenken im Video Inge Deutschkron liest ihre Bundestagsrede im Berliner Kiez

Die Holocaust-Überlebende und Autorin Inge Deutschkron ist mit 99 Jahren gestorben. Hier noch einmal Text und Video von 2014 zu einer Lesung ihrer Bundestagsrede.

"Nichts konnte darüber hinwegtäuschen, dass die Lage der Juden von Berlin immer kritischer wurde", sagt Inge Deutschkron, Autorin des autobiographischen Buchs "Ich trug den gelben Stern", in ihrer bewegenden Rede, die sie zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus 2013 im Bundestag hielt.

"Fast täglich gab die Regierung neue Gesetze, neue Vorschriften, neue Verbote für Juden bekannt, nach denen wir leben mussten. In ein so genanntes 'Judenhaus' eingewiesen, mussten sich immer zwei Personen ein Zimmer teilen. Um unsere Ausgrenzung perfekt zu machen, wurden die Telefonkabel durchschnitten, nahm man uns die Radioapparate weg."

Das "Judenhaus", von dem Inge Deutschkron spricht, stand in der Bamberger Straße an der Ecke Güntzelstraße, im Bayerischen Viertel, dem jüdisch geprägten Berliner Kiez, in dem die Geschichte der Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung der Juden durch die "Orte des Erinnerns", durch die Ausstellungen im Café Haberland und im Rathaus Schöneberg sowie nicht zuletzt durch die vielen Stolpersteine gegenwärtig ist.

Inge Deutschkron hat das, was für die meisten von uns Geschichte ist, als junge Frau selbst erleben müssen. In ihrer Rede beschreibt sie die alltäglichen Drangsalierungen, die Renata Stih und Frieder Schnock in ihrem dezentralen Kunstwerk "Orte des Erinnerns" aufgegriffen haben: "Der Gang zum Friseur wurde verboten, sowie das Waschen unserer Wäsche in einem Salon. Seife durfte uns nicht verkauft werden. Auch Eier und Kuchen nicht. Das Einkaufen der wenigen uns zugeteilten Lebensmittel war nur zwischen 16 und 17 Uhr erlaubt. Besuche von Kulturstätten waren Juden als erstes untersagt worden: es schloss den Spaziergang 'im Grünen' ein. Haustiere wurden Opfer der angeblichen 'Rasse ihrer Herrchen'. Ach, es muss zu jener Zeit eine Riege von Unmenschen im Reichsinnenministerium beschäftigt worden sein, deren einzige Aufgabe es war, darüber nachzudenken, wie man Leben zur Qual macht."

Inge Deutschkron überlebte den Holocaust, untergetaucht in Berlin und Brandenburg, mit Glück, durch ihren Lebenswillen und mit Hilfe von Menschen, die sich der Nazi-Ideologie nicht unterwerfen wollten und es auch als einen Akt des Widerstands empfanden, den Ausgegrenzten und mit dem Tode Bedrohten zu helfen.

Es waren viel zu wenige Menschen, die halfen, das klingt in Inge Deutschkrons Büchern wie in ihrer Rede immer wieder an. Auch über die Zeit nach 1945, in der von ihr als Jüdin verlangt wurde, sich doch nicht so zu haben und endlich zu vergeben, findet sie deutliche Worte.

Ihre Rede aus dem Bundestag hat Inge Deutschkron noch einmal vorgetragen, mitten im Berliner Kiez, im Wilmersdorfer Abgeordnetenbüro von Franziska Becker (SPD). Hier dazu das Video-Dokument, die Lesung in voller Länge:

[Berliner Geschichte und das Gedenken an den Holocaust ist auch immer wieder Thema in unseren Bezirksnewslettern.]

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