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So sauber wie 2020 war die Luft in Berlin seit Beginn der Schadstoffmessungen nicht. Foto: imago/Frank Sorge
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Beste Werte seit Messungsbeginn Berliner Luft ist weniger dreckig

Die Luft in Berlin war 2020 so sauber wie nie seit Beginn der Messungen. Doch um künftige Grenzwerte einzuhalten, dürften schärfere Regeln nötig sein.

Die Luftqualität in Berlin hat sich im vergangenen Jahr deutlich verbessert. Das geht aus dem Jahresbericht zur Luftgüte hervor, den die zuständige Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz am Freitag veröffentlicht hat.

Demnach ist die Belastung durch Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub 2020 in Berlin erneut stark zurückgegangen. Für beide Schadstoffe wurden die niedrigsten Immissionsbelastungen seit Beginn der Messungen im Berliner Luftgütemessnetz festgestellt, teilte die Umweltverwaltung mit.

Bis zum Jahr 2019 wurde der Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Außenluft im Jahresmittel an Berliner Hauptverkehrsstraßen meist deutlich überschritten. Nachdem bereits 2019 eine erhebliche Reduktion festgestellt wurde, sank die NO2-Belastung an den sechs Containermessstellen an Straßen von 2019 auf 2020 im Mittel um weitere 16 Prozent (6 Mikrogramm). An den Passivsammlermessstellen, deren Auswertung zweiwöchentlich im Labor vorgenommen wird, gingen die Werte um 18 Prozent (7 Mikrogramm) zurück.

Der höchste Rückgang wurde mit bis zu 15 Mikrogramm in der Leipziger Straße festgestellt. Damit wurde nun erstmals in Berlin der Grenzwert für das NO2-Jahresmittel flächendeckend eingehalten, teilte die Umweltverwaltung mit.

Die Ergebnisse bestätigen damit die vorläufigen Daten zur Luftgüte, auf deren Grundlage im Mai dieses Jahres bereits die Aufhebung einiger Durchfahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge umgesetzt wurde.

Auch der Lockdown trug zur Verringerung der Luftbelastung bei

Die Entwicklung verdeutliche, dass im Rahmen der Berliner Luftreinhalteplanung wirkungsvolle Maßnahmen umgesetzt werden konnten, hieß es von der Umweltverwaltung. Dabei liege der Fokus darauf, den motorisierten Verkehr in der Innenstadt sauberer zu machen sowie mengenmäßig zu verringern.

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Maßnahmen dazu seien die laufende Elektrifizierung der BVG-Busflotte, Tempo-30-Anordnungen sowie Durchfahrverbote für Diesel-Pkw bis einschließlich der Norm Euro 5. Anteil an der Verbesserung der Luftqualität habe demnach jedoch auch die generelle Erneuerung der Kfz-Flotten mit einem häufigeren Einsatz modernerer Dieselfahrzeuge.

Auch der Corona-Lockdown und der damit einhergehende Verkehrsrückgang haben 2020 zur Verringerung der Luftbelastung beigetragen. Den dadurch resultierenden Rückgang der NO2-Belastung an verkehrsnahen Messstellen im ersten Lockdown im März und April schätzt die Umweltverwaltung auf mindestens 15 Prozent. Denn rund die Hälfte der NO2-Belastung in Berlin ist auf den Kfz-Verkehr an Hauptstraßen zurückzuführen.

Vier Dieselfahrverbotszonen wurden wieder aufgehoben

Das vergangene Jahr war dadurch möglicherweise ein Ausreißer nach unten. Es könne jedenfalls nicht ausgeschlossen werden, dass die Stickstoffdioxid-Grenzwerte künftig wieder überschritten werden, hieß es von der Umweltverwaltung. Die bereits eingeleiteten Maßnahmen müssten daher „weiterverfolgt und qualifiziert werden“.

An den Straßenabschnitten, wo die Diesel-Fahrverbote bereits wieder aufgehoben wurden – an der Brückenstraße, der Friedrichstraße, der Reinhardtstraße und der Stromstraße – war der Rückgang auf unter 30 Mikrogramm im Jahresdurchschnitt allerdings sehr deutlich. Die Umweltverwaltung rechnet daher auch nach der erfolgten Aufhebung nicht damit, die Grenzwerte dort erneut zu überschreiten.

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Positiv ist die Entwicklung auch bei der Feinstaubbelastung. Die EU-weiten Grenzwerte werden in Berlin schon seit 2015 flächendeckend eingehalten. Im Jahr 2020 konnte aber im zweiten Jahr in Folge auch für diesen Schadstoff die Belastung nochmals stark verringert werden.

Der Feinstaub in Berlin stammt etwa aus Kraftwerken und Industrieanlagen und wird teils aus Hunderten Kilometern Entfernung herübergeweht. Immerhin ein Viertel findet seine Ursache jedoch im städtischen Verkehr. Anders als bei Stickoxiden ist es in dem Fall kein reines Diesel-Problem. Jeder Reifen- und Bremsabrieb trägt zur Emission bei. Je weniger Autos fahren, desto geringer fallen grundsätzlich auch die Werte aus.

Künftig dürften in Berlin deutlich weitreichendere Maßnahmen zur Luftreinhaltung nötig sein. Denn die WHO hat im vergangenen Jahr die empfohlenen Luftgütewerte für ultrafeinen Staub und Stickstoffdioxid deutlich verschärft.

Es gilt als wahrscheinlich, dass die EU wie in der Vergangenheit künftig ihre Grenzwerte daran orientieren dürfte. Berlin würde diese in Bezug auf Feinstaub an 106 Tagen im Jahr überschreiten. Bei Stickstoffdioxiden läge die Hauptstadt derzeit gar an 290 Tagen über den Vorgaben.

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