In der Köpenicker Klinik warten mehrere China-Rückkehrer darauf, aus der Quarantäne entlassen zu werden. Foto: John MacDougall/AFP
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Beschwerden über Coronavirus-Quarantäne in Köpenick DRK reagiert auf Vorwürfe und gesteht Probleme ein

China-Rückkehrer haben sich über die Zustände auf der Coronavirus-Quarantäne-Station beschwert. Das Rote Kreuz spricht von „Anlaufschwierigkeiten“.

Nur zwei Toiletten für 20 Menschen, Krankenhausessen, Duschen auf dem Hof, karg eingerichtete Zimmer, Ausgang nur in Begleitung. Die temporäre Unterkunft für die nach Deutschland ausgeflogenen Rückkehrer aus der von der neuartigen Virus-Epidemie betroffenen chinesischen Region Wuhan ist nicht gerade gemütlich. Darüber hatten sich einige Bewohner via Bild-Zeitung beschwert.

Von „Gefängnis“ war die Rede, fehlender Privatsphäre und unzureichender Hygiene. In einem Brief an die Berliner Gesundheits-Senatorin Dilek Kalayci hatte ein Angehöriger die Kritik zusammengefasst, Kalaycis Staatssekretär machte sich auf den Weg nach Köpenick und beriet sich mit den Mitarbeitern des DRK-Klinikums, was nun zu tun sei.

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Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) gesteht Probleme bei der Unterbringung der Menschen ein. Man habe das Krankenhaus innerhalb von zwei Tagen für die Umstände herrichten müssen. „Anlaufschwierigkeiten ließen sich dabei leider nicht vermeiden“, heißt es in einer Stellungnahme.

Dolmetscher, chinesisches Essen und Tablets

Das Grundproblem war laut DRK-Sprecher Dieter Schütz, dass anfangs niemand ahnte, dass die 20 Rückkehrer überwiegend aus China stammen, darunter einige Ehefrauen deutscher Mitarbeiter und chinesische Mitarbeiter deutscher Firmen. Darum gab es Sprachbarrieren.

Hintergrund über das Coronavirus:

Ein Dolmetscher war inzwischen in dem Gebäude, um mit den Bewohnern zu reden. „Er wird sie auch weiter besuchen, um die Wünsche und Bedürfnisse der chinesischen Gäste aufzunehmen“, heißt es in einer Stellungnahme des DRK. Ein chinesischer Caterer wurde angeheuert, um das Essensangebot zu erweitern. „Die DRK-Einsatzkräfte bereiten das Essen auf Wunsch der Gäste zu und stellen es auf einen Tisch vor den Zimmern.“ Weil die installierten Fernseher nur deutsche Programme empfangen, hat das DRK 20 Tablets verteilt, mit Zugang zu chinesischen Programmen.

Verbesserungen für die Patienten angekündigt

Auch bei den Toiletten will das DRK nachrüsten. Im Haus, also auf der dritten Etage, die für die Bewohner hergerichtet wurde, befänden sich zwei Toiletten auf dem Flur sowie drei „mobile Toiletten“ in den Zimmern. Im Hof gebe es einen Sanitärcontainer mit Duschen, vier weiteren WCs und Pissoirs. Neun weitere Toiletten sollen noch am Freitag im Hof aufgestellt werden, sagte der Sprecher.

„Zudem wurden in den Containern inzwischen Heizungen installiert sowie ein überdachter Übergang zwischen Containern und Gebäude aufgebaut, um die Gäste vor Regen und Kälte zu schützen.“ Damit die strengen Hygienevorschriften eingehalten werden, würden die Gäste in den Sanitärcontainer begleitet. Im Hof des Gebäudes dürften sie aber jederzeit frische Luft schnappen – ohne Begleitung.
Das DRK hatte das Gebäude der Bundesregierung angeboten, sagte Sprecher Schütz. Der Amtsarzt von Treptow-Köpenick habe es dann für geeignet befunden. Er bestimme auch, wann die Quarantäne aufgehoben werden kann. Alle vier Tage würden die 20 Bewohner auf den Virus getestet, zuletzt am Donnerstag.

Bislang wurde keine Infektion festgestellt. Sollte das so bleiben, können die Bewohner voraussichtlich am kommenden Wochenende (22./23. Februar) die Isolierstation verlassen. Hat sich doch jemand infiziert, wird er in die Charité verlegt, die Quarantäne für alle anderen könnte dann noch länger dauern. Entscheiden müsse letztlich der Amtsarzt, sagte Schütz.

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