Wer nicht mehr weiter weiß, kann das „Corona-Seelsorgetelefon" anrufen (Symbolbild). inkje / Photocase
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Berlinweite Kampagne Kirchen werben für Corona-Seelsorge

Das ökomenische Seelsorge-Telefon bietet Gesprächssuchenden ein offenes Ohr. Viele Anrufende kämpfen mit wachsender Existenznot oder Einsamkeit.

Mit insgesamt 1.500 Plakaten in BVG-Wartehäuschen in ganz Berlin wollen die beiden großen Kirchen und die Wall AG ab Montag für das ökumenische „Corona-Seelsorgetelefon” werben. Unter der Telefonnummer (030) 403 665 885 stehen täglich von 8 bis 24 Uhr Ehrenamtliche für Menschen, die an Corona erkrankt sind, in Quarantäne leben oder sich Sorgen um einen Angehörigen oder ihre berufliche Existenz machen, zum Gespräch bereit.

Die ersten Plakate wollen der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, und der katholische Erzbischof Heiner Koch am Montag selbst im Wartehäuschen an der St. Marien-Kirche am Alexanderplatz anbringen. Neben den Plakaten sollen zudem 24.000 Gratispostkarten in Berliner Restaurants und Kneipen auf das Projekt aufmerksam machen.

Das Corona-Seelsorgetelefon ist ein gemeinsames Projekt des Erzbistums Berlin, der Landeskirche EKBO, von Diakonie und Caritas. Die Senatsverwaltung für Gesundheit unterstützt das Angebot bis zum Jahresende mit 65.000 Euro.

Derzeit teilen sich rund 70 ausgebildete ehrenamtlich Mitarbeitende die täglichen Schichten von 8 bis 24 Uhr. Bis zu fünf Seelsorger sind dabei gleichzeitig am Telefon erreichbar. Alle ihre Gespräche unterliegen dem Seelsorgegeheimnis und dem Beichtgeheimnis.

Wie die beiden Kirchen in der letzten Woche mitteilten, gingen bei der Hotline bis Ende Juli fast 1500 Anrufe ein. Die durchschnittliche Gesprächsdauer lag bei 24 Minuten.

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Aktuell sinkt nach Angaben der beiden großen Kirchen die Zahl der Anrufenden, dafür nehme die Länge der einzelnen Gespräche deutlich zu. Viele der Anrufenden hätten Angst vor einem zweiten Lockdown, kämpfen mit wachsender Existenznot, Einsamkeit und zunehmenden Suizidgedanken.

Womit die Berliner Helfer mit diesen Erfahrungen im Übrigen nicht alleine sind. Wie der Vorstandssprecher der katholischen Konferenz für Telefonseelsorge, Michael Hillenkamp, Ende der Woche dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte, sei die bundesweite Zahl der Anrufer bei der Telefonseelsorge von durchschnittlich 2.500 pro Tag ab dem 22. März auf 3.200 gestiegen, erst seit Ende April nehme sie wieder ab. „Mit den Kontaktbegrenzungen befeuerte Corona krisenhafte Entwicklungen wie durch ein Brennglas“, sagte Hillenkamp. „Schon vorhandene Probleme haben sich verschärft.“

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