Die Mühlendammbrücke ist marode und soll abgerissen werden. Ein Neubau steht an. Foto: Jörg Carstensen/dpa
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Berlins historische Mitte Bündnis will Umplanung bei Mühlendammbrücke

14 Berliner Verbände, Vereine und Initiativen fordern eine Umplanung des Brückenneubaus in Mitte. Sie wollen weniger Autoverkehr.

Keine neue Autobahn in Berlins historischer Mitte - das fordert die „Allianz für einen neuen Mühlendamm“, ein Zusammenschluss von 14 Berliner Verbänden, Vereinen und Initiativen. In Briefen an Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos/für Grüne) und Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) plädiert das Bündnis für eine Umplanung des Brückenneubaus, der aktuell auf den Vorstellungen der autogerechten Stadt basiere.

Zu den Unterzeichnern gehören der Berliner Fahrgastverband IGEB, der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin, der Deutsche Werkbund Berlin, der Fußgängerverband Fuss e.V., das Bürgerforum Berlin, die Gesellschaft Historisches Berlin, das Forum Stadtbild Berlin und der Council for European Urbanism Deutschland (C.E.U.D.).

Die Mühlendammbrücke befindet sich am Ort der ältesten Spreequerung Berlins. Die aktuelle Version stammt von 1968 und ist 45 Meter breit – 15 Meter breiter als der Vorgängerbau. Weil die Brücke marode ist, soll sie ab 2022 einem Neubau weichen.

Die Senatsverwaltungen für Verkehr und Stadtentwicklung bereiten hierfür gemeinsam mit der Baukammer einen Realisierungswettbewerb vor. Als Bedingung ist dabei "eine Realisierung unter Aufrechterhaltung des Verkehrs" vorgegeben. Pro Tag queren derzeit mehr als 72.000 Autos die Brücke.

"Wir begrüßen die Initiative der Senatorin zur Zurückdrängung des Autoverkehrs"

Die Initiative nimmt nun Verkehrssenatorin Günther beim Wort, die Anfang der Woche in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel die Abkehr von der autogerechten Stadt propagiert hatte. „Wir begrüßen in diesem Zusammenhang die Initiative der Senatorin Regine Günther zur Zurückdrängung des Autoverkehrs“, heißt es in dem Brief.

Allerdings sehe die Praxis weiter anders aus - die Vorgaben für die neue Mühlendammbrücke basierten auf autogerechten Verkehrserhebungen der 1990er Jahre. „Hier wird für die nächsten 100 Jahre ein Bauwerk errichtet, das nicht der Politik der Landesregierung und schon gar nicht dem Bürgerwillen entspricht.“ Im Beteiligungsprozess "Alte Mitte – Neue Liebe" und der zurzeit laufenden Stadtwerkstatt werde im Gegenteil vehement eine Reduzierung des Durchgangsverkehrs in der Altstadt gefordert.

Die geplanten Fahrradstreifen und die Straßenbahntrasse begrüßt das Bündnis zwar, nicht jedoch die drei vorgesehenen Fahrspuren pro Richtung „mitten durch den historischen Stadtkern“.

Die Allianz verweist auf das „Planwerk Innenstadt“ von 1999, in dem für den Mühlendamm nur zwei Fahrspuren je Richtung vorgesehen sind. Dahinter stehe das Ziel, „einen lebendigen innerstädtischen Ort (…) zu schaffen“. Im Planwerk werde zudem die Bebauung des Mühlendamms angeregt, wie es sich noch bis in die 1930er Jahre gegeben hatte.

"Vorbereitungen zum Realisierungswettbewerb stoppen"

„Wir möchten Sie bitten, die Vorbereitungen zum Realisierungswettbewerb zu stoppen, damit nicht mit Planungen der Vergangenheit die Zukunft verbaut wird“, appellieren die Unterzeichner. „Es handelt sich um den ältesten Ort, sogar um die Gründungsvoraussetzung Berlins und zugleich das wichtigste Verbindungsglied zwischen den historisch bedeutendsten Plätzen der Stadt, dem Molkenmarkt und dem Köllnischen Fischmarkt, die in der Senatsplanung als Stadtplätze wiedergewonnen werden sollen.“

Auch wenn der bedenkliche bauliche Zustand der Brücke zur Eile mahne, solle man doch den Neubau nicht überstürzen, da es ein Vorhaben von Bedeutung für die ganze Hauptstadtregion sei. Dies könne nur in gemeinsamen Abstimmungen, etwa an einem „Runden Tisch Mühlendamm“, vorbereitet und durchgeführt werden.

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