Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Berlins Senatorin für Gesundheit, Dilek Kalayci (SPD). imago images/Stefan Zeitz
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Berlins Gesundheitssenatorin Kalayci besorgt „Impfen ist eine moralische Selbstverpflichtung“

Die Infektionszahlen steigen deutlich, nur knapp jeder zweite Berliner ist voll geschützt. Politiker und Ärzte fordern zum Impfen auf – vor der vierten Welle.

Im Senat, den Gesundheitsämtern und Kliniken sprechen viele längst von einer vierten Welle – die Infektionszahlen steigen, die Coronavirus-Pandemie ist nicht vorbei. Nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts haben sich in der vergangenen Woche 22,6 pro 100.000 Berliner neu mit Sars-Cov-2 infiziert; Hotspot war Friedrichshain-Kreuzberg mit einer Inzidenz von 46,1. Noch sind nur 47 Prozent der Berliner vollständig, 59 Prozent einmal geimpft.

„Ich betrachte es eigentlich als moralische Selbstverpflichtung eines jeden Berliners und einer jeden Berlinerin zum Impfen zu gehen: Zum Eigenschutz, zum Schutz der Mitmenschen und zum Erhalt der gemeinsam gegen Covid-19 erkämpften Freiheiten“, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) dem Tagesspiegel. „Ob Spontanimpfen, Terminimpfen im Corona-Impfzentrum, Impfen beim Arbeitgeber, bei den niedergelassenen ÄrztInnen oder den diversen Angeboten in den Bezirken. Nie war es so einfach und schnell möglich, sich impfen zu lassen.“

Immerhin, diese Welle wird – aller Voraussicht nach – weniger tödlich sein. Darin sind sich, auch wenn das nicht alle von ihnen öffentlich sagen, viele Mediziner einig. Diejenigen, die sich in den vergangenen Wochen mit Sars-Cov-2 angesteckt haben, seien demnach jünger als das in den vorherigen Wellen der Fall gewesen ist.

Die Betroffenen werden deshalb seltener in Krankenhäuser müssen. Auch der Berliner Intensivmediziner Jörg Weimann sagte am Donnerstag, dass eine vierte Corona-Welle die Kliniken weniger stark treffen werde als die bisherigen Wellen.

Intensivmediziner: Vulnerable Gruppe in vierter Welle geschützt

Weimann ist Chefarzt im Wilmersdorfer Sankt-Gertrauden-Krankenhaus und hatte 2020 für den Senat das Konzept für den Umgang mit Corona-Intensivpatienten mitentworfen. Die aktuell grassierende Delta-Mutation sei zwar ansteckender als die alten Virusvarianten, sagte Weimann, aber sie treffe eben zunehmend auf Menschen, die geimpft sind oder nach einer durchstandenen Infektion das Virus besser abwehren.

Jörg Weimann, Experte für Intensivmedizin der Berliner Ärztekammer. Hannes Heine Vergrößern
Jörg Weimann, Experte für Intensivmedizin der Berliner Ärztekammer. © Hannes Heine

Die zu Jahresbeginn gewählte Impfreihenfolge – Alte, Klinikpersonal, Vorerkrankte zuerst – ergebe also Sinn: In der vierten Welle seien vulnerable Gruppe weitgehend geschützt.

Corona-Infizierte könnten Infrastruktur gefährden

Die Auslastung der Intensivbetten durch Corona-Patienten lag am Donnerstag bei 3,6 Prozent, ab 25 Prozent stünde die Warnampel des Senats auf „Rot“ – was in der zweiten Welle um die Jahreswende der Fall war.

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Auch Weimann appelliert an die Berliner, sich impfen zu lassen. Selbst wenn Neuinfizierte keine schweren Verläufe hätten, also nicht stationär behandelt werden müssten, drohe mindestens häusliche Quarantäne: Stecken sich nun massenhaft jüngere Berufstätige an, könne das die Infrastruktur – Einzelhandel, Transport, Logistik – massiv beeinträchtigen.

Ärztekammer: Spätfolgen drohen, Eile geboten

Auch die Spitzen der Ärztekammer Berlin, der alle Mediziner angehören müssen, und der Kassenärztlichen Vereinigung, die für die Praxen zuständig ist, wurden am Donnerstag deutlich: Hinsichtlich drohender Corona-Spätfolgen sei Eile geboten.

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Ärztekammer-Präsident Peter Bobbert fordert insbesondere Eltern, Lehrkräfte und Erzieher auf, bis zum Start des Schuljahres geimpft zu sein, um „einen Schutzeffekt für die bisher ungeimpften Kinder“ zu entwickeln. Er empfiehlt auch, Kinder zwischen zwölf und 17 Jahren zu impfen, wenn sie bestimmte Vorerkrankungen haben.

Berlins Ärzte blicken derzeit nach Großbritannien, was von Deutschland aus „wie ein Labor“ wirke, sagte Weimann. Denn auf der Insel sind die Schutzmaßnahmen aufgehoben worden, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei Hunderten Fällen. Zwar nehmen auch dort virusbedingte Krankenhausaufenthalte zu, wie Ärzte in britischen Medien zitiert werden. Die stationären Fälle steigen demnach aber deutlich weniger, als in den vergangenen Wellen der Pandemie.

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