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Franziska Giffey (links) ist einem Betrüger aufgesessen. Foto: Privat
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Update Berlins Bürgermeisterin von Betrüger reingelegt Franziska Giffey führt Telefonat mit falschem Vitali Klitschko

Geplant war ein Telefonat zwischen Giffey und Klitschko. Doch der Gesprächspartner stellte sich als Betrüger heraus. Nun ermittelt der Staatsschutz.

Der Mann auf dem Bildschirm sah aus wie der echte Vitali Klitschko. Aber er war es nicht. Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey ist am Freitag einem Betrüger aufgesessen, der sich als der Kiewer Bürgermeister Klitschko ausgegeben hat.

„Allem Anschein nach war es ein Deep Fake“, sagte Senatssprecherin Lisa Frerichs. Das Gespräch per Videotelefonie dauerte laut Teilnehmern eine halbe Stunde. Dann wurde es abgebrochen. Nun ermittelt der Staatsschutz des Landeskriminalamtes, um die Hintergründe aufzuklären.

Die Senatskanzlei hatte am Nachmittag ein Gespräch mit dem Bürgermeister von Kiew angekündigt. Die ukrainische Seite habe darum gebeten.

Der Termin wurde über die Protokollabteilung der Senatskanzlei Anfang Juni vereinbart. Über welche Kanäle es zustande kam, ist zurzeit noch nicht bekannt.

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Um 17 Uhr wollte Giffey für eine halbe Stunde mit Klitschko ein Videotelefonat führen. Um 18.45 Uhr teilte die Berliner Senatskanzlei dann mit, dass das Gespräch abgebrochen wurde. "Der Verlauf des Gesprächs und die Themensetzung haben auf Berliner Seite ein Misstrauen hervorgerufen. Das Gespräch wurde vorzeitig abgebrochen", wurde auf Twitter mitgeteilt.

Es habe der Verdacht bestanden, dass der Gesprächspartner nicht Vitali Klitschko war, hieß es. "Ein Gespräch mit Botschafter Andrij Melnyk hat dies jetzt im Nachgang bestätigt."

Laut Gesprächsteilnehmern fand das Gespräch per Video statt. Ein Foto, das dem Tagesspiegel vorliegt, zeigt eine Person, die aussieht wie der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko.

Eine Sprecherin sagte dem Tagesspiegel, dass sich der Betrüger in der ersten Viertelstunde nach der Lage in Berlin und über die Versorgung der Geflüchteten erkundigt habe. Dann seien Fragen gekommen, die "misstrauisch" gemacht hätten. Berlin habe daran mitarbeiten sollen, dass ukrainische Männer Berlin verlassen, um in der Ukraine zu kämpfen.

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"Oder etwa die Frage, ob sich ukrainische Geflüchtete in Deutschland Sozialleistungen erschleichen würden." Das Gespräch brach dann aus technischen Gründen ab.

Berlins Regierende Bürgermeisterin kommentierte den Vorgang wie folgt: „Es gehört leider zur Realität, dass der Krieg mit allen Mitteln geführt wird - auch im Netz, um mit digitalen Methoden das Vertrauen zu untergraben und Partner und Verbündete der Ukraine zu diskreditieren.“ Wie die "Bild" berichtet, soll es in Madrid einen ähnlichen Vorfall gegeben haben. Gegenüber dem dortigen Bürgermeister haben sich ebenfalls jemand als Vitali Klitschko ausgegeben.

Der "echte" Klitschko sagte der "Bild" am Freitagabend: „Liebe Franziska Giffey, ich habe gerade erfahren, dass es bei Ihnen und dem Bürgermeister von Madrid einen Fake-Anruf gab. Jemand hat sich als Vitali Klitschko ausgegeben – ich war es aber nicht.“ Klitschko sagte weiter: „Ich hoffe, dass wir bald über meine offiziellen Kanäle telefonieren können. Ich brauche dann auch keinen Übersetzer …“

Berlin hatte in Deutschland besonderes viele ukrainische Geflüchtete aufgenommen. Inzwischen sind 285.000 Kriegsflüchtlinge in Berlin angekommen. Ein Teil dieser Menschen ist weitergereist oder zurück in die Ukraine gefahren.

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Bis zu 100.000 Menschen könnten sich aber in der Stadt befinden. Genaue Zahlen gibt es nicht. Mehr als 60.000 werden laut Schätzungen durch die Jobcenter versorgt.

Ob es sich bei dem Mann im Video um einen Doppelgänger handelte oder ob eine Gesichtsfiltersoftware angewendet wurde, war am Freitagabend noch unklar.

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