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An Schulen kommt es immer wieder zu Konflikten mit religiösen Bezügen. Foto: dpa
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Update Berlins Bildungssenatorin für Neuköllner Initiative Busse offen für landesweite Erfassung von „konfrontativen Religionsbekundungen“

Astrid-Sabine Busse begrüßt die Neuköllner Initiative, die Ursachen bestimmter Konflikte an Schulen zu analysieren. Die Gewerkschaft GEW ist skeptisch.

Berlins neue Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) kann sich vorstellen, landesweit eine Anlauf- und Dokumentationsstelle für „konfrontative Religionsbekundungen“ einzurichten. Dies erklärte Martin Klesmann, der Pressesprecher der Senats-Bildungsverwaltung dem Tagesspiegel. Die Initiative für so ein Projekt ist vom Bezirksamt Neukölln ausgegangen.

Nach einem Gespräch am Montag von Busse mit Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (SPD) teilte Klesmann weiter mit: „Die Senatsbildungsverwaltung begrüßt es, dass der Bezirk Neukölln die Initiative ergreift, die Ursachen bestimmter Konflikte an seinen Schulen vertieft zu analysieren. Welcher Art diese Probleme genau sind und welche Maßnahmen helfen können, sie zu lösen, sollte eingehender untersucht werden. Es gibt in Berlin eine Vielzahl gut etablierter Unterstützungssysteme, die von den Schulen auch gerne angenommen werden.“

Angesichts der jetzigen Initiative erachte die Senatsverwaltung die Prüfung von zusätzlichen und ergänzenden Angeboten sowie die Beauftragung einer wissenschaftlichen Studie zur Erhebung der gesamtstädtischen Bedarfe „für sinnvoll“.

Busse hatte bis zu ihrer Ernennung zur Bildungssenatorin in Neukölln eine Grundschule mit hohen Anteil an migrantischen Schülern geleitet.

Das Projekt ist auf alle Religionen bezogen

In der Anlauf- und Dokumentationsstelle sollen Fälle von religiös begründetem Verhalten, das schulöffentlich ausgelebt wird, erfasst werden und dann gezielt mit Experten aufgearbeitet und nach Möglichkeit gelöst werden.

Bezogen ist das Projekt auf alle Religionen. Dazu gehören etwa Antisemitismus ebenso wie Attacken auf Muslime oder Druck, der von muslimischen Schülern auf muslimische Mitschülerinnen wegen angeblich unpassender Kleidung ausgeübt wird.

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Hikel sagte dem Tagesspiegel: „Ich freue mich, dass die Senatsverwaltung den dringenden Handlungsbedarf genauso sieht wie ich und dafür eine vertiefte Studie beauftragen will. Mit unserer Untersuchung hat sich gezeigt, wie groß der Bedarf in Neukölln ist. Im nächsten Schritt geht es darum zu klären, wie der Bedarf in anderen Bezirken ist, und auf der Grundlage eine Lösung für ganz Berlin zu finden. Es war notwendig, dass wir in Neukölln den Aufschlag für diese Diskussion gemacht haben.“

Er nehme zur Kenntnis, "dass gerade einige versuchen, religiöse Auseinandersetzungen auf Schulhöfen zu verharmlosen. Mich wundert das nicht. Es zeigt vor allem, wie wichtig ein Dialog ist und dass gemeinschaftliche Lösungen her müssen. Wer gerade den Teufel an die Wand malt und impulsiv 'Rassismus' schreit, tut niemandem einen Gefallen - weder dem religiösen Miteinander in unserer Stadt, noch den betroffenen Lehrkräften und Jugendlichen."

Neuköllns früherer Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU), der das Projekt maßgeblich mitinitiiert hatte, sagte, optimal wäre es, wenn die Fälle landesweit erfasst würden. „Dann kann man erkennen, ob es an einer Schule zu einer Tendenz von solchen Fällen kommt und kann eingreifen. Dann können sich zusätzlich Experten wie etwa Sozialarbeiter darum kümmern.“

GEW: Blick auf Religion allein zu einseitig

Der Landesverband Berlin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht die Anlaufstelle dagegen skeptisch. „Wir denken, dass es nicht reicht, nur nach der religiösen Dimension eines Konflikts zu fragen“, sagte Vorstandsmitglied Anne Albers. Es gebe „unterschiedliche Diskriminierungsebenen, die miteinander zu tun haben, zum Beispiel Gender, Religion, Klassen- oder Gruppenzugehörigkeit“. Dies rechtfertige nur einen pädagogischen Ansatz, der multiperspektivisch an Konflikte herangehe und auf gemeinsames Bearbeiten der Konflikte ausgerichtet sei. „Da reicht es nicht, das nur zu melden. Man muss auch fragen, wie diskriminierende Einstellungen entstehen.“

Albers erklärte, ihre Kollegen und Kolleginnen „haben kein Interesse daran, Konflikte nur mit Religionszugehörigkeit zu erklären, sie wollen mit den Schülern und Schülerinnen arbeiten, sie verstehen und gemeinsam die Probleme lösen. Dafür brauchen sie mehr Zeit und gute Unterstützung“. Man solle aber auch Eltern einbeziehen. Wenn Eltern von Schülern und Schülerinnen zum Beispiel Sexualkundeunterricht ablehnten, könne es hilfreich sein, mit den Eltern zu besprechen, was die Gründe dafür seien.

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