Auf Berlins Straßen kann es derzeit zu unangenehmen Gerüchen kommen. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
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Berliner Wasserbetriebe Hitzewelle: Darum stinkt es auf Berlins Straßen

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Bei der Hitze strömen auch verstärkt Gerüche aus den Schächten der Wasserbetriebe. Und die gehen dagegen vor und spülen die Rohre regelmäßig.

Es stinkt. Mal mehr, mal weniger. Wie nach fauligen Eiern. Der Duft kommt zur Zeit häufig aus einem Schacht der Wasserbetriebe auf der Straße oder auf dem Gehweg. Eine Folge der lang anhaltenden Trockenheit. Die Wasserbetriebe halten dagegen: mit Rohrspülungen. 25 „Hochdruckspül- und Saugfahrzeuge“ kann sie dafür einsetzen.

So wunderte sich auch die Feuerwehr nicht sehr, als sie am Montagmittag alarmiert wurde, weil von einem Schacht auf dem Gehweg an der Winterfeldtstraße in Schöneberg Gerüche entwichen sein sollten, die dazu geführt hatten, dass zwei Personen über Schwindelgefühle klagten. Mit großem Aufwand – unter anderem arbeiteten sie mit Atemschutzgeräten – suchten die Feuerwehrleute nach der mutmaßlichen Austrittsöffnung, fanden sie aber nicht – obwohl sie einen erhöhten Kohlenmonoxidgehalt gemessen hatten. Fündig wurden sie dann, wie berichtet, in einem Haus, in dem Handwerker ein Gerät falsch bedient hatten, so dass das Gas ausgetreten und Richtung Straße geströmt war.

Abwegig war die Suche auf der Straße aber nicht, denn der Bereich um den Winterfeldtplatz gehört zu den Orten, an denen die Wasserbetriebe besonders intensiv gegen die Gerüche aus der Kanalisation vorgehen. „Alle zwei Wochen spülen wir dort die Rohre“, sagte Sprecher Stephan Natz, weil bekannt sei, dass es dort häufig stark rieche.

Eine hohe Dosierung könne tödlich sein

Natz vermutet, dass viele Abfälle vom Wochenmarkt sowie Fette von den zahlreichen Gastronomiebetrieben im Kanalnetz landen. Dort könne sich dann Schwefelwasserstoff bilden, der in geringen Dosierungen sehr unangenehm nach faulen Eiern rieche. Je höher die Dosierung aber sei, desto weniger wahrnehmbar sei der Geruch. Und hier müsse man aufpassen, eine hohe Dosierung könne sogar tödlich sein. Die Gefahr einer Vergiftung bestehe aber höchstens in einem Klärwerk – nicht aber auf der Straße.

Auch der Kurfürstendamm ist nach Angaben von Natz ein besonderer Geruchsort, an dem die Rohre deshalb im Zwei-Wochen-Rhythmus gespült werden. Damit Rohre aus den Nebenstraßen den Tunnel der U-Bahn unterqueren können, hat man dort sogenannte Düker gebaut, die den Tunnel ähnlich wie ein Siphon unterqueren. In den unteren Teilen könnten sich Stoffe absetzen, die dann stinken, sagte Natz. Und deshalb werde auch dort vorbeugend gespült.

Weitere Schwerpunkte seien die Georgenstraße in Mitte, der Gendarmenmarkt, der Bereich um die Marheineke-Markthalle sowie das Paul-Lincke-Ufer in Kreuzberg und baulich bedingt ein Abschnitt auf der Hohenschönhauser Straße in Lichtenberg.

Jährlich gehen 230 Beschwerden wegen Gerüchen ein

Grundsätzlich ist das Rohrnetz, ähnlich wie die Straßen, in Reinigungsklassen eingeteilt und wird nach einem vorgegebenen Terminplan durchspült. Das könnten jeweils 14 Tage, aber auch bis zu zehn Jahre sein, sagte Natz.

Weil die Touren fest eingeteilt seien, könne man jetzt auch nicht häufiger das Wasser mit Hochdruck durch die Rohre jagen. Wenn es besonders stinke, greife man aber sofort ein. Wie während der Leichtathletik-Europameisterschaften, als es am vergangenen Wochenende am Olof-Palme-Platz vor dem Zoo bestialisch aus einem Regenwasserkanal roch. Die Geherwettbewerbe mussten deshalb zeitlich etwas verschoben werden.

Jährlich gebe es etwa 230 Beschwerden wegen Gerüchen, sagte Natz. Die Wasserbetriebe gehen auch vorbeugend dagegen vor. An den Abdeckungen der Schächte haben sie nach Angaben von Natz rund 200 Geruchsfilter angebracht, an sieben Stellen im Netz speisen sie Nitratsalze ein, die Gerüche binde. Eine dieser Stationen befindet sich am ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR. Zudem bringe man jährlich zwischen 200 und 500 Duftsteine und Gelmatten ein, „Bricks“ genannt. Ferner gibt es drei Abluftstationen, die den Gestank absaugen.

Gespült wird auch, wenn Arbeiten anstehen. Jährlich werden nach Angaben von Natz über 700 Kilometer des Netzes per Kamera inspiziert. Damit es einen freien Blick gibt, wird der Dreck vorher weggespült. Und der Gestank gleich mit.

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