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Berliner Turmbau-Pläne In Kreuzberg formiert sich Widerstand gegen die „Urbane Mitte“

Es war ein Deal zwischen Bahn und Berlin: Flächen für den Gleisdreieck-Park gegen Baurecht. Doch die Türme passen nicht zum Umfeld, kritisiert ein Planer

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Das Bauprojekt "Urbane Mitte" wird den Gleisdreieck-Park mit Hochhäusern einrahmen. Abbildung: Stephen Weber/Copro Vergrößern
Das Bauprojekt "Urbane Mitte" wird den Gleisdreieck-Park mit Hochhäusern einrahmen. © Abbildung: Stephen Weber/Copro

Sieben Baukörper, die beiden höchsten 90 Meter hoch, zusammen sollen sie mehr als 100.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche bieten – das Projekt „Urbane Mitte“ wird Kreuzberg sichtbar verändern. Bürohäuser, ein Hotel und „Vergnügungsstätten“, aber keine Wohnungen, dazu ist es am Berliner Gleisdreieck zu laut. Die Baupläne für die „Urbane Mitte“ gehen jetzt mit der öffentlichen Auslegung von „Baufeld Süd“ in die heiße Phase. Die Pläne kann man auch im Internet einsehen und kommentieren. Doch in Friedrichshain-Kreuzberg formiert sich Widerstand gegen das Projekt. Kernpunkt der Kritik: Eine so große Dichte von Neubauten sei planerisch nicht gerechtfertigt.

„Aus falschen planungsrechtlichen Einschätzungen wurde eine Bebaubarkeit abgeleitet“, die dann „nur in einer hohen Dichte und insbesondere durch Hochhäuser“ zu realisieren war, schreibt Rainer Bohne in seiner Einwendung gegen die Pläne. Er war Chef der Vereinigung für Stadt- Regional- und Landesplanung SRL und arbeitete Jahrzehnte in der Praxis, unter anderem beim Büro „Planwerk“.

Bohne weiter: Die falschen Vorgaben hätten bedingt, dass die Neubauten im Quartier sich „weitgehend auf Büronutzung“, einige Einzelhandelsflächen und „Vergnügungsstätten“ beschränkten. Vor allem politische Zusagen an den Eigentümer der Grundstücke hätten die öffentlichen Planungen gelenkt – und nicht der Grundsatz zur Weiterentwicklung Berlins als „Gemischte Stadt“.

Es gebe „keinerlei Untersuchungen zum Bedarf an Büroflächen, Sport- und Freizeiteinrichtungen“. Dabei komme es gerade auf dem Markt für Büroflächen „zu größeren Veränderungen, weil durch zunehmende Digitalisierung Büroflächen außerhalb der bisherigen Standorte“ entstünden, „seien es Homeoffice oder Mobile-Office-Arbeitsplätze“. Beschleunigt werde diese Entwicklung durch die Corona-Pandemie.

Wie ein Fremdkörper neben dem Gleisdreieckpark

Keine Rücksicht nehme das Projekt ferner auf sein Umfeld, wo „die Berliner Traufhöhe“ (rund 22 Meter) eingehalten werde. In das Parkgebiet mit weitläufigen kulturellen Nutzungen und Gewerbebetriebe werde das neue „Kerngebiet“ mit Bürotürmen und einem Hotel wie ein Fremdkörper eingepflanzt. Die Dichte werde „nicht aus der Gebietstypik und den Begebenheiten vor Ort“ abgeleitet, sondern allein aus dem Ergebnis des Wettbewerbs. Dieser fuße wiederum auf falschen Annahmen.

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Bis zum 18. Februar liegen die Pläne noch in Raum 511 des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg in der Yorckstraße zur Ansicht aus. Das Projekt am Gleisdreieck wurde 2014 mit einem Werkstattverfahren begonnen. Daran schloss sich ein internationaler städtebaulich-architektonischer Wettbewerb an. Diesen gewann das Büro „Ortner & Ortner Baukunst“. Die Realisierung übernimmt die „Copro Projektentwicklung“.

Im März vor zwei Jahren hatten die damalige Senatorin für Stadtentwicklung, Katrin Lompscher (Linke), und der Baustadtrat des Bezirks, Florian Schmidt (Grüne), ein temporäres Holzgebäude auf dem Areal am Gleisdreieck-Park eingeweiht: mit einem Café, einer Kunstausstellung und einem „Lab“ mit sechs Stationen zur Erforschung von „Lösungen für ein lebenswertes Stadtquartier“.

Baustadtrat Florian Schmidt warnt vor drohendem Schadensersatz

Baustadtrat Schmidt sagte auf Anfrage, dass die Pläne seinerzeit auf einen „Deal zwischen Land Berlin und der Deutsche-Bahn-Vermarkterin Vivico“ zurückgehen. Dieser habe „günstige Flächen für einen großen Park gegen Baurecht für die Vermarktung“ anderer Flächen vorgesehen. Diese Vermarktung habe nun stattgefunden. „Wer das grundsätzlich in Frage stellt, muss sich mit erheblichen Entschädigungen auseinandersetzen die vom Land Berlin aufzubringen wären.“ Der Investor bekomme „keinen Freischein“, er müsse und werde viele Auflagen erfüllen.

Der Bauträger nennt die Urbane Mitte eine „Fusion aus denkmalgeschütztem Bahnhof und moderner, zukunftsorientierter Architektur“. Das „neue Stück Stadt“ solle „voraussichtlich in 2025/26“ fertig werden und „eine Promenade“ einfassen, die durch den Bestand an 8000 Quadratmetern „historischen U-Bahn- Viadukten“ führt. Der Entwickler rechnet damit, dass täglich 3000 Beschäftigte in die Bürohäuser des Gebiets strömen werden.

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Die Baupläne des Bezirks im Internet finden Sie hier:

https://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/politik-und-verwaltung/aemter/stadtentwicklungsamt/bebauungsplaene/bebauungsplan.1038136.php

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