Dringend sanierungsbedürftig: Die Rudolf-Wissell-Brücke in Berlin-Charlottenburg. Foto: imago/Jürgen Ritter
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Berliner Stadtautobahn Sanierung der Rudolf-Wissell-Brücke dank des guten Wetters im Plan

Paul Lütge
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Trotz vieler Mängel liegt die Sanierung der Rudolf-Wissell-Brücke an der Berliner Stadtautobahn im Plan. Bis zum 26. August soll die Straße wieder voll befahrbar sein. Ein Risiko gibt es allerdings.

Asphaltgeruch liegt in der Luft. Eine Planierwalze dröhnt über den heißen Boden. Jeder, der hier oben steht, schwitzt. Rund 30 Bauarbeiter arbeiten auf der Rudolf-Wissell-Brücke in der prallen Mittagssonne. Die körperlichen Höchstleistungen der Arbeiter sind nötig, damit schon bald wieder voller Verkehr auf der Brücke stattfinden kann.

Sie sanieren 9000 Quadratmeter Stadtautobahn auf der größten Brücke Berlins und haben dafür nur sieben Wochen Zeit. Trotz knappen Zeitplans kommen die Bauarbeiten auf der Rudolf-Wissell-Brücke Richtung Süden offenbar gut voran. Das sagte der Projektleiter der Projektmanagementgesellschaft Deges, Wolfgang Pilz, am Freitag bei einem Baustellenrundgang. Ende August soll die Brücke wieder komplett befahrbar sein.

Grund für die vom Bund finanzierten Sanierungen auf der drittmeistbefahrenen Straße Deutschlands sind Probleme mit der Fahrbahn. Zwar beginnt im Jahr 2023 voraussichtlich der Neubau der Brücke. Doch um den bis dahin sicheren Verkehr zu gewährleisten, sind die jetzigen Sanierungsmaßnahmen nötig.

Kein Spielraum für Fertigstellung

Nachdem im vergangenen Jahr die komplette Fahrbahn Richtung Nord repariert wurde, ist jetzt die Fahrtrichtung Süd dran. Am 9. Juli, nach dem ersten Ferienwochenende, gingen die Arbeiten los. Bis 26. August soll die Straße wieder voll befahrbar sein. Die Kosten der Baumaßnahmen liegen bei sieben Millionen Euro für beide Fahrtrichtungen zusammen. „Wir liegen gut im Rahmen“, sagt Pilz.

Die „Sommerbaustelle“, wie der Projektleiter sie nennt, muss innerhalb der angepeilten sieben Wochen fertig gestellt werden. „Wir haben dabei keinen Spielraum von der Stadt bekommen“, erklärt er. „Aber wir kommen gut voran.“

Mehr als 1200 Tonnen Oberbelag wurden in den vergangenen Wochen von der Straße genommen. Da sich unter der ersten Asphaltschicht oftmals Schäden im Boden finden lassen, sei dieser Arbeitsschritt dringend notwendig. Ansonsten könne es zu Schlaglöchern kommen. Auf der Fahrbahn Richtung Nord hatte das Bauteam dabei Glück, doch auf der Südstraße sieht es anders aus: Rund 200 Schadstellen wurden bei der Freilegung gefunden. „Das kostet natürlich viel Zeit, da jede einzelne Stelle nachgebessert werden muss“, sagt Pilz.

Nachdem die Verbesserungen vorgenommen wurden, kommt zurzeit der erste neue Asphaltbelag auf die Fahrbahn. Die sogenannte HANV–Methode sorgt dafür, dass dieser Vorgang zügig vorangeht. Dabei wird ein grobkörniger Asphalt auf die verbesserte Betonstraße gegeben. Die Hohlräume des Asphalts werden mit Epoxidmaterial eingeschwemmt, so dass kein Wasser mehr durch den Asphalt durchkommen kann – erneuten Schäden wird dadurch vorgebeugt. „Schritt für Schritt kehren die Männer der Asphaltstrecke nach, um auch wirklich jeden Hohlraum zu füllen“, erklärt Pressesprecher Thomas Reckermann. Es folgen zwei weitere Asphaltschichten, bevor die frischen Autobahnspuren wieder befahren werden können.

Autofahrer haben sich an die Baustelle gewöhnt

Während der Arbeiten auf der Brücke sind beide Fahrbahnen auf zwei Spuren statt ursprünglich drei begrenzt. Aus Richtung Wedding kommende Lastwagen über 3,5 Tonnen müssen über die Anschlussstelle Saatwinkler Damm der A 111 fahren.

Nach Angaben Wolfgang Pilz sind die Sanierungen dieses Jahr im Vergleich zu denen auf der Gegenspur deutlich ruhiger. Wohl auch, weil sich die Berliner Autofahrer an Arbeiten auf der Brücke gewöhnt haben. „Trotz deutlich mehr Nachbesserungen auf dieser Seite verläuft es hier ruhiger als im vergangenen Jahr. Auf der Nordseite kamen ab und zu noch Beschwerden von den Autofahrern, aber hier verhalten sich alle sehr diszipliniert“. Auch die Umfahrung für LKW verläuft problemlos. Gerade morgens und am Nachmittag lohne es sich aber trotzdem, die Brücke zu umgehen. Dann kann es auch mal zu längeren Staus kommen.

Ganz sicher ist das rechtzeitige Fertigstellen der Straße allerdings noch nicht. Denn gerade das HANV-Verfahren ist vom Wetter abhängig. Bei Regen muss die Arbeit verschoben werden, weil Wasser in die Hohlräume des Asphalts kommen kann. Jeder auf der Baustelle hofft deshalb auf anhaltend trockenes Wetter – auch wenn das mit noch mehr Schwitzen verbunden ist.

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