Erinnerungen an 2016: Ein schwerbewaffneter Polizist vor dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Foto: REUTERS/Annegret Hilse
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Exklusiv Berliner Polizei studiert Sicherheitsempfinden Schwer bewaffnete Polizisten sorgen für Gefühl der Unsicherheit

Polizeipräsidentin Barbara Slowik will, dass sich die Berliner sicherer fühlen. Dazu gibt es jetzt einen Arbeitskreis beim LKA, eine Studie und erste Erkenntnisse.

Eine höhere Polizeipräsenz und mehr schwer bewaffnete Einsatzkräfte führen nicht unbedingt dazu, dass sich Bürger sicherer fühlen. Das ist das Ergebnis einer Befragung von Besuchern des Weihnachtsmarkts am Breitscheidplatz vor einem Jahr, wie Polizeipräsidentin Barbara Slowik dem Tagesspiegel im Interview sagte.

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Entscheidend für das Sicherheitsempfinden sei vielmehr, ob der letzte Kontakt der Bürger mit der Polizei positiv oder negativ empfunden werde. Hatten Bürger also bei einer Polizei-Kontrolle oder auf einer Demonstration einen Kontakt mit Beamten, an sie sich im positiven erinnern, steigt auch die Sicherheit, mit der sie sich durch die Stadt bewegen.

"Man kann also nicht nur an der Stellschraube drehen, mit mehr Polizisten fühlen sich alle auf der Straße sicherer", sagte Slowik im Gespräch mit dem Tagesspiegel. "Das funktioniert so nicht." Auch die technische Ausstattung der Polizei spielt laut Berlins Polizeipräsidentin eine Rolle. Wenn Polizisten eine Maschinenpistole tragen, sinke die gefühlte Sicherheit. Die Menschen hätten dann den Eindruck, dass die Lage unsicher sei.

Mit unterschiedlicher Ausrüstung über den Weihnachtsmarkt

Slowik sagte zum Design der Start-Up-Untersuchung, wie sie es nannte: "Wir haben Kollegen in Uniform und mit unterschiedlicher Ausrüstung über den Weihnachtsmarkt geschickt und die Besucher danach befragt, ob und wie sie die Polizei wahrgenommen haben." So hätten auch Warnwesten, also die Erkennbarkeit, einen Einfluss auf das Sicherheitsempfinden. Die Menschen würden die Polizei eher wahrnehmen, daraus habe man bereits Konsequenzen für den Dienst gezogen.

Berlins Polizeipräsidentin hatte in einem Interview mit "Zeit Online" Ende 2018 erklärt, dass sie sich auch für die gefühlte Sicherheit der Bürger verantwortlich fühle. Sie sagte dem Tagesspiegel nun, dass die Polizei jetzt untersuche, inwiefern Polizeipräsenz das Sicherheitsgefühl verändert. "Das ist ein sehr komplexes Thema."

Dazu wurde neben der Untersuchung auf dem Breitscheidplatz auch eine spezielle Arbeitsgruppe beim Landeskriminalamt (LKA) gegründet. "Darauf wollen wir nun mit einer Studie aufbauen", kündigte Barbara Slowik an.

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