Das Auto von Ferat Kocak wurde in der Nacht zum Donnerstag vermutlich von Rechtsextremen angezündet. Foto: Ferat Kocak/Die Linke Berlin/dpa
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Berliner Linken-Politiker Ferat Kocak "Wir Neuköllner lassen uns das nicht gefallen"

Anna Pia Möller
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In der Nacht zu Donnerstag wurde das Auto des Linken-Politiker Ferat Kocak angezündet. Rechte Gewalt werde in Neukölln immer drastischer, sagt er.

Herr Kocak, in der Nacht zum Donnerstag sind Sie und Ihre Eltern in Neukölln Opfer eines Brandanschlags geworden. Die Polizei geht von einem rechtsextremen Hintergrund der Tat aus. Ihr Auto, das nur wenige Meter von der Hauswand geparkt war, wurde angezündet. War das der erste Anschlag auf Sie?

Ja, auf mich persönlich schon, aber vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus 2016 gab es einige rechtsextreme Anschläge in meinem politischen Umfeld. Das hat mich zur Vorsicht veranlasst. Ich habe sehr darauf geachtet, was ich mache.

Was macht dieser Vorfall mit Ihnen?

In der Nacht selbst habe ich vor allem Angst gefühlt. Als ich die Flammen und das offen stehende Tor gesehen habe, dachte ich sofort: Das ist ein Anschlag. Die Feuerwehr kam sehr schnell, aber es kam mir vor wie eine Ewigkeit, weil ich mich so hilflos gefühlt habe.

Mir ist erst im Nachhinein bewusst geworden, in welcher Gefahr wir uns befunden haben. Ich habe nur drei Meter vom Feuer entfernt geschlafen. Wenn ich nicht rechtzeitig aufgewacht wäre, hätte das Haus in Flammen gestanden, und wahrscheinlich hätten wir es nicht mehr rausgeschafft. Inzwischen ist die Angst in Wut übergegangen. Ich möchte den Menschen, die uns das angetan haben, zeigen, dass sie sich damit ein Eigentor geschossen haben: Wir in Neukölln stehen jetzt zusammen und lassen uns das nicht gefallen.

Wie möchten Sie ein Zeichen setzen?

Die Linke Neukölln hat gemeinsam mit dem Bündnis Neukölln und vielen anderen Verbänden und Parteien eine Kundgebung organisiert. Dazu habe ich auch die jüdische, die palästinensische, die kurdische Gemeinde und andere Migrantenorganisationen eingeladen.

Ich habe selbst einen kurdischen Hintergrund und bin der Meinung, dass wir häufig den Fehler machen, uns zu sehr mit den Problemen der Heimatpolitik unserer Eltern und Großeltern zu beschäftigen. Es ist an der Zeit, dass wir unsere Probleme hier vor der Haustür angehen und gemeinsam ein Umfeld schaffen, in dem wir gut miteinander leben können und vor rechter Gewalt geschützt sind.

Hat Neukölln aus Ihrer Sicht ein wachsendes Problem mit rechter Gewalt?

Rechte Gewalt wird hier in Neukölln immer drastischer, aber meiner Ansicht nach besteht das Problem darin, dass die Hemmungen insgesamt abnehmen – die Rechten denken, es sei in Ordnung, so zu sein. Dagegen hilft nur eine starke Solidaritätsbewegung.

Das Gespräch führte Anna Pia Möller. Am Sonnabend, den 3. Februar veranstaltet die Linke gemeinsam mit anderen Parteien und Verbänden um 12 Uhr eine Solidaritätskundgebung gegen rechte Gewalt vor dem Neuköllner Rathaus.

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