Hat ein BVG-Mitarbeiter einem Gast die Fahrt mit dem Bus verwehrt? Foto: Paul Zinken/dpa
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Berliner erstattet Anzeige BVG-Fahrer steht unter Rassismus-Verdacht

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Hat ein BVG-Busfahrer einen Jugendlichen in Steglitz nicht einsteigen lassen, weil der dunkelhäutig ist? Ein Psychologe wird Zeuge und erstattet Anzeige.

Schwere Vorwürfe erhebt ein Fahrgast gegen einen Busfahrer der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Es geht um die Frage: Hat der Fahrer einen Jugendlichen nicht einsteigen lassen, weil der dunkelhäutig ist? Für Uwe Kazenmeier, einen renommierten Psychologen, der auch als Gutachter vor Gericht aussagt, besteht da kein Zweifel.

Kazenmeier saß am 13. Februar gegen 23.30 Uhr in einem Bus der Linie M 85, als er an der Haltestelle Hindenburgdamm/Klingsorstraße nach eigener Aussage etwas beobachtete, das ihn zu einer Anzeige bei der Polizei gebracht habe.

Nach seinen Angaben wartete der Bus an der Haltestelle, wobei die vordere Tür geschlossen war, während aus der mittleren und der hinteren Tür Fahrgäste ausstiegen. An der vorderen Tür hätten „zwei sehr dunkelhäutige Jungs im Alter von etwa 15 Jahren dem Fahrer durch die Scheibe ihre Fahrkarten gezeigt“. Dennoch sei die vordere Tür zu geblieben.

Verdacht auf rassistisches Motiv

Der Bus habe noch rund 30 Sekunden mit geöffneter Mittel- und Hintertür gestanden. „Einer der Jungs stieg in der Mitteltür ein und präsentierte dem Fahrer sein Ticket. Zudem zeigte er auf seinen Begleiter, der noch immer an der vorderen Tür wartete. Der Begleiter klopfte an die Scheibe und zeigte sein Ticket.“ Der Bus habe immer noch gestanden. Nun habe der Fahrer alle Türen geschlossen und sei losgefahren. Der andere Junge sei dem Bus hinterhergelaufen.

„Es war unmissverständlich eine klare Weigerung des Busfahrers, die Jungs mitzunehmen“, sagt Kazenmeier. „Der Verdacht drängt sich auf, dass ein rassistisches Motiv vorliegt, eine andere Erklärung ist nicht ersichtlich.“ Die Jungs hätten Tickets gehabt, seien ruhig und nüchtern gewesen.

Ein BVG-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zum konkreten Fall ab, „da es sich hier um ein laufendes Ermittlungsverfahren handelt“. Intern hat die BVG den Busfahrer ermittelt. Kazenmeier wird am Montag bei der Polizei als Zeuge vernommen. Der BVG-Sprecher sagte weiter: „Grundsätzlich verurteilen wir als BVG jede Form von Rassismus aufs Schärfste.“ Man fühle sich der vor etlichen Jahren unterzeichneten Charta der Vielfalt verpflichtet.

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