Eine Frau mit einem Berlinale-Rucksack am Potsdamer Platz Foto: dpa/Gregor Fischer
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Berlinale-Kolumne Geraten Sie nicht in Panik

Schwarz-weiß-grau sind die Berlinale-Beutel diesmal, wie ein alter Film. Immerhin Wein kann man darin gut transportieren. Den braucht man auch. Eine Kolumne.

Jetzt kann die Berlinale einpacken. Die Festivaltaschen dieses Jahrgangs sind schwarz-weiß-grau, wie so’n oller Film. Vielleicht ja wegen Kosslick.

Im Fanshop am Potsdamer Platz verzweifelt eine ältere Dame daran, das Schnürband des Retro-Rucksacks aufzukriegen. „Das leiert noch aus“, tröstet eine Verkäuferin. Hoffentlich gilt das nicht für die Babyschnuller; neu im Angebot für fünf Euro. Auf jeden Fall sind sie GAR NICHT GEFÄHRLICH.

Zitat aus der Packungsbeilage: „Falls der Beruhigungssauger vollständig in den Mund des Kindes gerät, geraten Sie NICHT IN PANIK, er kann nicht verschluckt werden und ist dafür konstruiert, ein solches Ereignis zu bestehen.“ Hoffentlich sind die Babys dafür auch konstruiert.

Was alle Berlinale-Taschen gemein haben: Wichtige Papiere knicken hier drin. Laptops passen kaum rein. Der Reißverschluss reißt irgendwann – auch der meiner Erstlieblingstasche in meiner Zweitlieblingsfarbe (Jg. 2007; lila). Immerhin, das Innenfutter hilft beim Transport von Weinflaschen. Und die kann man zur Berlinale gut gebrauchen.

Immer dabei: Die alte Berlinale-Tasche. Foto: Robert Ide Vergrößern
Immer dabei: Die alte Berlinale-Tasche. © Robert Ide

Der Eröffnungsfilm ist trotz manchem Herzscherz eher zum Ausnüchtern: Hier stirbt ein Bruder an einer Überdosis, da verprügelt ein Mann seine Kinder und seinen Vater mit einem Telefon, das eine Wählscheibe hat. „Das Kino ist oft ein Sprung ins Ungewisse“, sagt die Jurypräsidentin Juliette Binoche zum Auftakt und lächelt fein. Die Berlinale ist oft mehr: ein Sprung ins ungewisse Unglück. Hoffentlich hat das jemand Juliette Binoche vorher gesagt.

Was Berliner wissen sollten: Die Berlinale findet diesmal nicht in Kleinmachnow statt. Offenbar haben sie Angst vor Wildschweinen. Oder den Clanhorden, die Bushido verjagt haben. Kleinmachnower müssen also mit der Bahn ins große Kino fahren. Und sich nach dem Spätfilm ein Hotelzimmer in Berlin nehmen.

Wie der Hertha-Fan aus Leipzig, der per Zug zum Pokalspiel gegen die Bayern anreiste. „Wegen der Berlinale hab’ ich nur ein Hostel an der Potsdamer Straße gekriegt“, klagte er im Bordrestaurant. „Oh, ein heißes Pflaster“, warf eine Frau vom Nebentisch ein, „Rotlicht und so; aber dit kiekt sich weg.“ Dazu der Mann: „Die Dame kommt mir sowieso nur aufs Zimmer, wenn sie Hertha heißt.“

Wann wird endlich ein Berlinale-Film über Hertha-Fans gedreht? Unglück hat der Verein ja oft genug.

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Robert Ide, Berlin-Chef beim Tagesspiegel und großer Kino-Fan, schreibt für den Tagesspiegel jeden Tag seine neue Berlinale-Kolumne - auch auf der Titelseite. Titel: "Im Film mit Robert Ide". Er löst damit Harald Martenstein ab, der seit 1990 die Berlinale als Kolumnist begleitet hat. Hier lesen Sie Martensteins Bilanz im Tagesspiegel.

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