Auch hier wird geknutscht: Matthias Schweighöfer gibt seiner Freundin Ruby O. Fee einen Kuss. Foto: Jens Kalaene/dpa
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Berlinale-Kolumne Das Schönste am Schluss ist immer der Kuss

Die Berlinale geht zu Ende. Schön anstrengend war das. Vom besten Film und dem traurigsten Moment.

Am Ende der Berlinale sind alle fertig. Um mich aufzumöbeln, gehe ich ins L’Oréal-Schminkstudio, eine Art Glitzer-Ufo, das auf dem Potsdamer Platz gelandet ist. „Schade, wir haben keine Termine mehr frei. Da hätten Sie am Anfang kommen müssen“, sagt mir eine Frau am Ufo-Eingang. Mein Einwand, dass ich am Anfang noch fit aussah, überzeugt sie nicht. Zum Trost schenkt sie mir einen kleinen vergoldeten Eiffelturm. Dieses Berlin-Souvenir hatte ich noch nicht.

Das Schönste am Schluss sind die Preisgalas. Dummerweise sind die Regisseure meist schon abgeflogen. Eine kanadische Kamerafrau oder ein turkmenischer Tonhelfer nehmen dann die Preise entgegen; die wirken wenigstens überrascht. Hier meine Goldenen Gummibären:

Der beste Film lief wie immer außer Konkurrenz: „Vice“ ist ein tolles Porträt eines eigentlich Unporträtierbaren, des früheren US-Vizepräsidenten Dick Cheney. Als einer der verschwiegensten Männer der Politik baute er hinterrücks rücksichtslos und hinter dem Rücken von Präsident George W. Bush eine Schattenregierung auf, lange bevor das ganze Weiße Haus einen Schatten hatte.

Dieser mit satirischen Saltos und doch bitterernst inszenierte Film über das über die Grenzen hinaus Machbare von Macht hätten sie vor der letzten US-Wahl mal aus Versehen auf Fox-News ausstrahlen sollen. Dann wäre uns einiges erspart geblieben.

Der beste deutsche Film spielt in Bulgarien: „Die Grube“ ist ein abgewracktes Thermalbecken am Strand von Varna, ein Refugium der Ruhe am Goldstrand des Massentourismus. Hier humpeln alte Menschen her, um Karten oder Mundharmonika zu spielen. „Ich hab meine große Liebe gefunden, mit 61“, lacht ein Mann in die Kamera. Die nächste Szene zeigt ihn am Strand mit seiner russischen Freundin. Die Frau sagt: „Für bulgarische Männer ist alles schwierig. Im Russischen gibt es gar kein Wort für ‚schwierig’“.

In der übernächsten Szene hockt der Mann alleine im Auto und erzählt, dass sie sich getrennt haben. Gerade will ich im Kino weinen (das tue ich öfter), da lacht er wieder: „Ich hab eine Neue.“ Die stillen Wasser rauschen am Strand. Dazu singt ein Rentner: „Träume haben keine Küsten, sie sind in dir.“

Romantik, ey! Das Schönste am Schluss ist immer ein Kuss.

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Robert Ide, Berlin-Chef beim Tagesspiegel und großer Kino-Fan, schreibt für den Tagesspiegel jeden Tag seine neue Berlinale-Kolumne - auch auf der Titelseite. Titel: "Im Film mit Robert Ide". Er löst damit Harald Martenstein ab, der seit 1990 die Berlinale als Kolumnist begleitet hat. Hier lesen Sie Martensteins Bilanz im Tagesspiegel.

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