Bis zu 2500 Euro Schmiergeld soll der Angeklagte im Monat erhalten haben. Nun muss er sich vor dem Landgericht verantworten. Foto: Wolfgang Kumm/dpa
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Berlin-Wedding Korruptionsprozess gegen Polizist begonnen

Ein Oberkommissar soll vier Gastwirte in Wedding vor Kontrollen gewarnt haben. Daneben soll er auch mit Kokain gehandelt haben.

Seine Kollegen kamen im Morgengrauen und stürmten seine Wohnung. Sie führten ihn, den Polizeioberkommissar, unter Korruptionsverdacht ab. Acht Monate später saß Marek G. kopfschüttelnd vor dem Landgericht. Er soll vier Weddinger Gaststätten- und Casinobetreiber vor geplanten Polizei- und Zoll-Einsätzen sowie Kontrollen durch die Steuerbehörden gewarnt haben. Im Gegenzug sei regelmäßig Schmiergeld an G. geflossen, so die Anklage. Zwei Jahre lang. Insgesamt fast 45.000 Euro soll er eingestrichen haben.

Die fünf Männer, die gemeinsame Sache gemacht haben sollen, stehen seit Dienstag gemeinsam vor Gericht. Dem suspendierten Beamten wird gewerbsmäßige Bestechlichkeit, Verrat von Dienstgeheimnissen und Beihilfe zum Drogenhandel zur Last gelegt. Er und Vedat E. befinden sich in Untersuchungshaft. „Mein Mandant ist unschuldig“, sagte einer der Anwälte von G. am Rande des Prozesses. Ob sich der Oberkommissar vor Gericht äußern wird, blieb aber zunächst offen.

Angeklagter auch in Drogen und Glücksspiel verwickelt

Ist Ordnungshüter Marek G., ein Mann mit messerscharfem Scheitel und leichtem Doppelkinn, auf die kriminelle Seite gewechselt? Auch um Kokain geht es im Prozess. G. soll als 1. Vorsitzender eines offiziellen Pokerclubs in Pankow dem Mitangeklagten E. sowie weiteren noch unbekannten Dritten in den Räumlichkeiten des Poker-Vereins ein Zimmer zur Einlagerung von Drogen zur Verfügung gestellt haben. Für 250 Euro im Monat. 53 Gramm Kokain entdeckten seine Kollegen.

Oberkommissar G. hatte eine besondere Stellung. Zuletzt war er auf dem Abschnitt 31 und leitete den gesamten Wachbetrieb. Zu seinen Aufgaben gehörte unter anderem die Planung und Durchführung ordnungsrechtlicher Kontrollen von Gewerbeeinrichtungen und Lokalitäten, so die Anklage.

Privat soll er sich mit einer Eigentumswohnung übernommen haben. Hilfe bei der Tilgung der Kreditraten für die 2009 erworbene Immobilie sei ab Herbst 2015 durch den Mitangeklagten Ahmet M. gekommen. Erst 300 Euro im Monat, dann mehr. Schriftliche Regelungen zur Rückzahlung seien nicht getroffen worden.

Bis zu 2500 Euro Schmiergeld im Monat

War es möglicherweise der Beginn einer verhängnisvollen Abhängigkeit? Im März 2016 sollen G. sowie M. und ein inzwischen verstorbener Wirt eine korrupte Vereinbarung getroffen haben: Für Warnungen soll G. von dem einen Wirt monatlich 500 Euro, vom anderen 300 Euro erhalten haben. Im Dienst soll sich G. für Dinge interessiert haben, die ihn nichts angingen. Um die Wirte mit Hinweisen zu beliefern, soll er das polizeiliche System POLIKS und Funkverkehr genutzt haben. Und er habe seine Kollegen ausgefragt, heißt es in der Anklage.

Mit bis zu 2500 Euro im Monat soll Marek G. geschmiert worden sein. Der mit einer Kubanerin verheiratete Mann und Poker-Fan soll auch auf Kuba eine Immobilie besitzen. G. sei finanziell durch seine Mutter unterstützt worden, sagte sein Verteidiger. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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